++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++

Mehreren Banken droht angeblich Schließung

Die Gläubiger stellen ein Ultimatum: Noch diese Woche soll Athen ein Reformpaket vorlegen. Die Notkredite für die angeschlagenen Banken werden offenbar beibehalten. Filialen bleiben bis mindestens Montag geschlossen.
Update: 09.07.2015 - 01:04 Uhr 64 Kommentare
Den griechischen Banken droht das Geld auszugehen. Quelle: ap
Bankautomat in Athen

Den griechischen Banken droht das Geld auszugehen.

(Foto: ap)

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande fordern vor dem Sondergipfel der Euro-Zone am Abend in Brüssel schnelle Vorschläge aus Athen – die Tsipras auch zusagt. Der neue Finanzminister Griechenlands Euklid Tsakalotos gibt ein wenig Hoffnung, dass doch noch eine Einigung erreicht werden könnte, die Menschen in Griechenland stehen weiterhin vor verschlossenen Banken. Die Entwicklungen des Tages zum Nachlesen.

+++ Insider: Manchen Banken droht die Schließung +++

Auch bei einer Einigung im Schuldenstreit könnte Insidern zufolge ein Umbruch für die angeschlagenen griechischen Banken anstehen. Mehrere große Institute müssten wohl geschlossen werden und mit stärkeren fusionieren, sagten mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Einer der Insider sagte, am Ende könnten von den vier großen Geldhäusern National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus und Alpha Bank noch zwei bestehen bleiben. Einem zweiten Insider zufolge sind zwar Fusionen von Banken notwendig. Ein Umbau der Branche könne aber über eine längere Zeit hinweg erfolgen.

+++ Keine Sonderbehandlung vom IWF +++

Griechenland muss seine Schulden nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) umstrukturieren. Eine Umschuldung müsse Teil eines Plans zur Rettung der griechischen Finanzen sein, bekräftigte IWF-Chefin Christine Lagarde am Mittwoch in Washington. Zu diesem Schritt habe der Fonds - zusammen mit der Forderung nach Reformen - stets geraten, und an dieser Ansicht habe sich auch nichts geändert. Das Land stecke in einer „akuten Krise“, sagte Lagarde in ihrer Rede vor dem Institut Brookings. „Der IWF bleibt der Suche nach einer Lösung, um in Griechenland Stabilität und ein tragfähiges Schuldenniveau wiederherzustellen, voll verpflichtet.“

+++ Griechische Banken bleiben mindestens bis Montag geschlossen +++

Die griechischen Banken bleiben mindestens bis einschließlich Montag geschlossen. Den entsprechenden Ministerialerlass habe Vize-Finanzministerin Nadja Valavani am Mittwoch unterzeichnet, berichtete das Staatsradio (ERT). Auch bleibe das Maximum für Geld-Abhebungen bei 60 Euro pro Tag bestehen.


+++ Lammert rügt „hochmütigen Unterton“ der griechischen Regierung +++

Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) kritisert Auftreten der Athener Regierung nach dem jüngsten Referendum. Es falle ihm „nicht ganz leicht, den hochmütigen Unterton“ der Verantwortlichen zu ignorieren, sagte er der Deutschen Welle in Berlin. Die griechische Regierung halte ihren Kurs durch das mehrheitliche Nein zu den Sparauflagen der Gläubiger für besonders legitimiert und trete entsprechend selbstbewusst gegenüber den europäischen Institutionen auf. Doch auch die Parlamente der 18 anderen Euro-Staaten seien demokratisch gewählt und mit Mitspracherechten ausgestattet. „Und die Erwartungen der dortigen Bevölkerung an den Umgang mit den Regeln der europäischen Haushaltspolitik und des Euro-Regimes sind erkennbar völlig andere als die in Griechenland“, sagte Lammert.

+++ EZB-Ratsmitglied warnt vor Abschreibung griechischer Schulden +++

Das lettische EZB-Ratsmitglied Ilmars Rimsevic hat davor gewarnt, griechische Schulden abzuschreiben. Dies wäre der „Anfang vom Ende“ für die Euro-Zone, sagt er und empfiehlt, vor Diskussionen über einen Grexit noch eine Woche zu warten. Gleichzeitig stellt er fest, dass es Athen mit jedem neuen Vorschlag schwer haben, an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.


+++ EZB verlängert offenbar Nothilfen für griechischen Banken +++

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Notfallhilfe für griechische Banken weiterhin unverändert aufrecht. Dies verlautete am Mittwochabend aus Bankenkreisen nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt am Main. Damit lägen die Kredite weiter bei knapp 90 Milliarden Euro. Dieser Finanzrahmen soll allerdings fast ausgeschöpft sein. Erst am kommenden Montag solle das Kreditvolumen wieder überprüft werden.

Das Ultimatum gegen Tsipras läuft

+++ US-Finanzminister fordert Europäer zur Einigung auf +++

US-Finanzminister Jacob Lew hat die Eurozone aufgerufen, Griechenland mit einem Deal einen „nachhaltigen“ Weg zu Wachstum und Schuldentragfähigkeit zu ermöglichen. Ohne Aussicht auf Umschuldung werde Ministerpräsident Tsipras die geforderten Reformen in seinem Land nicht durchsetzen können. Ansteckungsgefahren durch die Krise für das weltweite Wirtschafts- und Finanzsystem sieht er kaum. Die Lage sei verglichen mit den Jahren 2010 bis 2012 „sehr anders“, sagte Lew bei einer Veranstaltung am Washingtoner Politikinstitut Brookings.

+++ EU prüft Hilfsantrag aus Griechenland +++

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat nach dpa-Informationen die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) damit beauftragt, den griechischen Antrag auf neue Rettungsgelder zu überprüfen. Die Institutionen werden nun die finanzielle Lage des akut pleitebedrohten Landes untersuchen. Nach Angaben von Luxemburgs Finanzminister Gramegna sei der Antrag jedoch bei den Schlüsselfragen Steuer- und Rentenreform „vage“.


+++ Gegenbewegung: Top-Ökonomen fordern Grexit +++

Der Kronberger Kreis, wissenschaftlicher Beirat der Stiftung Marktwirtschaft, hat sich für einen einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion ausgesprochen. Dem Kreis gehören unter anderem auch die zwei Wirtschaftsweisen, Lars P. Feld und Volker Wieland, an. Ein Austritt Griechenlands gefährde weder den Euro, noch Europa; ein „Nachgeben gegenüber der griechischen Forderung nach neuen Krediten oder einem Schuldenerlass ohne Bedingungen“ dagegen umso mehr, teilte das Gremium in Frankfurt am Main mit. „Mit dem Austritt Griechenlands scheitert weder der Euro noch Europa.“

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64 Kommentare zu "++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++: Mehreren Banken droht angeblich Schließung"

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  • "Wo war Russland denn aggressiv?"
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    Er ist der Chef der zweitgrößten russischen Bank, zu 60 Prozent in Staatsbesitz: Andrej Kostin streitet jegliche Einflussnahme Wladimir Putins auf sein Geschäft ab. Und wettert gegen die Sanktionen.
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    Kostin: Ich bin in ständigem Kontakt mit meinen Kollegen in Deutschland, Frankreich, Italien, auch in Amerika. Ich bekomme nie Feindseligkeiten zu spüren. Unser Verhältnis hat sich nicht geändert. Die Spannungen spielen eher politisch und medial eine Rolle, nicht in den Geschäftsbeziehungen. Und selbst viele amerikanische Banker teilen unsere Meinung, dass die Sanktionen gegen Russland abgeschafft werden sollten.
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    Kostin: Der Ursprung war, dass ein völlig demokratisch gewählter Präsident auf verfassungswidrige Art und Weise gestürzt wurde. Das führte zu einer antirussischen Bewegung. Die Menschen auf der Krim sind mehrheitlich Russen und fühlten sich bedroht. Und die große Mehrheit dort unterstützt bis heute den Anschluss an Russland. Warum nimmt Europa das zum Anlass, unsere Wirtschaftsbeziehungen zu zerstören? Wenn wir eine Lösung des Konflikts erreichen wollen, sollte man verhandeln, wie es in Minsk getan wurde.
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    Kostin: Der Ursprung war, dass ein völlig demokratisch gewählter Präsident auf verfassungswidrige Art und Weise gestürzt wurde. Das führte zu einer antirussischen Bewegung. Die Menschen auf der Krim sind mehrheitlich Russen und fühlten sich bedroht. Und die große Mehrheit dort unterstützt bis heute den Anschluss an Russland. Warum nimmt Europa das zum Anlass, unsere Wirtschaftsbeziehungen zu zerstören? Wenn wir eine Lösung des Konflikts erreichen wollen, sollte man verhandeln, wie es in Minsk getan wurde.

  • Jetzt unterschreibt man alles und bekommt Geld.
    Dann hält man sich an nichts, hat das Geld, und hat Zeit gewonnen.
    Bis zur Wiederholung.
    Und bekommt wieder Geld.

  • Money for nothing
    ---------------------
    Tsipras: Reformen - weiche von mir, Satan!
    Wir haben doch schon viele "Reformen" angekündigt, welche wir natürlich nie realisiert haben.
    Unsere Devise lautet: Wir versprechen alles und halten nichts!
    Am Sonntag haben wir ein Referendum abgehalten und 61% der Griechen haben sich gegen die Forderungen der "Troika" entschieden. Wir wollen nicht sparen.
    Wir fragen immer nur: "Wo bleibt das Geld?"

  • Geht man davon aus, dass auch Tsipras keine schlechten Absichten für sein Volk hat - wovon ich ausgehe - dann will er wirklich durch sein taktisches Verhältnis zur Wahrheit tatsächlich seine Verhandlungsposition verbessern. Wenn dem so ist, besteht noch Hoffnung auf eine Einigung.

    Sowohl die EU als auch Tsipras hat ein Interesse daran, dass in Griechenland eine funktionierende moderne staaltliche Verwaltung aufgebaut wird. Das ist ein Ansatzpunkt.
    Und auch an der Erzielung eines Primärüberschuss hat er ein Interesse. Auch das ist ein Ansatzpunkt.

    Den Schaden, den ein failed-state Griechenland im Extremfall für die EU anrichtet, ist das Maß dessen, was maximal für eine Unterstützung Griechenlands in die Hand genommen werden sollte. Und welcher President hat kein Interesse an einer funktionierenden staatlichen Verwaltung? Dann wird er dafür auch in jeder Beziehung genau definierte Vorgaben und Verfahrensschritte verbindlich akzeptieren.

    Jedenfalls gibt es noch einen Silberstreif am Horizont.

  • das sind beides (Tsipras und Varoufakis) Demagogen (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Zitat: "US-Finanzminister Jacob Lew hat die Eurozone aufgerufen, Griechenland mit einem Deal einen „nachhaltigen“ Weg zu Wachstum und Schuldentragfähigkeit zu ermöglichen. Ohne Aussicht auf Umschuldung werde Ministerpräsident Tsipras die geforderten Reformen in seinem Land nicht durchsetzen können. "

    tja, dann soll er doch den Griechen die Umschuldung anbieten.

    jetzt muss Europa zum ersten Mal seit WK2 seine Selbständigkeit beweisen und nabelt sich damit von den ehemaligen Kolonien in Amerika ab. Das wird den USA gar nicht gefallen wenn sie sollch einen Schuss vor den Bug bekommen...

  • @Ludwig
    Immer diese Commentarius Simplificus.
    Die geostrategische Lage zaehlt immens, die ist fuer die USA immens wichtig.
    Und nicht vergessen. Deutschland ist ein US-Bundesstaat.

    Die Schlussfolgerung ueberlasse ich Ihnen

  • @Ludwig
    Immer diese Commentarius Simplificus.
    Die geostrategische Lage zaehlt immens, die ist fuer die USA immens wichtig.
    Und nicht vergessen. Deutschland ist ein US-Bundesstaat.

    Die Schlussfolgerung ueberlasse ich Ihnen

  • Ich finde, dass in der Griechenland-/ Euro-Frage viel zu hoch gepokert wird. Dieser unbedeutende Staat ist dieses Aufwandes nicht wert. Die ganze Schmierenkommödie sollte nun endlich beendet werden. Unsere maßgebenden Politiker sollten sich nicht weiter durch diese Teppichhändler an der Nase herumführen lasse.
    Zum Vergleich:
    - Griechenland hat rund 11 Millionen Einwohner;
    - Bayern hat rund 13 Millionen Einwohner.
    Es wäre interessant, zu wissen, wie hoch der gegenwärtige Schuldenstand pro Einwohner in Griechenland und vergleichsweise in Bayern ist.
    Frage:
    Hatte Griechenland in seiner zweihundertjährigen neueren Geschichte jemals einen ausgeglichenen Haushalt?

  • Vor dem Referendum

    Tripras´ Botschaft an "sein" Volk:
    Nein => wir bleiben im Euro, es wird eine Vereinbarung geben
    Ja => weitere schmerzliche Rentenkürzungen

    Er hat wider besseren Wissens das Nein aufgeladen mit dem Verbleib im Euro ohne schmerzliche Reformen.

    Mit der Angst der Griechen vor einem weiteren Verlust des Lebensstandards hat er Politik gemacht für seine Nein-Kampagne, hat diesen vorgegaukelt, den Euro ohne schmerzliche Reformen behalten zu können. Diese nicht umsetzbare Option haben sie gewählt in ihrem Wunsch, dass sich ihr Lebensstandard nicht verschlechtere.
    ---

    Nach dem Referendum

    schiebt er die Verantwortung für seine haltlosen Versprechungen von sich auf sein Volk:

    - "Das war eine mutige Entscheidung" sinngemäß direkt nach dem Refendung - eine rettende Vereinbarung also doch nicht ganz so sicher?

    - heute in Straßburg:
    "Die ganze vorherige Woche war die große Mehrheit der Aussagen der europäischen Politiker, dass ein Nein im Referendum automatisch einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bedeutet. *Das haben die Bürger Griechenlands gewußt, als sie an die Urne getreten sind*."

    Glaubt er denn wirklich, dass die Mehrheit der Griechen die Debatten in Europa, speziell in Deutschland mitverfolgen konnten, um wirklich zu verstehen, welche Konsequenzen der Ausgang des Referendums für ihre materielle Existenzgrundlage hat?
    Ist das das Demokratieverständnis von Tsipras, sein Volk nicht nur unaufgeklärt, sondern bewußt getäuscht in eine "Wahl" zu schicken?
    ---

    Nichts desto trotz ist das Volk verantwortlich.

    Jetzt muss schon ein Wunder passieren, in letzter Minute noch einen für alle rettenden Ausgang zu finden - Tsipras hat den Schlüssel dazu in der Hand.
    ---

    Varoufakis´ Botschaft - zur besten Sendezeit: Ja => es wird fürchterlich
    Varoufakis´ Botschaft - zur besten Sendezeit: Nein => Vereinbarung innerhalb 24 h

    Toller Weltverbesserer!? Wie kann man deren Verhalten gutheißen?

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