+++ LIVEBLOG ZUR KRISE IN DER UKRAINE +++
Kiew schickt neue Waffen in die Ostukraine

Die Ukraine nimmt zehn russische Soldaten gefangen, die die Grenze „aus Versehen“ überquert haben. In Minsk beginnen die Gespräche zwischen Putin und Poroschenko. Trotz Händedruck – der Gastgeber dämpft die Hoffnungen.
  • 52

Düsseldorf/Minsk/KiewWährend alle Welt auf den Krisengipfel in der weißrussischen Hauptstadt Minsk schaut, kommen aus der Ostukraine neue Hiobsbotschaften. Russland gesteht ein, dass dort eigene Soldaten im Einsatz sind. Die wichtigsten Ereignisse im Liveblog.

+++Kiewer Regierung schickt neue Waffen für Militär in die Ostukraine+++

Während der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko in Minsk mit Russland über Frieden für die Ostukraine verhandelt, plant die Regierung in Kiew den Kauf neuer Waffen. Das Kabinett beschloss am Dienstag, binnen 48 Stunden Kriegsgerät für die so genannte Anti-Terror-Operation ins Krisengebiet zu schicken, wie die Regierung mitteilte. Das Verteidigungsministerium soll demnach sämtliche Bestände der Rüstungsfirma Ukroboronprom kaufen und unverzüglich in den Osten des Landes senden.

Das Militär hatte nach den jüngsten Vorstößen der prorussischen Separatisten über fehlende gepanzerte Technik geklagt. Poroschenko hatte am Sonntag mehr als 2,2 Milliarden Euro für neue Rüstungsgüter angekündigt. Moskau fordert eine Waffenruhe zwischen Kiew und den prorussischen Separatisten.

Die Aufständischen im umkämpften Donezk berichteten von heftigem Beschuss durch Regierungstruppen. Mehrere Kämpfer seien getötet worden, sagte ein Sprecher der Agentur Interfax. Der nationale ukrainische Sicherheitsrat teilte mit, die Lage um die Hafenstadt Mariupol habe sich stabilisiert. Dort waren am Montag Gefechte mit angeblich eingedrungenen russischen Panzerwagen gemeldet worden.

+++Russland erwägt Hilfe für Ölkonzern Rosneft+++

Der vom Westen mit Sanktionen belegte staatliche russische Ölkonzern Rosneft kann auf Finanzhilfen der Regierung hoffen. Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew sagte am Dienstag, dass Moskau dem Unternehmen womöglich unter die Arme greift. Die Finanzspritze würde jedoch geringer ausfallen als von dem Konzern angefragt - Rosneft hatte einem Zeitungsbericht zufolge vor kurzem um Hilfen von umgerechnet 31 Milliarden Euro gebeten. Nach einem Vorschlag von Konzernchef Igor Setschin solle der russische Staatsfonds Anleihen seines Unternehmens kaufen.

Die Summe von 31 Milliarden Euro (1,5 Billionen Rubel) entspricht genau der Verschuldung von Rosneft zur Jahresmitte. Das Unternehmen muss nach eigenen Angaben in diesem Jahr 440 Milliarden und 2015 weitere 626 Milliarden Rubel zurückzahlen. Wegen des Konfliktes in der Ukraine hat der Westen russische Firmen mit Strafmaßnahmen belegt. So darf sich Rosneft auf dem US-Finanzmarkt kein Geld mehr leihen. Dies betrifft Anleihen und Darlehen mit einer Laufzeit von mehr als drei Monaten.

Die USA und die EU wollen Russland mit den Sanktionen dazu bewegen, auf die Separatisten im Osten der Ukraine mäßigend einzuwirken. Sie werfen der Regierung in Moskau außerdem vor, die Kämpfer zu unterstützen. Dies weist Russland zurück.

+++Putin droht Ukraine mit weiteren Handelssanktionen+++
Nach dem Import-Stopp für EU-Agrargüter durch Russland hat Präsident Wladimir Putin vor einer Umgehung der Sanktionen gewarnt. Falls die europäischen Waren den russischen Markt über die Ukraine erreichten, könne dies Russlands Wirtschaft über zwei Milliarden Euro kosten, sagte Putin beim Spitzentreffen zur Ukraine-Krise in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Daher würde Russland in diesem Fall mit weiteren Handelssanktionen reagieren.

+++Ukraine fordert Ende der Waffenlieferungen an Separatisten+++
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko betrachtet eine wirksame Kontrolle der Grenze zu Russland und einen Stopp der Waffenlieferungen an die Separatisten als einzige Möglichkeit, um das Blutvergießen im Osten seines Landes zu beenden. Zudem müssten die Kriegsgefangenen freigelassen werden, sagte Poroschenko bei einem Treffen am Dienstag in Minsk, an dem auch der russische Präsident Wladimir Putin teilnahm. Er werde sich alle Vorschläge anhören, die Frieden bringen könnten.

+++Putin wirbt in Minsk für friedliche Lösung +++
Der Ukraine-Konflikt lässt sich nach den Worten von Russlands Präsident Wladimir Putin nur mit friedlichen Mitteln lösen. Moskau sei zu einem weiteren Dialog über die Krise in der Ostukraine bereit, sagte Putin am Dienstag beim Gipfel in Minsk russischen Agenturen zufolge. An dem Treffen nahmen auch sein ukrainischer Amtskollege Petro Poroschenko und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton teil. „In Minsk entscheidet sich das Schicksal der Welt und Europas“, sagte Poroschenko. Er warb für seinen Friedensplan. Ziel der Gespräche sei es, das Blutvergießen in seinem Land zu beenden und einen politischen Kompromiss zu suchen.

+++Putin und Poroschenko reichen sich die Hand+++
In Minsk hat ein Gipfeltreffen mit den Präsidenten Russlands und der Ukraine, Wladimir Putin und Petro Poroschenko, sowie der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton begonnen. Im Mittelpunkt sollten die Gefechte in der Ostukraine mit bereits mehr als 2000 Toten stehen. Zu Beginn der Gespräche gaben sich Putin und Poroschenko nach Angaben der Agentur Interfax die Hand. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko schlug als Gastgeber eine „Minsker Erklärung“ vor. Details nannte er nicht. Kasachstans Staatschef Nursultan Nasarbajew forderte eine Waffenruhe in der Ostukraine, damit das Krisengebiet mit Lebensmitteln versorgt werden könne.

+++Gastgeber dämpft Hoffnung bei Spitzentreffen +++
Zu Beginn des Spitzentreffens zur Ukraine-Krise hat der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko die Erwartungen gedämpft. Man dürfe keinen großen Durchbruch erwarten, "aber wir sollten mit Fortschritten in Richtung Frieden beginnen", sagte Lukaschenko als Gastgeber des Treffens am Dienstag in Minsk. Die ukrainische Seite äußerte dagegen größere Hoffnungen: "Ich hoffe, das Ergebnis des heutigen Treffens wird eine Einigung sein, die Frieden auf ukrainischem Boden bringt", sagte Präsident Petro Poroschenko. In Minsk traf er sich erstmals seit Monaten wieder mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin, beide schüttelten sich die Hände.

++Putin ist in Minsk eingetroffen+++
Der russische Präsident Wladimir Putin ist zu den mit Spannung erwarteten Krisengesprächen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eingetroffen. Putin habe sich nach der Ankunft auf den Weg zum Palast der Unabhängigkeit gemacht, berichteten Medien in Minsk am Dienstag. Dort sollte der Kremlchef zunächst in großer Runde auch mit seinem ukrainischen Amtskollegen Petro Poroschenko zusammentreffen. Allerdings galten auch bilaterale Verhandlungen der beiden Staatschefs über den Ukraine-Konflikt als wahrscheinlich. Es wäre das erste Vier-Augen-Gespräch von Putin und Poroschenko seit einem Treffen am Rande einer Weltkriegs-Gedenkfeier im Juni in der Normandie.

+++Poroschenko hofft auf Frieden+++
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat Frieden in seinem krisengeschüttelten Land als Hauptziel des Treffens mit Kremlchef Wladimir Putin in Minsk genannt. Eine Vereinbarung zur Beendigung der Kämpfe wäre ein „wichtiger Meilenstein“, sagte er am Dienstag nach Gesprächen mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in der weißrussischen Hauptstadt. Poroschenko betonte, die Integration der Ukraine in EU-Strukturen richte sich nicht gegen den Nachbarn Russland. „Im Gegenteil - das Assoziierungsabkommen mit der EU soll den Handel beleben“, sagte er. Poroschenko traf sich in Minsk auch mit seinem weißrussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko.

+++Russland halbiert Wachstumsprognose für 2015+++
Russland hat angesichts der westlichen Sanktionen seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr halbiert. Statt der bislang erwartet zwei Prozent werde das Bruttoinlandsprodukt wohl nur um ein Prozent zulegen, sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister Alexej Wedew am Dienstag in Moskau. Für dieses Jahr werden unverändert 0,5 Prozent vorausgesagt. Russland machen die Strafmaßnahmen des Westens zu schaffen, die wegen des russischen Vorgehens auf der Krim und in der Ukraine verhängt wurden. Das Land leidet auch unter einer Kapitalflucht. Wedew erwartet zudem eine steigende Inflation. Die Verbraucherpreise dürften 2015 um 7,0 bis 7,5 Prozent zulegen. Bislang waren sechs Prozent erwartet worden.

+++Separatisten wollen Neuwahlen verhindern+++
Die Aufständischen in der Ukraine haben die von Staatspräsident Petro Poroschenko für den 26. Oktober ausgerufene Parlamentswahl als „Provokation“ bezeichnet. Es werde in den Separatistengebieten im Osten der Ex-Sowjetrepublik keine Abstimmung geben, kündigte einer der Sprecher der militanten Gruppen, Sergej Kawtaradse, am Dienstag in Donezk an. Wenn die Führung in Kiew in den Regionen Donezk und Lugansk Wahlkampf mache oder für den Urnengang werbe, müsse sie mit einer „harten Reaktion“ rechnen.

+++Ukrainische Nationalisten nehmen Journalisten gefangen+++
In der Ukraine hat die ultranationalistische Gruppierung Rechter Sektor zwei Journalisten von der Krim gefangen genommen. Die Journalisten Jewgenia Koroljowa und Maxim Wasilenko seien nahe der Stadt Donezk im Osten der Ukraine festgenommen worden, sagte der Rechter-Sektor-Führer Andrej Tarasenko am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Identität der beiden sei überprüft worden, anschließend sollten sie wieder freigelassen werden. Die Reporter arbeiten für eine Wochenzeitung auf der ukrainischen Halbinsel Krim, die im März von Russland annektiert worden war.

+++Putin am Mittag erwartet+++
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist zu den mit Spannung erwarteten Krisengesprächen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eingetroffen. Der Staatschef habe sich nach der Ankunft auf den Weg zur Botschaft seines Landes gemacht, berichteten Medien in Minsk am Dienstag. Dort wollte er zunächst mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton auch über den Kampf der ukrainischen Armee gegen prorussische Separatisten sprechen. Die EU-Delegation mit Ashton an der Spitze landete kurz nach Poroschenko. Der russische Präsident sollte am frühen Nachmittag in der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik eintreffen.

+++Weißrussland, die letzte Diktatur Europas+++
Weißrussland gilt als letzte Diktatur Europas. Die frühere Sowjetrepublik ist das einzige Land auf dem Kontinent, das die Todesstrafe vollstreckt - per Genickschuss. Der autoritäre Präsident Alexander Lukaschenko (59) regiert seit 1994 mit harter Hand in der Hauptstadt Minsk. Weißrussland ist Mitglied im EU-Programm für die Ostpartnerschaft und in der Welthandelsorganisation WTO. Mit einer Fläche von 207 600 Quadratkilometern ist der zwischen Polen und Russland gelegene Staat etwas kleiner als die frühere Bundesrepublik Deutschland.

+++Ukraine veröffentlicht Video von gefangengenommenen Russen+++
Nach der Festnahme von zehn russischen Soldaten hat die ukrainische Armee ein Video veröffentlicht, in dem die Gefangenen offenbar zugeben, in einem bewaffneten Militärkonvoi über die Grenze gefahren zu sein. In dem Video, das am Dienstag im ukrainischen Fernsehen gezeigt wurde, sagt ein Mann in Uniform, der sich als Gefreiter Iwan Miltschakow vom 331. Fallschirmjänger-Regiment vorstellt, dass seine Einheit „in Kolonnen über die Felder, nicht über Straßen“ in die Ukraine gefahren sei. „Ich weiß nicht, in welchem Moment wir die Grenze überschritten haben“, fügte er hinzu.

+++Poroschenko in Minsk eingetroffen+++
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist zu den mit Spannung erwarteten Krisengesprächen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eingetroffen. Der Staatschef habe sich nach der Ankunft auf den Weg zur Botschaft seines Landes gemacht, berichteten Medien in Minsk am Dienstag. Dort wollte Poroschenko mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton auch über den Kampf der ukrainischen Armee gegen prorussische Separatisten sprechen. Zu dem Konflikt waren in Minsk auch Verhandlungen mit Kremlchef Wladimir Putin geplant. Der russische Präsident sollte am frühen Nachmittag in der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik eintreffen.

Seite 1:

Kiew schickt neue Waffen in die Ostukraine

Seite 2:

Schulz sieht Ukraine-Krisengipfel als „Chance“

Kommentare zu " +++ LIVEBLOG ZUR KRISE IN DER UKRAINE +++: Kiew schickt neue Waffen in die Ostukraine"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich reichte Ihnen jetzt mal ein paat Taschentücher zum Augentrocken, dieses Rumgeheule ist ja nicht mehr auszuhalten.

  • Sagen wir so:
    Poroschenko hatte die Demokratie erfunden, nur dass sein Volk das nicht verstanden hatte: ihn als Demokrateur.
    Tja, und nun wirds halt einfach noch etwas teurer für die Ukrainer mit Poroschenko, das mit der Demokratie.

    Und (heul schluchz) deswegen ist die Ukraine auch eine Musterdemokmratie wie sie im Buche steht.

  • Poroschenko ist ein Demokrat.

    Noch lupenreiner als Putin.

    Beide leieben sich (Schluchz) und die EU wird weiter zahlen für diese ganz bedeutende Liebesgeschichte:
    Die Weltbank hatte finanzielle Hilfen für die Ukraine angekündigt, die die EU zu bezahlen hat.
    Poroschenko braucht das Geld für sein hungerndes Volk.

    Ja, so ist das, wenn Demokraten unter sich sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%