+++ Liveblog zur Ukraine-Krise +++
Uno-Sicherheitsrat vor Dringlichkeitssitzung

Der Ukraine droht eine weitere Front: Russische Soldaten sollen die Kontrolle über eine Grenzstadt übernommen haben. Um Mariupol zieht die Regierung Truppen zusammen. Die EU berät über weitere Sanktionen.
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Die USA berichten von Panzerkolonnen, die in die Ostukraine vordingen. Kiew bezichtigt Russland, eine zweite Front eröffnen zu wollen. Ziel sei eine Landverbindung zur bereits annektierten Halbinsel Krim. Moskau bleibt bei seiner Aussage, dass man nur einen weiteren Hilfskonvoi schicken werde. Die Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Putin: 100 tote russischen Soldaten +++

Mehr als 100 russische Soldaten sind Beratern von Präsident Wladimir Putin zufolge vor zwei Wochen bei einer Schlacht in der Ostukraine getötet worden. Zwei Mitglieder des von Putin eingesetzten Menschenrechtsrates, Ella Poljakowa und Sergej Kriwenko, beriefen sich am Donnerstag auf Augenzeugenberichte und Verwandte der Opfer. Am 13. August sei ein mit Munition beladener Konvoi nahe Snischnje in der Provinz Donezk von einer Salve „Grad“-Raketen getroffen worden, erklärten sie. „Mehr als 100 Menschen starben“, sagte Kriwenko per Telefon. Poljakowa sagte, ihr sei die selbe Zahl von getöteten russischen Soldaten zugetragen worden. Zudem habe es etwa 300 Verletzte gegeben. Das Verteidigungsministerium in Moskau wies Berichte über die Präsenz russischer Soldaten in der Ukraine entschieden zurück. Ein Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Interfax, man wisse von einer entsprechenden „Ente“. „Wir müssen die ausländischen Autoren und ihre wenigen Unterstützer in Russland enttäuschen“, sagte er. Die Inhalte „hätten keinen Bezug zur Realität“.

+++ Ukraine und Russland beraten weiter +++

Trotz massiver Vorwürfe aus Kiew über eine russische Militäroffensive in der Ostukraine haben sich erstmals Vertreter der Generalstäbe Russlands und der Ukraine beraten. Sie hätten über einen Gefangenenaustausch gesprochen, sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am Donnerstag bei einer Sitzung des Sicherheitsrates in Kiew. Den Grenzschutz wies Poroschenko an, im umkämpften Osten gemeinsame Patrouillen mit russischen Kollegen zu organisieren. Pläne für die Konsultationen von Generalstab und Grenzschutz hatte Poroschenko nach seinem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin beim Minsker Krisengipfel am Dienstag angekündigt. Die ukrainischen Streitkräfte brachten die Situation im umkämpften Osten des Landes nach Angaben Poroschenkos „unter Kontrolle“. Er bekräftigte seine Anschuldigung gegen Moskau, russische Soldaten seien über die Grenze gekommen. Russland wies dies zurück.

+++ Merkel: Weitere Sanktionen möglich +++

Die Europäische Union wird bei ihrem Sondergipfel in Brüssel am Samstag über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland beraten. Dies kündigte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der neuen Zuspitzung im Osten der Ukraine am Donnerstagabend in Berlin an. „Wir wollen diplomatische Lösungen, wir werden da auch nicht nachlassen“, sagte Merkel. „Aber wir müssen feststellen, dass sich die Dinge in den letzten Tagen wieder erschwert und verschlechtert haben.“

Die Kanzlerin verwies auf Vereinbarungen innerhalb der EU, wonach bei einer weiteren Eskalation in der Ukraine über weitere Strafmaßnahmen gesprochen werden müsse. Jetzt gebe es Berichte, wonach es eine „verstärkte Präsenz auch russischer Soldaten gibt und auch neue Unruhen und neue Vormärsche“. Deshalb würden sich die Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Länder neu mit der Frage von Sanktionen beschäftigen. „Das Thema wird auf der Tagesordnung des Rates sein.“

+++ Sondertreffen zwischen Nato und Ukraine am Freitag +++
Die Botschafter der Nato-Staaten und der Ukraine kommen am Freitag zu einem Sondertreffen zusammen, wie ein Vertreter des Verteidigungsbündnisses sagt. Demnach bat das osteuropäische Land um die Sitzung.

+++ Poroschenko warnt vor Panik +++
Nach dem Eindringen russischer Soldaten in die Ukraine hat deren Präsident Petro Poroschenko seine Landsleute zur Ruhe gemahnt. „Destabilisierung der Lage und Panik, das sind genauso wichtige Waffen des Feinds wie Panzer“, sagte Poroschenko nach einem Bericht der Agentur Interfax auf einer Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrats am Donnerstag.


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+++ Cameron warnt Putin +++

Der britische Premierminister David Cameron fordert Russland auf, sofort das Überqueren der ukrainischen Grenze mit russischen Panzern zu stoppen. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin warnt er vor „weiteren Konsequenzen“.


+++ Weizenpreis zieht an +++
Die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine - zwei der weltgrößten Weizen-Exporteure - haben am Donnerstag die Preise für das Getreide in die Höhe getrieben. An der Chicagoer Börse verteuerte sich ein Scheffel US-Weizen zur Lieferung im Dezember um bis zu drei Prozent auf rund 5,79 Dollar. EU-Weizen zur Lieferung im November kostete mit 176 Euro je Tonne 1,4 Prozent mehr. „Es gibt zwar noch keine Anzeichen dafür, dass die Ausfuhr der Ukraine behindert wird, aber die Krise rückt näher an den Handelshafen Mariupol heran“, sagte ein Händler.

+++ Ukraine sammelt Truppen bei Mariupol +++
Das ukrainische Militär hat nach Angaben eines Sprechers Truppen zur Verteidigung der ostukrainischen Stadt Mariupol zusammengezogen. Es stünden genügend Soldaten zur Verfügung, um zu verhindern, dass die Stadt von feindlichen Kräften erobert werde.

+++ Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrat +++

Der Uno-Sicherheitsrat kommt noch am Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Wie Diplomaten in New York mitteilten, treffen sich die 15 Mitglieder des mächtigsten Uno-Gremiums um 18.00 Uhr (MESZ) am Sitz der Vereinten Nationen in der US-Metropole zusammen. Die Sitzung sei durch das EU-Land Litauen beantragt worden, das derzeit zu den zehn nicht ständigen Mitgliedern im Sicherheitsrat gehört.

+++ Polen besorgt +++
Polens Außenminister Radoslaw Sikorski wirft Russland ein aggressives Vorgehen in der Ukraine vor. Es handle sich um die schwerste Sicherheitskrise seit Jahrzehnten.

+++ Außenminister: Russland zieht „ganze Welt“ in einen Krieg hinein +++
Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin wirft Russland vor, mit russische Fallschirmjägern und anderen Soldaten sein Land „und die ganze Welt“ in einen Krieg hineinzuziehen. Die Lage habe sich dadurch dramatisch geändert, zitiert ihn die „Bild“. Er erwarte daher von Europa eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland sowie militärische und technische Hilfe.

+++ EU sehr besorgt über Lage in Ukraine +++
Die EU zeigt sich angesichts der eskalierenden Lage in der Ukraine sehr besorgt. Russland müsse jegliche Feindlichkeiten an der Grenze einstellen, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Donnerstag in Brüssel. „Das umfasst natürlich die Bewegung von Waffen, Ausrüstung und Militärangehörigen von Russland in die Ukraine.“ Die Sprecherin reagierte damit auf den Vorwurf des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, Russlands Militär sei in sein Land einmarschiert. Der Staatschef aus Kiew wird am Samstag zu Gesprächen in Brüssel erwartet.

+++ Nato spricht von mehr als 1000 Soldaten +++
Russland setzt nach Angaben der Nato derzeit mehr als 1000 eigene Soldaten in der Ukraine ein. „Wir schätzen, dass deutlich mehr als 1000 russische Soldaten innerhalb der Ukraine operieren“, sagte ein ranghoher Offizier der Nato am Donnerstag im militärischen Nato-Hauptquartier in Mons. „Das ist eine eher konservative Schätzung. Dahinter steht sehr große militärische Stärke.“ „Sie unterstützen die Separatisten, sie kämpfen mit ihnen“, sagte der Offizier. Es habe in den vergangenen beiden Wochen eine deutliche Verstärkung der russischen Militäroperationen gegeben. Im russischen Grenzgebiet zur Ukraine seien schätzungsweise rund 20.000 Soldaten stationiert. Sie seien besser ausgerüstet als zuvor eingesetzte Truppen. „Das ist eine Invasionsarmee.“


+++ Separatisten widersprechen Berichten +++
Die Separatisten in der Ostukraine haben Berichten der Regierung in Kiew über eine russische Intervention widersprochen. „In Kiew wiederholt man sich mit dem Einmarsch, um die Niederlagen der ukrainischen Armee irgendwie zu erklären“, teilten die Aufständischen am Donnerstag mit. Es gebe keine russischen Truppen im Kampfgebiet. Russische Abgeordnete kritisierten den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko wegen seines Vorwurfs einer Militärintervention scharf. „Wir haben schon mehrere Erklärungen der ukrainischen Führung gehört, die sich als Lügen erwiesen haben. Jetzt sind wir Zeugen einer neuen Ente“, sagte etwa Jewgeni Serebrennikow vom Föderationsrat in Moskau.

+++ Röttgen: EU sollte neue Sanktionen beschließen +++
Die EU und der Westen müssen nach Ansicht des CDU-Politikers Norbert Röttgen entschlossen auf das russische Vorgehen in der Ukraine reagieren. „Wir haben jetzt die Situation, die steht inzwischen fest, dass Russland außerhalb des bisherigen Gebietes mit eigenen Kräften, mit Panzern und Soldaten militärisch in der Ukraine präsent ist“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. „Es muss als Antwort neue Sanktionen geben und darüber muss auf dem EU-Sondergipfel am Samstag beraten und am besten bereits beschlossen werden.“ Zögerlichkeit werde vom russischen Präsidenten Wladimir Putin nur als Schwäche der Europäer ausgelegt, die ihn ermuntere, weiter zu machen.

Kommentare zu " +++ Liveblog zur Ukraine-Krise +++: Uno-Sicherheitsrat vor Dringlichkeitssitzung"

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  • Genau, und vollkommen richtig. Genauso wie die Phantom Krim. Russisches Territorium. Leben lauter Russen da.

  • Wenn man duldet dass Russland mit Militärfahrzeugen die Grenze zur Ukraine überquert, kann/muss man auch dulden dass zB. Israel den Libanon einnimmt , oder /und Gaza besetzt und annektiert, den Sinai als teil Israels ausruft , den Suezkanal kontrolliert und den Golan besiedelt .
    Absurd ? Bei weitem nicht , wenn Russland nicht eingebremst wird !!!

  • "Mehr als 100 russische Soldaten sind Beratern von Präsident Wladimir Putin zufolge vor zwei Wochen bei einer Schlacht in der Ostukraine getötet worden. Zwei Mitglieder des von Putin eingesetzten Menschenrechtsrates, Ella Poljakowa und Sergej Kriwenko, beriefen sich am Donnerstag auf Augenzeugenberichte und Verwandte der Opfer"


    Die Leugnung russischer gefallener Soldaten von höchster Stelle zeigt Putins Kälte. Das Opfer der Soldaten und die Trauer der Hinterbliebenen wird ins lächerliche gezogen. Das ist kein Zynismus mehr - diese menschenverachtende Praxis erinnert an sowjetisches Denken und Methoden. Wann will Putin den Hinterbliebenen zugestehen behaupten zu dürfen, dass ihre Söhne und Väter für Russland gefallen sind? Ist das das "Neue russische Imperium", was Putin aufbauen möchte? Im 21. Jahrhundert sollten solche Dinge nicht mehr in Europa praktiziert werden.

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