Pferdefleischskandal
Französische Justiz leitet Ermittlungen ein

Die französische Justiz nimmt ermittelt nun im Pferdefleischskandal. Betroffen sind ein Großhändler und neun mutmaßliche Komplizen. Bei den Ermittlungen geht es bisher um 200 Pferde aus Laboren von Pharmaunternehmen.
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MarseilleIm Skandal um den mutmaßlichen Handel mit Pferdefleisch aus Pharmalaboren hat die Staatsanwaltschaft in der südfranzösischen Stadt Marseille Ermittlungsverfahren gegen zehn Verdächtigte eingeleitet. Betroffen sind nach Angaben eines Justizsprechers vom Donnerstag ein 59 Jahre alter Fleischgroßhändler, dessen Frau und Sohn, sechs Pferdehändler und ein Informatiker. Ihnen wird unter anderem Urkundenfälschung und Betrug vorgeworfen.

Elf andere Verdächtigte, die am Montag bei einer großangelegten Polizeirazzia in verschiedenen Städten in Südfrankreich festgenommen worden waren, sollen in Kürze erneut vernommen werden. Unter ihnen sind auch vier Tierärzte, die laut Staatsanwaltschaft ohne vorherige Untersuchung der Pferde deren Eignung zum Verzehr bescheinigt hatten.

Bei den Ermittlungen geht es bisher um rund 200 Pferde aus Laboren von Pharmaunternehmen - darunter 60 vom französischen Sanofi-Konzern - oder von Reitställen, die seit Mai 2011 entgegen der geltenden Vorschriften in den Fleischhandel kamen. Der Marseiller Oberstaatsanwalt Brice Robin schließt aber nicht aus, dass der schwunghafte Handel weit umfangreicher war. Die Ermittlungen seien erst "ganz am Anfang".

Die Pferde aus Pharmalaboren waren Versuchstiere oder ihnen wurde Blut für die Herstellung von Impfstoffen entnommen. Tiere aus Versuchslaboren dürften grundsätzlich nicht in die Lebensmittelkette gelangen, teilte das Pariser Landwirtschaftsministerium mit.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge war der Fleischgroßhändler aus dem südfranzösischen Narbonne der Drahtzieher. Ihm wird vorgeworfen, nicht zum Verzehr bestimmte Pferde billig gekauft und mit Hilfe von Komplizen in den Handel gebracht zu haben.

Der Fall ist ein erneuter schwerer Schlag für die französische Pferdefleischbranche. Die südfranzösische Firma Spanghero hatte zum Jahresbeginn im Zentrum eines europaweiten Pferdefleisch-Skandals gestanden. Das Unternehmen hatte als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch verkauft, das in Tiefkühl- und Fertiggerichten in zahlreichen europäischen Ländern, darunter in Deutschland, in den Handel kam.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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