Rettungspakete
Was die Euro-Krise Deutschland kosten kann

Deutschland gilt bisher als Krisengewinner. Doch schon seit dem ersten Hilfspaket für Griechenland hat es sich zu immer neuen Rettungsmaßnahmen verpflichtet. Dabei macht jeder weitere Schuldenschnitt die Rettung noch teurer.
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Düsseldorf/BerlinDie Risiken, die Deutschland bisher für die Rettung der Europäischen Währungsunion eingegangen ist, klingen in offizieller Lesart nicht dramatisch. Die bisherigen Rettungsprogramme für Griechenland, Portugal und Irland umfassen nach einer Aufstellung des Bundesfinanzministeriums Bürgschaften über 73 Milliarden Euro - wenn sie vollständig ausgezahlt sind. 60 Milliarden Euro davon werden - bis 2015 - auf das Konto Griechenlands gehen. Bisher garantiert hat Deutschland knapp die Hälfte dieser Summe.

Als Verlust fällt das Geld für den deutschen Steuerzahler erst an, wenn Rettungsaktionen scheitern und - etwa Griechenland - seine Kredite nicht mehr bedienen würde. Dann erst würden die Bürgschaften fällig.
Gelingt es den Empfängerländern trotz der sich verschärfenden Wirtschaftskrise, ihre Sparzusagen einzuhalten und die Kredite später nach und nach zurückzuzahlen, dann würden die bisherigen Rettungsaktionen für Deutschland sogar ein gutes Geschäft. Denn der Bund kann sich das Geld derzeit für Zinsen nahe null an den Märkten leihen.

Bis Ende 2011 hat Griechenland für die Hilfskredite bereits 380 Millionen Euro an Zinsen gezahlt. Noch dazu kommt der Zinsvorteil für den deutschen Staatshaushalt, denn der Bund profitiert auch von der Krisenangst: Weil deutsche Staatsanleihen als absolut sicher gelten, zahlt er nur geringe und oftmals auch gar keine Zinsen auf neu ausgegebene Staatsanleihen.
Bis Ende 2011 schätzt das Finanzministerium die Zinsersparnis des Bundes auf 3,5 Milliarden Euro. In diesem Jahr dürfte der Betrag noch höher ausfallen. Bisher ließe sich Deutschland also mit Fug und Recht als Krisengewinner bezeichnen.

Dass das allerdings so bleibt, ist sehr fraglich. Denn Deutschland hat sich seit dem ersten Hilfspaket für Griechenland zu immer neuen Rettungsmaßnahmen verpflichtet. Der deutsche Anteil an den kombinierten Rettungsschirmen ESM und EFSF, die zusammen bis zu 700 Milliarden Euro Kredite ausreichen können, beträgt maximal 280 Milliarden Euro.

Er setzt sich zusammen aus dem deutschen Anteil von 190 Milliarden Euro an den Garantien für den ESM und den gut 90 Milliarden, die der Bund für die bisher zugesagten Hilfskredite des EFSF bürgen muss. Mit 15 Milliarden Euro ist Deutschland außerdem an den Beiträgen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu den Rettungspaketen beteiligt.

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  • Wenn die Pleitestaaten ihre Schulden doch zurückzahlen sollten, dann wäre das Ganze sogar ein gutes Geschäft für Deutschland, wow! Und wenn mein Auto und meine Ölheizung demnächst Öl produzieren, statt es zu verbrauchen, dann mache ich ein Supergeschäft und werde gaaanz reich. Und mein Hund legt einen Wurstvorrat an, schon morgen. Wie kommt es eigentlich, dass unsere vielbeschäftigten Möchtegern-Euro-Retter Zeit haben, sich mit derart abwegigen Gedanken zu beschäftigen? Müssten sie nicht in Wahrheit Tag und Nacht darüber brüten, wie sie uns am besten ausquetschen können, um die ganze Party doch noch irgendwie stemmen zu können? Ach nee, das lohnt ja schon nicht mehr - die Spatzen pfeiffen eh von den Dächern, wo das alles endet: In einer krachenden Staatspleite, und damit meine ich nicht die von Griechenland, die war schon 2010, spätestens.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • @ malvin,
    Wenn das so einfach wäre?
    In Bulgarien arbeiten die Menschen laut offiziellen Statistiken am längsten und am billigsten.
    Trotzdem spielt Bulgarien wirtschaftlich kaum eine Rolle.
    Nicht die Löhne sonder die Produktivität (der Mehrwert den man durch Arbeit einer Ware gibt, Bsp. Mehl wird zu Brot oder Sand zu Transistoren) sind für die Stärke einer Wirtschaft ausschlaggebend.
    Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes hängt also von der Produktivität und kaum von Arbeitskosten.

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