US-Notenbank
Bernanke gibt weiter Gas

Erstmals stellt sich Fed-Chef Bernanke heute nach einem Zinsentscheid der Presse. Viel Neues dürfte er nicht zu sagen haben. Amerika sträubt sich, vom billigen Geld loszukommen. Das belastet den Dollar immer stärker.
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Düsseldorf, FrankfurtZum ersten Mal in ihrer Geschichte wird Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, nach einem Zinsentscheid eine Pressekonferenz abhalten - um sich und seine Politik zu rechtfertigen. Das dürfte es an Neuerungen aber schon gewesen sein. Die Zinsen in der größten Volkswirtschaft werden nahe Null Prozent bleiben. Ein Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes ist noch nicht in Sicht. "Ich rechne nicht damit, dass etwas Außergewöhnliches verkündet wird", sagt Andreas Utermann, Anlagestratege von Allianz Global Investors.

An einer Stelle werden die Investoren allerdings genau hinhören. Seit Beginn der Finanzkrise hat die Notenbank US-Staatsanleihen in Billionenhöhe gekauft, um die Schulden der USA zu finanzieren und die Kurse zu stützen - ein gigantisches indirektes Konjunkturprogramm, das die schwächelnde US-Wirtschaft beleben soll. Das zweite dieser Programme, im Fachjargon "QE2" läuft nun im Juni aus. Ob es dabei bleibt oder ob das Programm verlängert wird, dürfte die wichtigste Nachricht sein, die Bernanke heute mitzuteilen hat. Wegen der schwierigen Situation am Arbeitsmarkt waren zuletzt Forderungen nach weiteren Anleiheankaufprogrammen laut geworden.

Die Entscheidung dürfte weitreichende Folgen haben, vor allem für den Dollar: Während in den USA die Zinsen niedrig bleiben und die Fed den Markt weiter mit Geld überschwemmt, hat Europa die Zinswende längst eingeleitet. Der Zinsabstand zwischen Europa und den USA wächst und wächst - das schwächt den Greenback. Vor der Entscheidung fiel die US-Währung gegenüber dem Euro am Mittwoch auf ein 16-Monats-Tief - der Euro notierte in der Spitze bei über 1,47 Dollar.

Utermann meint, die Fed solle nicht mehr lange Zeit mit der Zinsanhebung lassen. "Die US-Notenbank sollte ein Zeichen setzen. Damit würde sie signalisieren, dass sie mit einem Wachstum der Wirtschaft rechnet. Das wiederum würde für Zuversicht unter den Investoren sorgen. Ließe sie die Zinsen niedrig, würde der Markt davon ausgehen, dass das Wachstum schwach bleibt. Es geht hier vor allem um ein Spiel mit den Erwartungen." Die Europäische Zentralbank habe vorgemacht wie es geht - ohne gravierende Folgen für die Märkte.

Die EZB hatte Anfang des Monats mit der Erhöhung des Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent das Ende der expansiven Geldpolitik aus der Zeit der Finanzkrise eingeläutet. "Wir müssen Preisstabilität für 331 Millionen Menschen sicherstellen", hatte Trichet den Schritt begründet. Seit Monaten heizen hohe Energie- und Rohstoffpreise die Inflation an, im März lag die jährliche Teuerungsrate im Euro-Raum mit 2,6 Prozent deutlich über der EZB-Warnschwelle von 2,0 Prozent. Beobachter rechnen damit, dass dies nicht der letzte Zinsschritt in diesem Jahr gewesen sein wird.

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  • Wie soll eine Dummschule das auch erkennen ?
    Sie erkennt ja noch nicht einmal, daß sie für das Erdöl neuerdings 15% mehr als die Amerikaner bezahlen muß.

  • Dieses Getöse mancher Kommentatoren und selbsternannter Fachleute kann man doch getrost vergessen.
    Fakt ist: Die Kaufkraft des USD in den USA ist erheblich größer als die Kaufkraft des EURO in Deutschland.
    Einfach mal ausprobieren.

  • @gdopamin

    So sieht's aus. Wie Buffett es schon gesagt hat: "Die besten Tage Amerikas liegen noch vor uns."

    Deshalb rein in amerikanische Aktien, solange der Euro noch etwas Wert ist.

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