100 Jahre Erster Weltkrieg
Frankreich will feiern – Deutschland guckt zu

Die französische Regierung will das 100. Jubiläum des Ersten Weltkriegs 2014 mit einem Riesenevent feiern. Auch Deutschland soll eingebunden werden. Doch die Bundesregierung zeigt kein großes Interesse.

ParisFrankreich macht mobil. Regierung, Départements, Regionen und Kommunen bereiten ein nationales Gedenken von bislang unbekannten Ausmaßen vor. Erinnert wird an eine Mobilmachung ganz anderer Art: den Ersten Weltkrieg, der von 1914 an vor allem in Europa wütete. Die Deutschen haben ihn fast vergessen. Für unser Nachbarland dagegen ist er keine entfernte Vergangenheit, sondern bis heute identitätsstiftend.

„Für Frankreich ist das eindeutig das große Ereignis des 20. Jahrhunderts, der einzige Krieg, den wir gewonnen haben“, sagt der Historiker Pierre Monnet nüchtern. Er leitet das Französische historische Institut in Frankfurt. „Der Mythos einer breiten Résistance gegen die Nazis ist geplatzt“, stellt ein Regierungssprecher noch einen Tick kühler fest. In Deutschland besteht immer noch das Vorurteil, Frankreich feiere sich als Land der Résistance. Dabei sieht das Land mittlerweile seiner Geschichte der Kollaboration offen ins Auge. Umso wichtiger ist „der Erste Weltkrieg geworden, der in der Erinnerung eine heroische Tat der ganzen Nation wird“, wie der Mann aus der Regierung sagt.

In Deutschland ist überhaupt noch nicht angekommen, welche Lawine des Erinnerns kommendes Jahr im Westen losbrechen wird. Darüber ist die französische Regierung mittlerweile einigermaßen besorgt: „Wir haben mehrfach versucht, über die Botschaft und das Auswärtige Amt Kontakt aufzunehmen, aber aus Berlin kommt leider noch nichts“, sagt ein Verantwortlicher. So gebe es beispielsweise die konkrete Idee, am 3. August, dem Tag der Kriegserklärung, eine Schweigeminute in Frankreich, Deutschland und Großbritannien einzulegen. Das öffentliche Leben soll stillstehen. Berlin habe sich noch nicht dazu geäußert.

Nicht nur in Frankreich, sondern auch in Großbritannien, in Belgien, ja bis hin nach Neuseeland laufen die Vorbereitungen für Gedenkfeiern auf Hochtouren. Deshalb kommt in Paris die Sorge auf, dass die deutschen Behörden „zu lange warten“ und sich dann irgendwann „überfahren fühlen“. Zudem will Paris nicht zu sehr den Briten das Feld überlassen, denn die neigten dazu, den Krieg zu überhöhen und „ein wenig eindimensional nur die Schlachten abzufeiern.“

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