100 Jahre Erster Weltkrieg
Der Film als Propaganda-Instrument

Dank eines EU-Projekts sind Filme von 1914 bis 1918 zum ersten Mal leicht zugänglich. Das ist nicht nur für die Geschichte des Ersten Weltkriegs interessant, sondern auch für die Geschichte des Kinos.
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FrankfurtAllzuviel ist es nicht, was an Filmen aus dem Ersten Weltkrieg erhalten ist. Und das Wenige war bisher kaum zugänglich: Die Filmrollen verstaubten in Archiven. Jetzt sind rund 660 Stunden historisches Material für jedermann online - dank des Deutschen Filminstituts in Frankfurt. Georg Eckes und Julia Welter koordinieren von hier aus das Projekt „European Film Gateway 1914“. Im Februar soll es abgeschlossen sein.

Zwei Jahre lang haben 21 europäische Filmarchive und Kinematheken aus 15 Ländern rund 2500 Titel - Wochenschauen, Dokumentationen, Spielfilme und Animationsfilme - digitalisiert. Die Hälfte der Kosten von rund 4,2 Millionen Euro trägt die EU. Diese Filme zugänglich zu machen, sei „ein europäisches Erinnerungsprojekt von immenser Bedeutung für die wissenschaftliche und journalistische Recherche“, sagt Claudia Dillmann, Direktorin des Deutschen Filminstituts.

Nur rund 20 Prozent der zwischen 1914 und 1918 produzierten Filme sind erhalten, berichtet Projektleiter Eckes, vieles sei verbrannt, zum Beispiel, als das Reichsfilmarchiv im Zweiten Weltkrieg von einer Bombe getroffen wurde. Bisher war es für Wissenschaftler und Dokumentarfilmmacher aufwendig, an dieses Material heranzukommen. Nun besteht erstmals die Möglichkeit, die gesamte Filmproduktion dieser Zeit zu sichten - und zwar ohne nationale Brille.

Das ermöglicht vielleicht keine radikale Neubewertung des Ersten Weltkriegs, aber doch verblüffende Erkenntnisse. Zum Beispiel über die Alpenfront: In einem österreichischen Wochenschau-Film von 1917 wird der «Heldenkampf in Schnee und Eis» in handkolorierter Bergkulisse als alpines Abenteuer verkauft. Der italienische Dokumentarfilm «Krieg in den Alpen» von 1917 zeigt hingegen die Mühsal der Gebirgsjäger mit schwerem Gerät in eisigen Höhen.

Die Filme aus dieser Zeit wurden streng zensiert, „deshalb gibt es auch kaum Aufnahmen des eigentlichen Kampfgeschehens“, wie Filmmuseums-Sprecherin Frauke Haß erklärt. Viele Streifen dienten der Propaganda: „Im Ersten Weltkrieg wurde die Wirkmacht des Films erstmals bewusst propagandistisch eingesetzt.“

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