100 Jahre Erster Weltkrieg
Der Film als Propaganda-Instrument

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Je länger der Krieg, desto fiktionaler wurden die Filme

Die Briten machten 1916 vor, wie das geht: „Der Film "Battle of the Somme" machte aus einer militärischen Niederlage einen moralischen Sieg“, erklärt Eckes, „der Film hatte innerhalb weniger Monate so viele Zuschauer wie "Titanic".“ Die Deutschen waren baff - und kopierten die Masche ein Jahr später. Leider war „Bei unseren Helden an der Somme“ ziemlicher Murks und auch kein Kassenschlager.

Nicht nur für die Geschichte des Ersten Weltkriegs sind die Filme aus dieser Zeit interessant, auch für die Geschichte des Kinos. So sind die Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm noch fließend. „Man nahm dokumentarisches Material und schnitt es suggestiv zusammen“, erklärt Projektmanagerin Julia Welter. Auffällig auch: Je länger der Krieg dauerte, desto mehr fiktionale Filme entstanden. „Die Menschen waren der drögen Wochenschau-Filme überdrüssig, man musste sie direkter ansprechen, um sie emotional zu erreichen.“

Bei der Digitalisierung entdeckten die Mitarbeiter immer wieder Neues - zum Beispiel den Film eines amerikanischen Arztes, der 1919 aus deutschen Wochenschau-Aufnahmen den Dokumentarfilm „Hunger Blockade Germany“ zusammenschnitt, um den US-Bürgern drastisch die Folgen von Mangelernährung in Deutschland vor Augen zu führen.

Bis 1914 war die Filmproduktion internationaler als in Zeiten der Globalisierung; vor Erfindung des Tonfilms gab es schließlich keine Sprachhürde. „Mit dem Ersten Weltkrieg bricht das abrupt ab“, berichtet Eckes. Die verfeindeten Nationen boykottierten die Streifen des Kriegsgegners und drehten ihre eigenen, national gefärbten Filme. Und dabei ähnelten sie sich am Ende doch: Die Propaganda-Mechanismen waren dieselben.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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