Historischer Schauplatz Sarajevo – eine Stadt voller Widersprüche

Die Habsburger legten Sarajevo in Schutt und Asche, in der K.-u.-k.-Monarchie wurde die Stadt wieder aufgebaut und in die Moderne versetzt. Ihr Bild von vor dem Ersten Weltkrieg ist mit dem heute nicht zu vergleichen.
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Noch heute bewegt Gavrilo Princip: Ein Graffito in der Innenstadt von Belgrad. Quelle: dpa

Noch heute bewegt Gavrilo Princip: Ein Graffito in der Innenstadt von Belgrad.

(Foto: dpa)

SarajevoUnmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg stand Sarajevo als Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina in Hochblüte. Österreich-Ungarn hatte das Balkanland zwar 1878 besetzt und 1908 annektiert. Doch zwangen die fremden Herren aus Wien die Stadt mit Riesenschritten in die Moderne. Von den gut 50 000 Einwohnern waren 36 Prozent Muslime, 35 Prozent Katholiken, 16 Prozent orthodoxe Serben und 12 Prozent Juden. Und das Wichtigste: Rund ein Drittel der Bevölkerung waren Ausländer.

Die Kaufleute, Offiziere und Beamten brachten einen ganz neuen Stil in die Stadt, erforschte die Historikerin Amila Kasumovic an der Universität Sarajevo. Das galt für die Mode, die Stadtplanung, den Lebensstil sowie den Aufbau von Wirtschaft, Justiz und Verwaltung. Heute leben nach der jüngsten Volkszählung im Vorjahr knapp 300 000 Menschen in Sarajevo, das eine weitgehend muslimische Stadt geworden ist. Dazu hat der Bürgerkrieg (1992-1995) beigetragen, durch den vor allem die Serben die Region verlassen mussten.

Der Habsburger Feldherr Prinz Eugen hatte 1697 die Stadt mit ihren mehr als 120 Moscheen in Schutt und Asche gelegt. Nachdem die Österreicher sich dort 1878 endgültig festgesetzt hatten, startete ein rasanter Aufbau. Die Wasserver- und Abwasserentsorgung wurde gelöst. Der durch ständige Überschwemmungen gefürchtete Miljacka-Fluss wurde gebändigt.

Die Straßen wurden mit Gasleuchten erhellt. Das Rathaus erstrahlte in neomaurischem Stil ebenso wie die Katholische Kathedrale. Zahlreiche Villen, Justiz- und Verwaltungsgebäude mit prächtigen Fassenden schmückten das Stadtbild.

Heutiges Selbstbild voller Widersprüche
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