Hyperinflation und Nazis
Von Versailles ins Verderben

Der Versailler Vertrag bürdete Deutschland hohe Entschädigungszahlungen auf. Es folgten Hyperinflation, die bis heute nachwirkt – und der Zweite Weltkrieg. Doch Frankreich und Co die Schuld zu geben, funktioniert nicht.
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2010 hat Deutschland die letzte Rate überwiesen. Das, was nach rund 90 Jahren noch übrig war von den 132 Milliarden Goldmark, die von den Alliierten „Entschädigungen“ oder auch „Reparationen” genannt wurden. Die Siegermächte drangsalierten das im Ersten Weltkrieg besiegte Deutsche Reich 1919 im Friedensvertrag von Versailles mit einer Reihe von Forderungen.

Keine war so verheerend wie die jährliche Zahlung der drei Milliarden Goldmark. Zum Vergleich: Die Summe entspricht dem damaligen Wert von 26 Prozent der gesamten Exporteinnahmen. Heute wissen wir, dass das für ein ausgeblutetes Deutschland zu viel war. Aber auch schon 1919 ahnten es Fachleute wie John Maynard Keynes, der damals im britischen Finanzministerium arbeitete und vom Versailler Vertrag  „angewidert” war.

In seinem Buch „Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensertrages” schrieb Keynes, dass die Reparationen eine Gefahr für den Weltfrieden seien. Und wenn sich der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September zum 75. Mal jährt, dann hat es auch viel mit den Fehlern im Versailler Vertrag zu tun. Aber eben nicht nur. Angesichts der finanziellen Lasten aus dem Versailler Vertrag blieb Deutschland  vermeintlich nur eine Möglichkeit: Geld zu drucken.

Rudolf Havenstein, den der renommierte Finanzhistoriker Neil Irwin zum „schlechtesten Zentralbankchef aller Zeiten” kürte, riskierte mit dem Anwerfen der Druckerpressen die Stabilität der Preise. Kostete ein Dollar im Jahr 1920 noch 73 Mark, war er ein Jahr später  schon 192 Mark  wert und 1922 gar nur noch 7580 Mark. Als der Wert Ende 1923 auf 4,2 Billionen Mark stieg, war der Wechselkurs nur noch theoretischer Natur.

Die Banknoten wurden in Körben transportiert. Diebe stahlen die Behältnisse und ließen das Geld zurück. Wer konnte, investierte in Sachwerte: Fahrräder, Nähmaschinen oder auch Klaviere waren beliebt. „Die Hyperinflation löschte die Ersparnisse einer ganzen Generation von Geschäftsleuten aus”, schreibt Irwin.

Was hatte Havenstein da nur getan? Und hätte er anders handeln können? Er selbst bestritt seine Mitschuld an der Inflation bis zuletzt. Die Regierung sei Schuld und auch die Währungsspekulanten.

Die Menschen auf der Straße „verstanden einfach nicht, was da geschah”, schrieb der berühmte Verleger Hermann Ullstein. Anonyme Mächte schienen am Werk zu sein. Es war die Zeit, wo Kommunisten und Nationalsozialisten die Wut der Leute kanalisierten. Letztere übernahmen  zehn Jahre später die Macht, auch weil Deutschland die Inflation in den Griff bekam.

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