J.R.R. Tolkien im 1. Weltkrieg
Der „Herr der Ringe“ im Schützengraben

Ohne bittere Erfahrungen in den Schützengräben hätte es Tolkiens Bücher wie „Herr der Ringe“ oder „Der Hobbit“ wohl nicht gegeben. Doch anders als viele Zeitgenossen wurden die Deutschen nicht zum Bösen stilisiert.
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DüsseldorfÜber 80 Jahre alt ist J.R.R. Tolkien geworden. Und er hat Millionen Leser in aller Welt mit seinen Romanen begeistert – vermutlich mehr als jeder andere Autor des 20. Jahrhunderts. Doch der Brite hat im Gegensatz zu einigen seiner besten Freunde Glück gehabt, die Schützengräben des Ersten Weltkrieges überlebt zu haben. Seine Erfahrungen als Soldat haben einen großen Einfluss auf seine Werke und deren Schlachten in „Mittelerde“.

Viel wurde über Tolkien schon geschrieben, aber es lag im Jahr 2003 am britischen Journalisten John Garth, seine Rolle am Ersten Weltkrieg nachzuerzählen. Garths viel beachtete Studie steht inzwischen – passend zum 100. Jahrestag – auch auf Deutsch in den Buchläden. Vieles von dem, was Tolkien hervorbrachte, hat mit seinen Erlebnissen im Krieg zu tun – doch eine simple Gleichsetzung würde der Sache nicht gerecht werden.

Entsprechend beschreibt der Biograf sehr präzise, welchen Anteil die Kriegserlebnisse auf Tolkiens Werk hatten – und wo man es mit den Übertragungen nicht übertreiben darf. Schließlich schrieb Tolkien keine Kriegserinnerungen, sondern eine Mythologie. Darin brachte er laut Garth „auch Aspekte des Krieges zum Ausdruck, die bei seinen Zeitgenossen vernachlässigt wurden.“

Der Biograf kommt zu dem Schluss, dass der Krieg Tolkien gezwungen habe, Grauen, Trauer und unverhoffte Freude zu empfinden und auf eine „seltsame, extreme Art eine neue Welt aus der Taufe hob“. Dennoch widersprach Tolkien stets der Behauptung, dass „Der Herr der Ringe“ eine Allegorie auf den Kampf gegen Deutschland sei.

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