100 Jahre Erster Weltkrieg
Wie konnte es so weit kommen?

Heute vor 100 Jahren erklärte das Deutsche Reich Russland den Krieg. Die folgenden vier Jahre brachten Millionen den Tod und bereiteten Hitler den Weg. Doch wie kam es dazu? Und welche Schuld trägt Deutschland wirklich?
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DüsseldorfDie Führung des Deutschen Reiches hatte am 2. August 1914 ein ernstzunehmendes Problem: Die Kriegserklärung an Frankreich zu formulieren war keine einfache Sache. Man konnte nun mal weder einen Kriegsgrund noch ein Kriegsziel vorweisen. Anders als tags zuvor bei der Kriegserklärung an Russland, die ja ihrerseits Österreich-Ungarn angriffen, weil diese Serbien den Krieg erklärt hatten: Da ließ sich wenigstens noch Bündnistreue hineinschreiben.

Und so schlitterten vor einhundert Jahren 38 Staaten in den Ersten Weltkrieg, ohne dass es tatsächlich für irgendjemanden irgendetwas Konkretes zu gewinnen gab: „Deutschland hatte kein Ziel, außer den Partner zu retten. Der Partner hatte kein Ziel außer ordinärer Rache“, schreibt der Historiker Jörg Friedrich in seinem Buch 1914/1918.

Historiker streiten bis heute, ob die europäischen Staaten vor den Todesschüssen auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand einen Krieg wollten. Vielleicht ein glorreiches schnelles Scharmützel für Ruhm und Ehre, aber sicher keine jahrelange Auseinandersatzung.

Und dennoch stolperten die Mittelmächte (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn) auf der einen Seite und das Dreierbündnis Frankreich, Russland und Großbritannien in einen Krieg, dessen furchtbare Folgen sich niemand auch nur im Ansatz ausmalen konnte. Wie kam es dazu? Immerhin hatte zwischen 1871 und 1914 eine der längsten Friedensphasen in der Geschichte Europas geherrscht.

Es gab keine Angriffsbündnisse – nur solche zur Verteidigung. Warum hat der deutsche Botschafter also am 1. August 1914 um 17 Uhr in St. Petersburg die Kriegserklärung an Russland übergeben? In erster Linie herrschte ein eklatanter Mangel an Vertrauen und Informationen. Die mit der extrem komplizierten Gesamtsituation heillos überforderten Entscheidungsträger wussten zu wenig über die Gedanken der potenziellen Gegner.

Kommentare zu " 100 Jahre Erster Weltkrieg: Wie konnte es so weit kommen?"

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  • @wolf baer
    5. Immer laut HURRA und JAAAA geschrien wenn die "Fuehrer" mal wieder irgend welchen Schwachsinn ausgeheckt haben. Die Deutschen sind der perfekte Untertan, ein wenig Propaganda und schon macht der Durchschnitts-Michel mit Begeisterung jeden Unsinn mit.

  • Da haben Sie leider im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst. Der Spruch: "Es muss Blut fließen, viel Blut". stammt, nämlich genau vom Kriegstreiber Kaiser Wilhelm II.

    Das der nicht viel Ahnung vom Militär hatte, steht auf einem anderen Papier. Der Krieg konnte (und kann) nur für die Militärs (Hindenburg, Ludendorff & Co.) sowie für die deutschen Großindustriellen (Krupp, Thyssen & Co.) vorteilhaft (gewesen) sein.

  • Unser Willi hat sogar an Niko eine Brief geschrieben, mit der Bitte, die Mobilmachung auszusetzen. Die "gekrönten" Herrscher wollten keinen Krieg. Es waren die Politiker, die Blut sehen wollten.

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