Als der Krieg stoppte

Das legendärste Fußballmatch aller Zeiten

Noch nie hatten sich Soldaten so erbittert bekämpft und gehasst wie im Ersten Weltkrieg. Das Morden hielt nur einmal inne – an Weihnachten 1914. Die unglaubliche Geschichte einen besonderen Fußballspiels.
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Fußball statt Kanonen, Stahlhelme als Torpfosten: Das bemerkenswerteste Fußballspiel aller Zeiten.

Fußball statt Kanonen, Stahlhelme als Torpfosten: Das bemerkenswerteste Fußballspiel aller Zeiten.

Berlin"Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", wird im Lukas-Evangelium das Wunder der Geburt Jesu Christi bezeugt. Den Ruf der himmlischen Heerscharen konnten die Menschen am 24. Dezember 1914 im belgisch-französischen Grenzgebiet nicht hören. Es war das erste Weihnachtsfest im Ersten Weltkrieg.

"Alles was ich (...) gehört hatte in den Schützengräben, war das Rauschen, Krachen und Jaulen der Kugeln, Maschinengewehrfeuer und entfernte deutsche Rufe", erinnerte sich der britische Kriegsveteran Alfred Anderson, 2005 im Alter von 109 Jahren gestorben. Er hatte das "Weihnachtswunder" an der Westfront miterlebt.

Das Leben und Leiden der Soldaten
Erster Weltkrieg - Mobilmachung
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Mobilmachung im August 1914 in Deutschland: Die Menschen Unter den Linden in Berlin greifen nach den Extrablättern, die den Ausbruch des Krieges bekanntgeben. Vor allem in den Gesichtern der Damen ist eher Sorge als Freude zu erkennen ...

Deutsche Soldaten ziehen in den Ersten Weltkrieg
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... was sich kurz darauf zumindest scheinbar ändert: Die deutschen Soldaten ziehen in den Krieg und verabschieden sich voller patriotischem Pathos von ihren Liebsten.

Erster Weltkrieg - Mobilmachung
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Ob jung oder alt – die Kriegsbegeisterung in Deutschland war groß. Auch dieser nicht mehr ganz so junge Freiwillige ließ sich offenbar davon anstecken. Der festlich geschmückte Zug brachte die Truppen an die Westfront. Das Bild stammt aus dem August 1914 und wurde in Leipzig geschossen.

Erster Weltkrieg - Mobilmachung
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Über Metz nach Paris: Viele lachende Gesichter sind zum Abschied in München zu sehen. Ein großer Teil der Soldaten sollte nicht von der Front zurückkommen. Die traurige Bilanz nach vier Jahren Krieg: rund 8,5 Millionen Gefallene, über 21 Millionen Verwundete und fast 8 Millionen Kriegsgefangene und Vermisste.

huGO-BildID: 37546298 FOUR OF ONE HUNDRED PHOTOS WORLD WAR ONE CENTENARY TIMELINE - In this undated file photo, Prussian soldiers leaving Berlin for
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Abschied in Berlin: Hier bekommt ein Soldat Blumen, die ihm Glück bringen sollen.

huGO-BildID: 37546517 FORTY FOUR OF ONE HUNDRED PHOTOS WORLD WAR ONE CENTENARY TIMELINE-In this undated file photo, a British recruiting poster displ
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Die Briten mussten zu Beginn des Krieges Freiwillige mobilisieren, da die allgemeine Wehrpflicht erst 1916 eingeführt wurde. Hier wirbt Feldmarschall Herbert Kitchener für die Sache.

Österreich im ersten Weltkrieg
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Für viele Soldaten hieß es zunächst einmal: marschieren. Hier ziehen österreichische Soldaten mit Pferden durch ein Tal im Grenzgebiet zwischen Österreich und Italien.

Anderson war 18 Jahre alt, als am Morgen des 25. Dezember 1914 plötzlich die Waffen schwiegen. Schilder wurden hochgehalten mit den Aufschriften wie "Frohe Weihnachten" oder "Merry Christmas". Die Feinde in Uniform - vor allem Deutsche, Österreicher und Briten - kletterten aus den Schützengräben, schüttelten sich die Hände, sangen Weihnachtslieder und tauschten deutsches Bier gegen englischen Pudding. Als legendär gelten Fußballspiele auf dem Schlachtfeld - mit Helmen als Torpfosten.

Die Waffenruhe verbreitete sich - mehr oder weniger stark - an der gut 700 Kilometer langen Frontlinie. Vorgesetzte versuchten, die Verbrüderungen zu unterbinden. In der Kriegspropaganda hatte die "Weihnachtswunder" oder "Operation Plum Pudding" genannte Aktion keinen Platz und wurde offiziell totgeschwiegen.

Aber viele Soldaten berichteten davon. Einer schrieb an die Familie: "Auf beiden Seiten herrschte eine Stimmung, dass endlich Schluss sein möge. Wir litten doch alle gleichermaßen unter Läusen, Schlamm, Kälte, Ratten und Todesangst". Als das Fest vorbei war, feuerten die Soldaten zunächst noch bewusst über die Köpfe der jeweiligen Gegner hinweg, dann ging das große Schlachten weiter - noch drei Weihnachten lang.

Festgehalten wurde das Ereignis unter anderem in dem 2003 erschienenen Buch "Der kleine Frieden im Großen Krieg" von Michael Jürgs. Das Werk "Batailles de Flandres et d'Artois 1914-1918" (Schlachten in Flandern und Artois) von Yves Buffetaut gilt als Vorlage für den Kinofilm "Merry Christmas", der 2005 in die Kinos kam. Seit 2008 erinnert in dem französischen Dorf Frelinghien ein Denkmal an das kurze «Weihnachtswunder».

  • dpa
  • gie
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