Gavrilo Princip
Rebell mit romantischer Ader

Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger entzündete den Ersten Weltkrieg. Der Todesschütze von Sarajevo war ein junger Gymnasiast. Was trieb ihn an?
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Sarajevo/BelgradDer Attentäter begründete seine Schüsse mit politischen Motiven. "Ich bin ein jugoslawischer Nationalist", erklärte der Gymnasiast Gavrilo Princip im Prozess wegen der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand. "Das Volk wird behandelt wie Vieh. Die Menschen in den Dörfern sind verarmt, man hat sie völlig ruiniert. Dafür wollte ich Rache nehmen." Wer war dieser knapp 20-Jährige, der mit seiner Tat vor 100 Jahren den Ersten Weltkrieg auslöste?

Der Junge, den am 25. Juli 1894 im bosnischen Weiler Gornji Obljaj das Licht der Welt erblickte, war schwächlich. Er würde nicht lange leben, glaubte die bitterarme Bauernfamilie. Von neun Kindern, die die Eltern Pepo und Nana Princip hatten, starben sechs. Doch Gavrilo überlebte.

Als Kind war er scheu und introvertiert. Das Lesen wurde seine Leidenschaft. Sein Bruder Jovo, der sich eine Existenz als Händlergehilfe und Sägewerksbesitzer in Hadzici bei Sarajevo aufgebaut hatte, holte ihn in die bosnische Landeshauptstadt, als er 13 Jahre alt war. Gavrilo besuchte zuerst die Handelsschule, dann das Gymnasium.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gärte es im südslawischen Raum. Schüler und Studenten in den Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie träumten von Unabhängigkeit - und von einem neuen Staat der Südslawen. 1910 versuchte der Student Bogdan Zerajic in Sarajevo ein Attentat auf den österreichischen Statthalter. Als seine Schüsse das Ziel verfehlten, jagte sich Zerajic die letzte Kugel selbst in den Kopf. Für den 15-jährigen Princip das Schlüsselerlebnis. Immer wieder pilgerte er zum Grab des gescheiterten Attentäters.

Im Februar 1912 war er bereits Mitorganisator serbisch-kroatischer Schülerdemonstrationen in Sarajevo - an der Seite des späteren Literatur-Nobelpreisträgers Ivo Andric. Die Polizei schlug die Jugendrevolte mit Gewalt nieder. Princip radikalisierte sich weiter.
Angeregt von Schriften der russischen Sozialrevolutionäre Bakunin, Tschernyschewski und Stepnjak versprach er sich von der "Propaganda der Tat" die revolutionäre Wende. Attentate auf hohe ¿österreichische Würdenträger sollten das Volk aufwühlen und gegen ihre Besatzer mobilisieren - bei allem Unrecht der Bodenbesitzverhältnisse eine völlig realitätsferne Vorstellung.

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Warum Princip nicht zum Tode verurteilt wurde

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