Literatur im Ersten Weltkrieg
„Nie wurde so viel geschrieben wie im August 1914“

Kälte, Schmerz und Todesangst, Gemeinschaftsgefühl und Heldentum: Autoren wie   Ernst Jünger   oder Erich Maria Remarque   haben versucht, den Ersten Weltkrieg auf Papier zu bannen. Doch wie fasst man Erlebnisse der Urkatastrophe des 20. Jahrhundert in Literatur?
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Konstanz Als Paul Bäumer im Fronturlaub nach Hause kommt, fehlen ihm schlicht die Worte. Der Soldat - Figur in Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ - ist mit knapp 20 Jahren traumatisiert, „verdorben“ vom Ersten Weltkrieg. „War es sehr schlimm draußen, Paul?“, fragt seine Mutter. Bäumers Reaktion: Hilflosigkeit, Befremdung, Trauer, Wut. „Mutter, was soll ich dir darauf antworten!“, denkt er. „Du wirst es nicht verstehen und nie begreifen. Du sollst es auch nie begreifen.“ Laut sagt er nur: „Nein, Mutter, nicht so sehr.“

Denn wie fasst man anhaltendes Trommelfeuer, Gasangriffe, Hunger, Kälte, Todesangst in Worte? Als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ wird der Erste Weltkrieg von Historikern bezeichnet. Ein Ereignis, das Politik, Gesellschaft und Kultur des beginnenden 20. Jahrhunderts fundamental geprägt und verändert hat. Im Vorfeld hätten viele Intellektuelle in Deutschland der erhofften „Zäsur“ positiv gegenüber gestanden, sagt der Literaturwissenschaftler Matthias Schöning, der sich seit Jahren mit der Beziehung zwischen Krieg und Literatur auseinandersetzt.

„Der Krieg wurde herbeigesehnt“, sagt der Dozent an der Universität Konstanz. „Als er ausbrach, sind die Intellektuellen Sinn stiftend tätig geworden.“ Der Krieg sollte die Kultur renovieren, „man versprach sich positive Impulse davon.“ Die literarische Begleitmasse dazu ist beeindruckend: Bis 1915 seien in anderthalb Jahren 235 Bände mit Kriegslyrik erschienen, anderthalb Millionen Kriegsgedichte und 800 Bände Kriegsliteratur, schrieb die Zeit.

In die Liste der Befürworter reiht sich auch der ausgemusterte Thomas Mann ein. Sein Aufsatz „Gedanken im Kriege“ zeige exemplarisch, wie die Stimmung in der meinungsführenden Gruppe der Intellektuellen gewesen sei, sagt Schöning. Wirklich erlebt hat den Grabenkrieg Ernst Jünger (1895-1998). Vierzehn Treffer zählt sein literarisiertes Ich in dem auf Tagebüchern basierenden Roman „In Stahlgewittern“: Fünf Gewehrgeschosse, zwei Granatsplitter, eine Schrapnellkugel, vier Handgranaten- und zwei Gewehrgeschoßsplitter.

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Man kann sich der Wucht und Intensität kaum entziehen

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