Neue Waffen
Der Weltkrieg als Innovationslabor des Todes

Mit allen Mitteln versuchten die Beteiligten des Ersten Weltkrieges, sich gegenseitig zu töten. Der Krieg sah so viele neue Waffen wie kaum ein anderer – kriegsentscheidend waren die wenigsten.
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DüsseldorfEs seien nur mobile Wassertanks auf Ketten, sagten die Engländer den Neugierigen, die die großen Kästen auf Ketten bestaunten. Deshalb nenne man sie Tanks. Doch im September 1916 wälzten sich diese „Tanks“ in der Somme-Schlacht auf die deutschen Gräben zu – und feuerten aus allen Rohren. Panzer gehörten wie Flugzeuge, Giftgase, Maschinengewehre und U-Boote zu den neuen Waffen im Ersten Weltkrieg. Es war eine Revolution – mit vorerst geringem Erfolg.

Ideen für Kampfpanzer gab es in fast allen Ländern, doch die Militärs lehnten sie ab. Österreichs Kaiser Franz Joseph soll dagegen gewesen sein, weil beim Starten des Motors die Pferde seiner Entourage scheuten. In England wollte das Heer sie nicht, so dass der Marineminister, ein junger Politiker namens Winston Churchill, sie kurzerhand zu „Landschiffen“ erklärte.

Dennoch hatten bis Kriegsende alle großen Staaten eigene Panzerwagen. In den Stahlkisten herrschten zuweilen 50 Grad, die Steuerung war fast unmöglich und der Lärm so gewaltig, dass der Kommandant seine Befehle mit einem Hämmerchen per Klopfzeichen weitergab. Manchmal gelangen Überraschungserfolge, doch einen wirklich militärischen Wert hatten Panzer (noch) nicht.

Das Flugzeug wurde 1912 zur Waffe, nicht einmal zehn Jahre nach dem ersten Motorflug. Wenig später sah der Erste Weltkrieg schon Luftschlachten. Anfangs wurden Flugzeuge zwar vor allem als Aufklärer eingesetzt, doch bald gab es echte Jagdflugzeuge und sogar gewaltige Bomber wie die deutsche „Gotha“ oder die russische „Ilja Muromez“. Einen militärischen Wert hatten sie (noch) nicht. Aber gerade die Jagdflieger wurden die neuen Helden. Manfred von Richthofen, Mick Mannock und Roland Garros sind in ihrer Heimat noch heute bekannt. Alle drei fielen noch im letzten Kriegsjahr.

U-Boote wurden von allen Marinen unterschätzt, aber dennoch gebaut. Am 22. September 1914 versenkte das deutsche U-9 mit nicht einmal 30 Mann Besatzung in einer guten Stunde drei britische Panzerkreuzer. Der Erfolg von Kapitänleutnant Otto Weddigen führte in Deutschland zu einer U-Boot-Begeisterung und in England zu einem Schock. Wie auch im Zweiten Weltkrieg gelangen anfangs erhebliche Erfolge, und gegen die lautlose Gefahr schienen die Briten machtlos. Im Laufe des Krieges wurden die Jäger aber zu Gejagten und hatten kaum noch eine Chance. Weddigen, der die Tapferkeit der britischen Matrosen stets gewürdigt hatte, war noch im ersten Kriegsjahr gefallen.

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Stahlhelme, Tarnuniformen und Flammenwerfer

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