100 weitere Festnahmen von Extremisten
Tumulte nach Großrazzien in Pakistan

Bei neuen Großrazzien in Pakistan haben Sicherheitskräfte mindestens 100 weitere mutmaßliche muslimische Extremisten festgenommen. Vertreter eines islamistischen Parteienbündnisses übten scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei. In der Hauptstadt Islamabad kam es zu gewalttätigen Protesten.

HB ISLAMABAD. Der pakistanische Innenminister Aftab Ahmed Khan Sherpao sagte der Nachrichtenagentur IANS, zu den Festnahmen sei es in der Nacht zuvor in verschiedenen Landesteilen gekommen. Der Chef des Krisenmanagementszentrums, General Javed Iqbal Cheema, dementierte unterdessen die von Medien berichtete Festnahme des angeblichen Hintermannes der Londoner Terroranschläge, Haroon Rasheed Aswad. „Wir haben niemanden mit diesem Namen“, sagte er.

Seit Beginn der Razzien vor wenigen Tagen wurden nach offiziellen Angaben rund 300 mutmaßliche Extremisten festgenommen. In Medienberichten war von 400 Festnahmen die Rede. Der Innenminister kündigte an, die Razzien würden fortgesetzt. Nach dem Freitagsgebet kam es in mehreren pakistanischen Städten zu Protesten gegen die Festnahmen. In der Hauptstadt Islamabad demonstrierten mehrere hundert Menschen. Randalierer bewarfen Fahrzeuge mit Steinen und zündeten ein Polizeimotorrad an.

Mohammad Aslam, ein Abgeordneter des islamistischen Parteienbündnisses MMA, sagte: „Es ist überraschend, dass die Bombenanschläge London getroffen haben und die Polizei begonnen hat, muslimische Brüder hier ins Visier zu nehmen.“ Der britische Botschafter in Islamabad, Mark Lyall Grant, sagte am Donnerstagabend: „Das Vereinigte Königreich ist völlig zufrieden mit den Untersuchungen in Pakistan mit Bezug auf die Bombenanschläge vom 7. Juli (in London), und bislang ist kein Zusammenhang nachgewiesen worden.“

In einer Ansprache an die Nation hatte der pakistanische Präsident Pervez Musharraf seine Landsleute am Donnerstagabend um Unterstützung im Kampf gegen Terrorismus und Extremismus gebeten. Die pakistanische Regierung hatte zuvor dementiert, dass die Razzien mit den Londoner Attentaten in Verbindung stünden. Drei der vier Attentäter der ersten Anschläge stammten aus Pakistan und waren noch im vergangenen Jahr in das südasiatische Land gereist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%