10 000 Unternehmen fehlen
Frankreichs gefährliches „Mittelstandsloch“

In Frankreichs Mittelstand fehlen tausende Unternehmen. Dabei mangelt es weniger an wagemutigen Menschen, die Unternehmen gründen. Das Problem ist struktureller Natur: Strenge Arbeitszeitregeln, wenig staatliche Förderung und hohe Abgaben belasten viele Kleinunternehmer. Die hoffen nun, dass der neue Präsident ihnen die Fesseln abnimmt.

PARIS. Die französische Handelsministerin Christine Lagarde hat keinen leichten Job. Monat für Monat kommt ihr die unangenehme Pflicht zu, das Exportdefizit ihres Landes erklären zu müssen. Von Januar auf Februar stieg es von 2,6 auf 2,7 Mrd. Euro. Und das vergangene Jahr markierte einen neuen Negativrekord mit einem Minus von 29 Mrd. Euro. Mit Neid blicken die Franzosen auf den Export-Weltmeister Deutschland.

Die aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten wie Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy haben schnell Schuldige für die Export-Misere gefunden: Den zu starken Euro und die Europäische Zentralbank. Doch Volkswirte verweisen auf hausgemachte Probleme. Die Ökonomen Jean-Paul Betbèze und Christian Saint-Etienne, Mitglieder im Sachverständigenrat der Regierung, erklären in einer Studie, dass Frankreichs Wirtschaft nicht nur beim Export, sondern auch bei der Forschung der deutschen hinterherhechelt.

Und sie betonen, dass es für beide Probleme eine gemeinsame Ursache gibt: Frankreichs gefährliches „Mittelstandsloch“. „In Frankreich fehlen 10 000 Unternehmen mit je 300 Mitarbeitern“, schreiben die Experten. Dabei mangelt es weniger an wagemutigen Menschen, die Unternehmen gründen. Das Problem besteht vielmehr darin, dass Frankreichs Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) ein strukturelles Wachstumsproblem haben.

Laut der Studie hat ein Unternehmen in Deutschland vier Jahre nach der Gründung sein Personal bereits um ein Fünftel aufgestockt. In den USA liegt die Quote bei 125 Prozent, in Frankreich indes lediglich bei 15 Prozent. Die Folge: „Nur fünf Prozent aller französischen Unternehmen beschäftigen mehr als 250 Mitarbeiter“, sagt Jean-François Roubaud, Präsident der französische Mittelstandsvereinigung CGPME.

Als Hauptursache für diese Wachstumsschwäche nennen Ökonomen die niedrigen Gewinne französischer Unternehmen. Nach Berechnungen der Banque de France betrug die Rentabilität der heimischen Firmen in der Wachstumsphase der Jahre 1997 bis 2002 nur 61 Prozent jener der deutschen und britischen Unternehmen. „Diese Gewinnschwäche ist hausgemacht“, schimpft Mittelstands-Vertreter Roubaud. Denn für die im internationalen Vergleich höhere Last bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen sei einzig und allein die Regierung verantwortlich. Nach einer Studie des Mittelstands-Observatoriums der französischen Sparkassen ist für 78 Prozent der befragten Unternehmer die Steuer- und Abgabenlast Wachstumsbremse Nummer eins.

Seite 1:

Frankreichs gefährliches „Mittelstandsloch“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%