11. Russisches Wirtschaftsforum
Putin verspricht Investoren „Fair Play“

Kurz nach den Entspannungssignalen auf dem G8-Gipfel hat Russlands Präsident Wladimir Putin am Wochenende erneut die Werbetrommel für sein Land gerührt.

ST. PETERSBURG. Investoren könnten von seiner Regierung „Fair Play“ erwarten, sagte er auf dem 11. Russischen Wirtschaftsforum in seiner Heimatstadt St. Petersburg, an dem mehr als 100 internationale Top-Manager teilnahmen. Obwohl Putin die Welthandelsorganisation (WTO) kritisierte, scheint die scharfe Rhetorik der letzten Wochen, die Sorgen vor einer Verschlechterung des Investitionsklimas genährt hatte, nahezu vergessen.

Das G8-Treffen in Heiligendamm habe zu einer besseren Verständigung der führenden Industriestaaten beigetragen, sagte der Leiter von Putins Beraterstab, Arkadi Dworkowitsch, dem Handelsblatt: „Es gibt nun mehr Vertrauen, dass die Ziele die gleichen sind, wenn es vielleicht auch unterschiedliche Wege und Instrumente gibt.“

Die russischen Positionen hätten sich aber nicht verändert. „Wir haben immer gesagt, dass wir uns mit unseren Partnern an einen Tisch setzen wollen und die Probleme offen erörtern müssen“, sagte Dworkowitsch. Konflikte hatte es jüngst etwa beim geplanten US-Raketenabwehrsystem, beim Fleischstreit mit Polen, der Fortschritte beim EU-Partnerschaftsabkommen behindert, und wegen der russischen Verstaatlichungspolitik gegeben. So musste der Ölkonzern Shell seine Mehrheit am Öl- und Gasprojekt Sachalin-2 an den Staatskonzern Gazprom übertragen.

Putin wies die Kritik am Zugriff des Kreml auf große Teile der Wirtschaft scharf zurück: Es gebe keine „Renationalisierung“ in Russland. Man bringe lediglich zusammen, was ohnehin dem Staat gehöre, bislang aber „ineffektiv“ gewesen sei. Russland begrenze ausländische Investitionen nur in Bereichen, in denen es die nationale Sicherheit erfordere.

Dass die Chefs der US-Ölkonzerne Conoco-Philips und Chevron sowie von Coca-Cola nach St. Petersburg gereist waren, zeigt, dass Russland ungeachtet des Raketenstreits auch wieder die Fühler in Richtung USA ausstreckt. Am Rande des Forums schloss die staatlich kontrollierte Fluglinie Aeroflot mit dem US-Flugzeughersteller Boeing unerwartet einen Vertrag über den Kauf von 22 Maschinen des Typs 787 für geschätzte drei Mrd. Dollar. Das Geschäft war jahrelang diskutiert worden, dann aber immer wieder wegen der sich verschlechternden politischen Beziehungen zwischen Moskau und Washington aufgeschoben worden. Aeroflot hatte dafür zuletzt mit dem europäischen Hersteller Airbus einen größeren Vertrag abgeschlossen. Beobachter sehen nun Anzeichen, dass sich der Blick des Kreml angesichts der Blockade bei den Gesprächen über ein neues EU-Partnerschaftsabkommen nun wieder stärker auf Washington richtet.

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