11. September 2001
Anklage fordert Todesstrafe für verhinderten Attentäter

Schuldig hat er sich bereits bekannt, nun geht es für nur noch um Tod oder Leben: In den USA hat der Prozess gegen den Franzosen Zacarias Moussaoui begonnen, der als der verhinderte Attentäter des 11. September 2001 gilt.

HB ALEXANDRIA. Gleich zu Beginn des Verfahrens im US-Bundesstaat Virginia forderte die Staatsanwaltschaft die Geschworenen auf, den gebürtigen Marrokaner zum Tode zu verurteilen. Er habe die späteren Attentäter, die vier Flugzeuge entführten und ins World Trade Center in New York und ins Pentagon in Washington lenkten, gekannt und gedeckt. Deshalb sei er mitschuldig am Tod von 3000 Menschen.

Moussaoui war einen Monat vor den Anschlägen verhaftet worden, weil er den Ermittlern in einer Pilotenschule aufgefallen war. „Auch wenn er am 11. September 2001 im Gefängnis war, hat Moussaoui seinen Teil als treuer Al-Kaida-Soldat getan“, sagte Chef-Ankläger Robert Spencer. Moussaoui habe den Ermittlern sein Wissen über die Anschlagsvorbereitungen verschwiegen. „Seine Lügen ... erlaubten, seinen Brüdern fortzuschreiten und zu töten. Wenn Moussaoui nur die Wahrheit erzählt hätte, wäre alles anders gewesen.“

Diese Argumentation nannte Verteidiger Edward MacMahon „völlig spekulativ“. Die Beweisaufnahme werde zeigen, dass sein Mandant mit dem 11. September nichts zu tun habe. Moussaoui lehnt seinen Verteidiger allerdings ab; vor Gericht kündigte er an, lieber selbst seine Version der Geschichte darzulegen.

Moussaoui blieb anders als bei früheren Gerichtsterminen ruhig. Die meiste Zeit lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und strich sich über seinen langen, buschigen Bart. Der 37-Jährige zeigte sich über weite Strecken teilnahmslos und machte Notizen. Als die Anklage jedoch zwei Videos über Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden und ein Ausbildungslager der moslemischen Extremistenorganisation zeigte, lächelte er.

In der Verhandlung geht es nur noch um das Strafmaß. Moussaoui hatte sich bereits im April vergangenen Jahres schuldig bekannt und zugegeben, von Bin Laden für Anschläge ausgewählt worden zu sein. Sollte er durch Lügen gegenüber den Ermittlern den 11. September ermöglicht haben, droht ihm die Todesstrafe. Andernfalls könnte er nur zu lebenslanger Haft verurteilt werden.

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