11. September
Bin Laden nimmt die Schuld auf sich

Eine Tonband-Aufnahme entlastet den wegen der Anschläge vom 11. September verurteilten Franzosen Zacarias Moussaoui. Die Botschaft kommt offenbar von El-Kaida-Chef Osama bin Laden persönlich. Er bekennt sich darin als Drahtzieher der Attentate. Den USA macht er schwere Vorhaltungen.

HB AMMAN/WASHINGTON. Auf der vom arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira am Dienstagabend ausgestrahlten Aufnahme heißt es: „Ich bin derjenige, der für die Auswahl der 19 Personen, die die Anschläge ausführten, verantwortlich war, und ich habe Moussaoui mit keinerlei Funktion beauftragt.“ Moussaoui sei zwei Wochen vor den Anschlägen vom 11. September festgenommen worden. „Wenn er etwas davon gewusst hätte, hätten wir Mohammed Atta und seine Brüder sofort aufgerufen, die USA zu verlassen“. Atta war mutmaßlich der Kopf der Terroristengruppe, die 2001 zwei Flugzeuge in das New Yorker World Trade Center und eines in das Pentagon steuerten. Ein weiteres von der Gruppe entführtes Flugzeug stürzte in Pennsylvania ab.

Moussaoui war am 4. Mai im bislang einzigen Prozess um die Anschläge des 11. September in den USA schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Ihm war vorgeworfen worden, von den bevorstehenden Attentaten gewusst zu haben. In dem Verfahren hatte er zunächst gestanden, als El-Kaida-Mitglied an der Planung der Anschläge beteiligt gewesen zu sein. Nach seiner Verurteilung hatte er sein Geständnis dann widerrufen und vergeblich versucht, eine Wiederaufnahme des Prozesses zu erreichen. Dazu sagte die Stimme: „Sein Geständnis, dass er beauftragt war, sich an den Anschlägen zu beteiligen, ist ein falsches Geständnis, von dem kein vernünftiger Mensch bezweifeln kann, dass es aus dem Druck resultiert, der auf ihn in den vergangenen viereinhalb Jahren ausgeübt wurde.“ Moussaouis Verteidiger hatten erklärt, ihr Mandant bezichtige sich nur deshalb der Verstrickung in die Anschläge, weil er in die Geschichtsbücher eingehen wolle.

Aus US-Sicherheitskreisen verlautete, es gebe keinen Grund, die Authentizität des Tonbandes anzuzweifeln. Bei der Botschaft handele es sich aber um reine Propaganda. Auch eine Redakteurin des arabischen Dienstes von CNN sagte, die Stimme auf dem Band klinge wie die von Bin Laden. Sie habe deshalb keinen Grund, daran zu zweifeln, dass es sich um den Terroristenchef handele. Bin Laden hatte sich in diesem Jahr bereits zwei Mal zu Wort gemeldet.

Auch die im US-Lager Guantanamo auf Kuba inhaftierten Terrorverdächtigen seien nicht beteiligt gewesen, erklärte die Stimme auf dem Tonband weiter. „Unsere Brüder in Guantanamo haben überhaupt keine Verbindung zu den Ereignissen des 11. September.“ Viele von ihnen stünden in keinerlei Beziehung zur El-Kaida, einige lehnten den Aufruf der El-Kaida zum Kampf gegen die USA sogar ab.

Es würden hunderte Menschen wegen des Verdachts auf eine Verstrickung in die Anschläge festgehalten. Tatsächlich gebe es aber nur zwei Beteiligte, sagte die Stimme auf dem Tonband, ohne aber deren Namen zu nennen.

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