120. Geburtstag
China will Mao-Mythos beschwören

Mao stürzte China mit seinen Kampagnen zwischenzeitig ins Chaos. Doch sein Mythos ist in China ungebrochen. Staatschef Xi setzt auf Maos Methoden. Und zu dessen 120. Geburtstag will ihm die Partei huldigen.
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PekingChinas mächtigster Führer Xi Jinping lächelt. Beim Besuch in der zentralchinesischen Provinz Hunan lässt er sich von den Bewohnern feiern. Er schüttelt Hände und streichelt Kindern über den Kopf. Für den Staats- und Parteichef geht es aber um mehr. Denn in der Geburtsprovinz von Mao Tsetung laufen die Vorbereitungen für die Feiern zu Maos 120. Geburtstag auf Hochtouren. Die Feier müsse „großartig, einfach und pragmatisch“ werden, habe Xi angewiesen, berichtet das Staatsfernsehen nach dem Besuch im November.

Für Xi Jinping ist der „großen Steuermann“ Mao von entscheidender Bedeutung, wie der Politikprofessor Wu Qiang von der Tsinghua-Universität betont. „Er stützt seine Legitimität und seine politische Macht auf Mao“, sagt Wu der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Deshalb habe Xi schon vor einem Jahr begonnen, auf die Bedeutung des Jahrestages von Maos Geburtstag hinzuweisen. Zudem hat Xi seine Parteigenossen zu „Kritik und Selbstkritik“ ganz im Stil der Kulturrevolution verdonnert und beschwört wieder Begriffe wie „ideologischer Kampf“ und „Massenlinie“.

„Mao genießt noch heute unter bestimmten Gruppen sehr großes Ansehen in China“, sagt Wu. Unter ihnen wolle Xi mit den Feiern Unterstützung gewinnen. Seit der ehemalige Politstar Bo Xilai für Korruption und Machtmissbrauch verurteilt wurde, hat die Linke in China eine charismatische Führungsperson verloren. Xi könnte nun die Lücke füllen.

Für die Feier am 26. Dezember plant Maos Geburtsstadt Shaoshan in riesigen Dimensionen. Rund 15,5 Milliarden Yuan (knapp zwei Milliarden Euro) hat die zuständige Gemeinderegierung Xiangtan nach eigenen Angaben eingeplant. Damit sollen die vorhandenen Gedenkstätten überarbeitet werden. Das Geld soll in insgesamt 16 Projekte fließen, zu denen auch eine neue Autobahn und eine Schule gehören. „Der 120. Geburtstag von Genosse Mao Tsetung ist die größte politische Aufgabe, die alles andere in den Schatten stellt“, kündigte das staatliche Onlineportal der Gemeinde an.

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