13. Krawallnacht
Weniger Krawalle nach Notstandsgesetz

Krawallnacht Nummer 13 in Frankreich. Die Zahl der Brandstiftungen nahm ab, die der Festnahmen zu. Die Ausgangssperren scheinen zu greifen. Es hätte aber gar nicht erst so weit kommen müssen. Denn die Gewalt war vorauszusehen, wie Dokumente belegen.

HB PARIS. Bis zum frühen Mittwochmorgen zählte die Polizei 558 brennende Autos, etwa ein Drittel weniger als zur gleichen Zeit am Dienstag. Dagegen schnellte die Zahl der Festnahmen von 143 auf 204 hoch. Neben Fahrzeugen zündeten die Randalierer auch wieder öffentliche Gebäude an, darunter Bibliotheken und Grundschulen. In der gesamten Vornacht waren 1173 Autos angezündet und 330 Verdächtige festgenommen worden.

Paris hatte am Dienstag ein Notstandsgesetz reaktiviert, das Ausgehverbote und verschärfte Kontrollen ermöglicht. Einige Städte verhängten bereits nächtliche Ausgehverbote für Jugendliche. In mehreren Départements wurde auch der Verkauf von Benzin und Gasflaschen an Minderjährige verboten. Innenminister Nicolas Sarkozy regte zudem an, Eltern, die ihrer Erziehungspflicht nicht genügten, das Kindergeld zu kürzen. „Natürlich gibt es Armut und Arbeitslosigkeit“, sagte Sarkozy vor Polizisten in Toulouse. „Viele Menschen in diesen Stadtvierteln leiden. Aber nichts kann solch eine sinnlose, blinde Gewalt, die wir gesehen haben, entschuldigen.“

Die Zeitung „Le Monde“ zitierte Polizeistatistiken, denen zufolge schon vor Ausbruch der Unruhen die Gewalt in den von Einwandererfamilien bewohnten Sozialsiedlungen zum Alltag gehörte. So seien seit Jahresbeginn bereits 28 000 Autos und 17 500 Müllcontainer in Flammen aufgegangen, ohne dass dies Schlagzeilen gemacht hätte. In mehr als 3800 Fällen sei die Polizei angegriffen worden.

In Outreau bei Calais mussten in der Nacht zum Mittwoch 100 Einwohner eines Sozialblocks in Sicherheit gebracht werden, nachdem 6 Autos in der Tiefgarage in Brand gesteckt worden waren. Nach einem Angriff mit Brandsätzen explodierte in Bassens bei Bordeaux ein gasbetriebener Linienbus. Der Fahrer, der einzige Insasse, kam mit einem Schock davon. In Lyon wurde der Nahverkehr nach Angriffen auf Busse und eine U-Bahn-Station eingestellt. Randalierer verprügelten in der Stadt zwei russische Journalisten. In Nizza wurde einem Mann aus einem Gebäude eine Hantel auf den Kopf geworfen; er befand sich am Morgen noch in kritischem Zustand. Weitgehend ruhig war es dagegen im Département Seine-Saint-Denis bei Paris, wo die Unruhen vor fast zwei Wochen begonnen hatten.

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