15-Jährigen erschossen
Blutige Unruhen in Griechenland

Der Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel in Athen hat in Griechenland die schwersten Unruhen seit mehr als zwei Jahrzehnten ausgelöst. Der Jugendliche war am Samstagabend bei Zusammenstößen In der Hauptstadt zwischen Autonomen und Sicherheitskräften ums Leben gekommen.

HB ATHEN. Jugendliche Demonstranten warfen daraufhin Brandsätze, demolierten Autos und Fensterscheiben. Nach Schätzungen der Feuerwehr wurden allein in Athen 100 Geschäfte, 20 Banken und mindestens 100 Autos demoliert. Die Ausschreitungen dauerten auch am Sonntagabend noch an.

Randalierer warfen dutzende Brandflaschen auf die Eingänge von Supermärkten, Banken und Geschäften im Athener Stadtzentrum. Rauchschwaden stiegen in den Himmel. Die Lage hatte sich am Abend zwar leicht entspannt. „Von Entwarnung kann jedoch nicht die Rede sein“, sagte ein Polizeioffizier im Rundfunk. Rund 1000 Jugendliche hätten sich in den Gebäuden des Polytechnikums im Zentrum Athens verbarrikadiert und warfen immer wieder Brandflaschen auf die Polizei. Die Behörden befürchteten Unruhen auch in der Nacht.

Mehrere tausend Autonome und andere Linksgerichtete sowie Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen protestierten am Sonntag gegen den tragischen Zwischenfall. „Mörder, Mörder“ skandierten die Demonstranten, als sie sich der Polizeidirektion von Athen an der Alexandras Chaussee näherten, wie das Fernsehen berichtete. Griechische Autonome greifen seit Jahren immer wieder Polizisten an und verüben Brandanschläge auf Banken und Autos im Zentrum Athens.

Zu Zusammenstößen nach dem tödlichen Schuss kam es auch in der zweitgrößten griechischen Stadt Thessaloniki. Auch in Komotini und Ioannina im Norden des Landes gab es wie auf der Mittelmeerinsel Kreta und in der Hafenstadt Patras Ausschreitungen.

Ein 37 Jahre alter Polizist, der den tödlichen Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Einer davon habe den Jugendlichen als Querschläger getroffen. Zuvor habe eine Gruppe Autonomer seinen Streifenwagen, in dem er zusammen mit einem Kollegen gesessen habe, mit Steinen angegriffen.

Nach Darstellung von Augenzeugen soll es jedoch nur zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Autonomen und der Besatzung des Polizeiwagens gekommen sein. Anschließend habe der Polizist direkt in die Richtung des Jungen geschossen. „Es war kaltblütiger Mord“, meinte ein Augenzeuge im Radio. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias übte indirekt Kritik an dem Vorgehen der Polizei. Die Rechtstaatlichkeit sei durch diese Ereignisse verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem einen Polizisten Totschlag und dem anderen Beihilfe zum Totschlag vor. Die beiden Beamten wurden in Untersuchungshaft genommen, berichtete der griechische Rundfunk weiter. Innenminister Prokopis Pavlopoulos wies vorschnelle Schuldzuweisungen zurück und erklärte: „Wir warten auf die gerichtsmedizinischen Ergebnisse.“ Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Ministerpräsident Kostas Karamanlis sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. Ein Rücktrittsangebot des Innenministers lehnte er ab.

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