150 Verletzte
Budapest durchlebt Nacht der Gewalt

Gewalttäter haben in der ungarischen Hauptstadt Budapest friedliche Proteste gegen Regierungschef Ferenc Gyurcsany in schwere Ausschreitungen verwandelt: 150 Menschen wurden verletzt, vor allem Polizisten, die lange Zeit auf verlorenem Posten standen. Doch statt zurückzutreten, will Gyurcsany jetzt hart durchgreifen.

HB BUDAPEST. Im Anschluss an eine friedlichen Kundgebung von mehr als 10 000 Regierungsgegnern vor dem ungarischen Parlament stürmten mehrere hundert gewaltbereite Demonstranten zur Zentrale des staatlichen Fernsehens und verlangten, ihre politischen Forderungen live im Fernsehen stellen zu können. Die Menge warf Steine und Flaschen auf das Gebäude und auf Polizisten. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Tränengas ein, blieben aber zahlenmäßig unterlegen. Außerdem wurden Autos in Brand gesteckt; die Flammen griffen auf Teile des Rundfunkgebäudes über. Die Feuerwehr traute sich nicht, das Feuer zu löschen.

Einige Demonstranten griffen zudem eine Gedenkstätte für russische Soldaten an, die Budapest 1945 von den Nationalsozialisten befreit hatten. Unter den Demonstranten waren nach Angaben von Augenzeugen einige Rechtsextremisten.

Gegen 1 Uhr nachts drangen die ersten Demonstranten in das Rundfunkgebäude ein. Die beiden Fernsehkanäle des Rundfunks wurden daraufhin abgeschaltet. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters, der sich im Innern des Gebäudes aufhielt, sagte, die Demonstranten hätten Automaten aufgebrochen, aber keinen Zugang zu den Studios erlangt. Die Polizeiführung rief daraufhin tausende Polizisten aus dem ganzen Land in die Hauptstadt. Ihnen gelang es bis zum Morgen, die Demonstranten aus dem Rundfunkgebäude zu vertreiben.

Rund 150 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt, darunter 102 Polizisten. Die Polizei sprach von den schlimmsten Ausschreitungen in Ungarn seit 1984. Damals hatten Kubaner, die als Arbeitskräfte in das damals sozialistische Land geholt worden waren, für Krawalle gesorgt. Justizminister Jozsef Petretei bot angesichts der Krawalle seinen Rücktritt an. Ministerpräsident Gyurcsany lehnte das aber ab und sagte, er wolle auch selber im Amt bleiben. Gyurcsany kündigte an, hart durchzugreifen und eine politische Krise in seinem Land abzuwenden. Die Regierung berief für Dienstagvormittag eine Krisensitzung des Sicherheitskabinetts ein.

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