15000 Demonstranten in Osch
Schwere Unruhen in Zentralasien

Die Proteste der Opposition gegen den Präsidenten der zentralasiatischen Republik Kirgisien, Askar Akajew, sind in schwere Unruhen mit dutzenden Verletzten und hunderten Festnahmen umgeschlagen.

HB BISCHKEK. Nach dem Eingreifen von Sicherheitskräften in der Stadt Dschalal-abad am Sonntag stürmten etwa 500 Menschen das örtliche Polizeihauptquartier und brannten ein Gebäudeteil nieder, meldete die russische Nachrichtenagentur RIA-Nowosti.

Außerdem drangen Anhänger der Opposition wieder in das Gebäude der Gebietsverwaltung ein, das die Polizei nach mehrtägiger Besetzung morgens gewaltsam geräumt hatte. Die Sicherheitskräfte konnten die die Demonstranten mit Rauchbomben und Platzpatronen nicht abwehren. Mindestens zehn Polizisten seien verletzt worden. Auf den Straßen der Stadt demonstrierten etwa 15 000 Menschen.

Die seit einer Woche andauernden Massenproteste hatten sich an der Parlamentswahl entzündet, die Akajews autoritäres Regime zu seinen Gunsten gelenkt hatte. Unterlegene Kandidaten der Opposition riefen ihre Anhänger auf die Straße. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) forderte am Sonntag alle Seiten zu einer friedlichen Lösung des Konflikts auf.

Sondereinsatzkräfte der Polizei räumten am Sonntagmorgen die Gebäude der Gebietsverwaltungen von Dschalal-abad und Osch im Süden Kirgisiens. Dabei wehrten sich die Besetzer mit Brandsätzen und Steinen. In Osch seien etwa 200 Menschen festgenommen und 30 verletzt worden, sagte die Oppositionspolitikerin und frühere Außenministerin Rosa Otunbajewa. „Einen Dialog kann es nicht geben. Solange die Staatsmacht Gewalt gegen das eigene Volk anwendet“, sagte sie nach Angaben der Agentur Interfax. In Dschalal-abad befreite die Menge etwa 90 Festgenommene, als sie das Polizeihauptquartier stürmte.

Die Hochgebirgsrepublik Kirgisien galt in den 1990er Jahren als liberalstes Land in Zentralasien. In den vergangenen Jahren schlug Akajew jedoch wie seine Nachbarherrscher einen autoritären Kurs ein. Die Parlamentswahl sollte den Boden bereiten, um bei der kommenden Präsidentenwahl Ende Oktober ungefährdet einen Nachfolger seiner Wahl durchzusetzen. Akajew selbst darf der Verfassung nach nicht mehr antreten. Sein Sohn und seine Tochter wurden ins Parlament gewählt.

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