15 000 Menschen bei Demonstration
Birmas Mönche protestieren gegen Militärregierung

In Birma haben sich die Demonstrationen gegen die Militärregierung des Landes am Wochenende zu den größten Protesten seit fast 20 Jahren ausgeweitet.

HB RANGUN. Am Sonntag demonstrierten in der Hafenmetropole Rangun etwa 15 000 Menschen erstmals mit offen politischen Parolen gegen das Regime, berichteten Augenzeugen. „Freiheit für Aung San Suu Kyi!“ forderten einige in Sprechchören. Die Friedensnobelpreisträgerin wird seit Jahren als politische Gefangene unter Hausarrest festgehalten. Am Samstag zeigte sie sich entgegen den Arrestauflagen erstmals seit vier Jahren kurz in der Öffentlichkeit, nachdem rund 2000 Mönche eine Straßensperre umgangen hatten und zu ihrem Haus gezogen waren.

Rund 3000 Mönche zogen am Sonntag in Rangun zum größten Heiligtum des Landes, der 100 Meter hohen Shwedagon-Pagode. Sie trugen erstmals politische Plakate mit. Darauf stand zum Beispiel: „Gerechtigkeit wird Ungerechtigkeit bezwingen“. Zu den Mönchen in ihren safranroten Roben gesellten sich erstmals auch 300 Nonnen ganz in weiß. Mehr als 10 000 Menschen säumten die Straßen um die Pagode. Dort hatte Suu Kyi 1988 schon einmal vor zehntausenden Anhängern den Widerstand gegen das Militär angeführt. Damals wurde der Aufstand brutal niedergeschlagen. Etwa 3000 Menschen kamen dabei ums Leben.

Suu Kyi, die zwölf der vergangenen 18 Jahre in Haft oder unter Hausarrest verbracht hat, trat nach Angaben der Augenzeugen kurz vor ihre Haustür und begrüßte die Mönche mit Tränen in den Augen, berichteten Augenzeugen. „Gut gemacht“, sagte sie nach diesen Angaben. Die Mönche zogen weiter.

Am Sonntag waren die Zufahrtstraßen zu Suu Kyis Anwesen wieder völlig verbarrikadiert. Dutzende Sicherheitskräfte standen Wache. Weder dort noch an der Shwedagon-Pagode schritten sie jedoch gegen Demonstranten ein. Das Regime in Birma ist wegen eklatanter Menschenrechtsverletzungen weltweit geächtet.

Angesichts der massiven Demonstrationen gegen Birmas herrschende Militärs drängen die USA auf demokratische Reformen in dem südostasiatischen Land. Die Menschen dort verdienten ein Leben in Freiheit, sagte Außenministerin Condoleezza Rice am Sonntag vor einem Treffen mit ihrem chinesischen Amtskollegen Yang Jiechi in New York. Das Regime sei für seine Brutalität bekannt, und die USA beobachteten die Situation sehr genau. US-Präsident George W. Bush habe sich bereits „sehr deutlich“ zur Lage in Birma geäußert, sagte Rice.

„Dies ist der Anfang vom Ende“, prophezeite der frühere BBC-Analyst und Birma-Spezialist Jarry Jagan in einem Interview mit dem Fernsehsender „ChannelNewsAsia“. Mit dem Besuch bei Suu Kyi hätten die Mönche ihren Protest, der sich ursprünglich gegen Preiserhöhungen richtete, mit der Demokratieforderung der Opposition verknüpft und dem Militärregime den Kampf angesagt.

Eine im Untergrund gegründete Mönchsvereinigung rief die Birmanen nach Medienberichten auf, in ihren Hauseingängen abends als Zeichen der Solidarität 15 Minuten öffentlich zu beten. Die Vereinigung habe geschworen, erst aufzugeben, wenn die Militärregierung gestürzt ist, hieß es. Die Angaben ließen sich aber schwer prüfen. In dem Polizeistaat mit hunderten Spitzeln wagt niemand, offen zu reden.

In Birma gibt es schätzungsweise 400 000 Mönche. Wie viele davon sich dem Widerstand angeschlossen haben, ist unklar.

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