170 Geheim-Gefangene
Neuer Gefängnis-Skandal in Bagdad

In einem Bunker des Innenministeriums in Bagdad sind 170 unterernährte Gefangene entdeckt worden. Offenbar wurden sie zwar rechtmäßig verhaftet, aber völlig regelwidrig festgehalten. Die von den USA protegierte irakische Regierung ist in Erklärungsnot.

HB BAGDAD. Nach US-Angaben wurden die malträtierten Häftlinge bereits am Wochenende von amerikanischen Soldaten entdeckt. Die irakische Regierung leitete am Dienstag Ermittlungen ein. Ministerpräsident Ibrahim Dschaafari räumte ein, dass die Häftlinge "anscheinend unterernährt" seien und zudem angäben, gefoltert worden zu sein. Auch die US-Soldaten hatten von unterernährten und misshandelten Gefangenen gesprochen. Den irakischen Angaben nach waren alle Gefangenen mit Haftbefehl festgenommen worden. Zunächst blieb aber unklar, wann und warum.

Der stellvertretende irakische Innenminister Hussein Kamal versicherte, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Er zeigte sich geschockt: "Ein oder zwei Häftlinge waren gelähmt, andere hatten an etlichen Körperstellen keine Haut mehr." Dies sei das Schlimmste, was er in jüngster Zeit erlebt habe. Die Häftlinge seien inzwischen in medizinischer Behandlung.

Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, müssten die Verantwortlichen bestraft werden, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Adam Ereli, in Washington. "Wir praktizieren keine Folter. Und wir glauben nicht, dass andere foltern sollten."

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zog unterdessen Vorwürfe von zwei irakischen Gefangenen in Zweifel, sie seien in US-Gewahrsam in einen Käfig mit Löwen gesperrt worden. Dies sei ziemlich an den Haaren herbeigezogen, sagte Rumsfeld in Washington. Ehemalige Häftlinge würden von Terroristen angewiesen, über ihre Behandlung in US-Gewahrsam zu lügen. Dennoch werde den neuen Misshandlungsvorwürfen wie allen anderen nachgegangen, sagte Rumsfeld. Zwei 35 und 37 Jahre alte Iraker hatten der "Washington Post" gesagt, sie seien im Jahr 2003 als Häftlinge brutal geschlagen, in einen Käfig mit Löwen gesperrt und erniedrigt worden.

Im Frühjahr 2004 war ans Licht gekommen, dass US-Soldaten im Gefängnis von Abu Ghraib bei Bagdad irakische Gefange misshandelt und zu unwürdigen Handlungen und sexuellen Praktiken gezwungen hatten. Mehrere Soldaten wurden inzwischen von amerikanischen Militärgerichten deswegen verurteilt. Darunter ist die Soldatin Lynnndie England, die einen Gefangenen als "Hund" an der Leine führte. Ein Foto davon ging um die Welt und löste insbesondere unter Muslimen einen Aufschrei der Empörung aus.

Viele Gefangene im Irak werden verdächtigt, die überwiegend sunnitischen Aufständischen zu unterstützen, die gegen die von Schiiten und Kurden angeführte Regierung kämpfen. Allerdings erhob die sunnitische Minderheit auch wiederholt Vorwürfe, mit den Schiiten verbündete Milizen würden Sunniten ohne Anschuldigung festhalten. Die Regierung wies diese Behauptungen zurück.

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