20 Tote
Machtkampf im Jemen eskaliert aufs Neue

Der Machtkampf zwischen Demonstranten und Regierungsanhängern im Jemen ist erneut eskaliert. Scharfschützen und Panzergranatenwerfer sollen 20 Menschen erschossen haben.
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SanaaIm Jemen ist der Machtkampf zwischen Gegnern und Anhängern des langjährigen Präsidenten Ali Abdullah Saleh erneut eskaliert. Sicherheitskräfte töteten am Montag nach Angaben von Sanitätern 20 Demonstranten, die in Teile der Hauptstadt Sanaa vordringen wollten, die von der Regierung gehaltenes werden. Einige Menschen wurden von Scharfschützen erschossen, die auf Dächern und in den oberen Stockwerken von Gebäuden Stellung bezogen hatten. Andere Demonstranten kamen durch Panzerabwehrgranaten zu Tode. Bereits am Sonntag waren bei einer regierungsfeindlichen Demonstration 26 Menschen getötet worden. Um Vermittlung bemühten sich die Vereinten Nationen und eine Gruppe aus den Golfstaaten. 

Bei den schwersten Auseinandersetzungen seit Beginn der Erhebung gegen Saleh im März wurden Krankenhäusern zufolge 113 Menschen verletzt. In der zwischen Regierungsanhängern und -gegnern aufgeteilten Hauptstadt waren am Montag vereinzelt weitere Explosionen und Schüsse zu hören. „Oh Gott, schau Dir dieses Massaker an“, rief der Vater eines Jungen, der durch eine Schusswunde am Kopf starb. Er sei aus dem Auto gestiegen, um etwas zu essen zu holen und habe seine beiden Söhne im Auto gelassen. Dem Jüngeren sei direkt in den Kopf geschossen worden. 

Staatspräsident Saleh lässt sich derzeit in Saudi-Arabien behandeln und erholt sich von den Folgen eines Attentats. Währenddessen scheint der Jemen politisch gelähmt. „Ich befürchte, dass uns die Situation entgleitet“, sagte der ehemalige jemenitische Oppositionspolitiker Saandaldin Talib. Es gebe keine Initiative, die Lage zu entschärfen. „Die anderen politischen Akteure glauben nicht, dass Saleh sich an irgendwelche Vereinbarungen hält“, sagte er. „Verfall und Chaos könnten kurz bevorstehen.“

Am Montag landete nach Angaben der Nachrichtenagentur Saba UN-Vermittler Jamal bin Omar in Sanaa, um die jüngsten Entwicklungen in den Konflikt zu überprüfen. Zudem wurde ein weiterer Abgesandter aus den Golf-Staaten erwartet, um für den Plan zum Machtwechsel zu werben. Dieser sieht einen geordneten Übergang der Macht vor. Saleh hatte drei mal seine Zustimmung signalisiert, war dann aber jedes Mal zurückgerudert. 

Sanaa ist seit Monaten eine gespaltene Stadt. Regierungstreue Truppen und Saleh-Gegner um den Ex-General Ali Mohsen teilen sich die Hauptstadt in einem Gewirr von Checkpoints, Straßensperren und gepanzerten Fahrzeugen auf. Die jüngste Eskalation nährt neue Angst vor einem bevorstehenden Bürgerkrieg in dem Golfstaat. Wie in zahlreichen anderen arabischen Ländern demonstrieren dort seit Monaten die Bürger für Reformen und mehr Demokratie. Wegen des politischen Stillstands seien die friedlichen Demonstranten zunehmend frustriert, erklärte ein Vertreter der Menschenrechtsorganisation Amnesty International vor dem UN-Menschenrechtsforum. Jemen stehe auf des Messers Schneide.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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