200 weitere Soldaten
Obama verstärkt Sicherheitstruppe in Bagdad

Nachdem die jüngste Krise im Irak begann, hat sich die Zahl der US-Soldaten fast vervierfacht. Hunderte weitere Soldaten sollen die US-Botschaft und den Flughafen beschützen – und im Notfall kämpfen.
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WashingtonDie USA schicken 200 weitere Soldaten nach Bagdad, um dort für die Sicherheit ihrer Landsleute zu sorgen. Das teilte das Pentagon am Montag in Washington mit. Sie sollen den Schutz der Botschaft und des Flughafens verstärken und sind dafür auch mit Hubschraubern und unbemannten Flugzeugen ausgestattet.

Die am Montag angekündigten Soldaten kommen unabhängig von den bis zu 300 Militärberatern, die Präsident Barack Obama vor anderthalb Wochen angekündigt hatte und auch von den Truppen, die sich zuvor bereits im Land aufhielten. Damit steigt die Zahl der im Irak stationierten US-Soldaten auf etwa 800.

Für Gefechte gerüstet

Obama kündigte den Schritt parallel in einem Brief an den Kongress an. „Angesichts der Sicherheitslage in Bagdad habe ich bis zu rund 200 Angehörige der US-Streitkräfte in den Irak beordert, um die Sicherheit an der US-Botschaft, deren Einrichtungen und dem internationalen Flughafen Bagdad zu stärken“, schrieb Obama den Senatoren und Abgeordneten. Sie seien notfalls für Gefechte gerüstet und würden so lange im Land bleiben, bis die Situation sich beruhigt hat.

Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte hatte wiederholt gesagt, dass keine Kampftruppen geschickt würden.

Einen Tag vor der ersten Sitzung des neu gewählten irakischen Parlaments lieferten sich die irakische Armee und Kämpfer der sunnitischen Terrorgruppe Isis schwere Gefechte. Einheiten der Regierung setzten ihre Offensive auf Tikrit nordwestlich von Bagdad fort und nahmen nach eigenen Angaben Teile der strategisch wichtigen Stadt ein. Irakische Aufständische meldeten zugleich, sie hätten den Luftwaffenstützpunkt „Camp Speicher“ in der Nähe von Tikrit erobert.

In Bagdad tritt an diesem Dienstag erstmals das neu gewählte Parlament zusammen. Es soll einen Regierungschef wählen. Der umstrittene schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki möchte im Amt bleiben, braucht dafür trotz seines Wahlsiegs von Ende April jedoch Koalitionspartner.

Al-Maliki zum Rückzug aufgerufen

Vor der ersten Sitzung des neuen Parlaments rief der radikale Schiitenführer Muktada al-Sadr Ministerpräsident Al-Maliki zum Rückzug auf. Er rate Al-Maliki, nicht für eine dritte Wahlperiode zu kandidieren, sagte Al-Sadr am Montagabend nach Angaben des Nachrichtenportals „Sumeria News“. Al-Maliki ist seit 2006 im Amt und möchte trotz scharfer Kritik wiedergewählt werden. Das Parlament will am Dienstag mit den Beratungen über die künftige politische Führung beginnen.

Al-Sadrs Bewegung hatte bei den Wahlen Ende April als zweitstärkste Kraft abgeschnitten. Wahlsieger war die Rechtsstaats-Allianz von Al-Maliki. Dem schiitischen Ministerpräsidenten fehlen jedoch bislang Koalitionspartner, um wiedergewählt zu werden. Eine Sitzung der schiitischen Parteien am Sonntag verlief ohne Einigung auf einen Kandidaten. Kritiker werfen Al-Maliki vor, seine von Schiiten dominierte Regierung diskriminiere Sunniten und habe so den Boden für den Vormarsch der extremistischen Isis-Milizen bereitet.

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