2000 Aufständische
Schwere Gefechte in Kundus

Mehr als 30 Aufständische sollen bei Gefechten im afghanischen Kundus getötet worden sein. In der Provinz kommt es seit Mittwoch zu schweren Gefechten. Taliban-Flagge offenbar an früherem deutschen Außenposten gehisst.
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KundusAm früheren Bundeswehr-Standort im nordafghanischen Kundus sind schwere Gefechte mit den Taliban ausgebrochen. Der Polizeichef der Provinz Kundus, Mustafa Mohseni, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag, seit dem Vortag seien bei Einsätzen der afghanischen Sicherheitskräfte mehr als 30 Aufständische getötet worden.

Die Einsätze in den Distrikten Char Darah und Chanabad dauerten an. Angaben zu eigenen Verlusten machte Mohseni nicht. Die Bundeswehr war im Oktober aus Kundus abgezogen.

Mohseni sagte, durch die Operationen seien die Taliban zurückgedrängt worden. Derzeit seien rund 2000 Aufständische in der Provinz. Die Taliban seien besser ausgerüstet als die Sicherheitskräfte.

Aus dem Innenministerium in Kabul hieß es, Gerüchte, Kundus-Stadt könne in die Hände der Taliban fallen, seien „absolut falsch“. Die Provinzhauptstadt sei nicht bedroht. Allerdings hätten die Taliban in den vergangenen Tagen in drei der sieben Bezirke der Provinz in großer Zahl angegriffen und mehrere Polizei-Kontrollposten vorübergehend in ihre Gewalt gebracht. Aus der Hauptstadt Kabul sei Verstärkung geschickt worden.

Für Aufsehen sorgte ein im Internet zirkulierendes Bild, das die weiße Taliban-Flagge angeblich auf einem früheren deutschen Außenposten zeigte. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr ist der auf dem Foto zu sehende Turm wahrscheinlich von der Bundeswehr gebaut worden. „Er ist gebaut wie eine Befestigungslage der Bundeswehr“, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos. Wo der Turm genau stehe, sei unklar. „Es ist wahrscheinlich, dass er sich irgendwo im Raum Kundus befindet.“

Der Polizeichef von Char Darah, Mueuddin Khan, sagte, es handele sich nicht um das Distrikt-Polizeihauptquartier, in dem bis vergangenen Oktober auch deutsche Soldaten untergebracht waren. Das Gebäude sei nie in den Händen der Taliban gewesen.

Provinz-Polizeisprecher Said Sarwar Hussaini sagte, im früheren deutschen Feldlager in Kundus seien weiterhin afghanisches Militär und Polizei stationiert. Das Distrikt-Polizeihauptquartier und das Feldlager waren die letzten beiden Stellungen, die die Bundeswehr im Oktober vergangenen Jahres in Kundus räumte.

In weiten Teilen Afghanistans hat sich die Sicherheitslage in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Immer häufiger greifen Hunderte Taliban-Kämpfer Bezirkshauptstädte und Dörfer an. Nach Angaben aus dem Innenministerium sind den Aufständischen aber keine signifikanten Geländegewinne gelungen.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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