21 Monate Haft
New Yorker Politiker wegen "Sexting" verurteilt

Der bekannte Demokrat aus New York wurde beschuldigt, obszönes Material an eine Minderjährige weitergeleitet zu haben. Der Fall könnte Hillary Clinton die Präsidentschaft gekostet haben.
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New YorkDer frühere US-Abgeordnete Anthony Weiner ist wegen des Austauschs sexueller Inhalte mit einem 15-jährigen Mädchen zu 21 Monaten Haft verurteilt worden. Dem Demokrat aus New York hatten am Montag bis zu 27 Monate Gefängnis wegen des Vorwurfs gedroht, er habe obszönes Material an eine Minderjährige weitergeleitet.

Die Bekanntgabe des Strafmaßes bildete den Abschluss des verblüffenden Niedergangs Weiners, dessen Hang zum Austausch anstößiger Botschaften und Fotos mit jungen Frauen online 2011 seine Karriere im Kongress zerstörte. 2013 beendete seine Angewohnheit seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt von New York. Auch seine Ehe mit der engsten Beraterin von Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, Huma Abedin, ging kaputt. Darüber hinaus hatte die Angewohnheit womöglich Auswirkungen auf den Präsidentschaftswahlkampf 2016.

Weiners Handlungen wurden in den letzten Tagen des Wahlkampfs ein Thema, als der damalige FBI-Direktor James Comey eine Wiedereröffnung der Untersuchung zu Clintons privatem Computerserver mit E-Mails rechtfertigte, die auf einem von Weiner genutzten Laptop entdeckt worden waren.

Die Bundespolizei FBI hatte Weiners Kontakt mit der Schülerin untersucht, als sie auf E-Mails zwischen Abedin und Clinton auf seinem Laptop stieß. Daraufhin gab Comey Ende Oktober 2016 bekannt, dass er die Untersuchung zu Clintons Verwendung eines privaten Computerservers wieder eröffne. Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl teilte das FBI mit, dass es nichts Neues in den E-Mails gebe. Doch hat Clinton Comeys Umgang mit der Angelegenheit mehr als alles andere für ihre Niederlage an Donald Trump verantwortlich gemacht.

Der 53-jährige Weiner senkte bei der Bekanntgabe des Strafmaßes seinen Kopf in die Hand und weinte. Nach dem Ende der Anhörung blieb er mehrere Minuten auf seinem Platz sitzen und weinte weiter. Als er das Gerichtsgebäude verließ, sagte er nichts. Weiner muss sich bis 6. November den Gefängnisbehörden stellen.

Weiner hatte versucht, eine Gefängnisstrafe zu umgehen, indem er der Richterin Denise Cote am Montag sagte, er sei „eine sehr lange Zeit ein sehr kranker Mann“ gewesen. Sein Verbrechen sei sein Tiefpunkt, las er weinend aus einer schriftlichen Stellungnahme vor.

Nach Angaben von Staatsanwälten schickte Weiner dem Mädchen Pornografie und brachte die 15-Jährige dazu, ihre Kleidung auszuziehen und sich bei Skype anzufassen. US-Staatsanwältin Amanda Kramer legte Cote am Montag nahe, Weiner eine erhebliche Gefängnisstrafe zu geben, um seinen „tragischen Zyklus“ des Sexting zu beenden.

Weiners Anwälte hatten in Gerichtsunterlagen argumentiert, dass er sich einer Behandlung unterziehe und es ihm zutiefst leid tue, dass er das Mädchen zum Opfer seiner „tiefen Krankheit“ gemacht habe. Die Anwälte präsentierten das Mädchen auch als eine Anstifterin. Es habe Material für ein Buch erzeugen und möglicherweise die Präsidentschaftswahl beeinflussen wollen. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, die Motive des Opfers seien irrelevant für die Strafe für Weiner.

Weiner wurde auch mit einer Geldstrafe von 10 000 Dollar belegt. Nach dem Absitzen seiner Strafe muss er sich einer Internetüberwachung unterziehen und darf keinen Kontakt zu seinem Opfer haben. Er muss sich auch bei einem Behandlungsprogramm für Sexstraftäter anmelden.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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