25 Jahre Ende der Sowjetunion
Als der Kreml die rote Fahne einholte

Vor einem Vierteljahrhundert endete eine Epoche: Die Sowjetunion zerfiel. Für viele war es ein Grund zur Freude. Andere trauern der verlorenen Weltmacht nach. Der Anteil der Sowjetnostalgiker sinkt allerdings.
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MoskauAm 25. Dezember 1991 wurde die rote Fahne über dem Kreml eingeholt, wenige Stunden zuvor hatte der erste und letzte sowjetische Präsident Michail Gorbatschow seinen Rücktritt erklärt. Die Sowjetunion, die kommunistische Weltmacht, war zerfallen in 15 einzelne Staaten. Sie haben in den 25 Jahren seitdem sehr unterschiedliche Wege genommen.

Russland als größter Nachfolgestaat bemüht sich unter Präsident Wladimir Putin, den Einfluss auf die anderen Republiken zurückzugewinnen. In der russischen Bevölkerung bedauern immer noch 56 Prozent, dass die Sowjetunion zerfallen ist. 28 Prozent der Russen tut der Verlust dagegen nicht leid, wie eine Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums zum Jahrestag ergab. Mit kleinen Schwankungen ist der Anteil der Sowjetnostalgiker über die Jahre aber gesunken.

Die Union hätte gerettet werden können, sagte Gorbatschow in einem Interview zum Jahrestag. „Man hätte eine Dezentralisierung durchführen müssen, dann wären die neuen Republiken stark geworden, wirtschaftlich wie sozial“, sagte der 85-Jährige der Agentur Tass. Die Hauptschuld gab er dem damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin und den Staatschef aus der Ukraine und Weißrussland. In ihrem übergroßen Ehrgeiz hätten sie ihn loswerden wollen.

Jelzin, der Ukrainer Leonid Krawtschuk und der Weißrusse Stanislaw Schuschkewitsch hatten bei einem Geheimtreffen am 8. Dezember 1991 die Sowjetunion für aufgelöst erklärt. Sie gründeten die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) als Nachfolgeorganisation. Allerdings hatte der Zerfall viele Gründe, auch die tiefe Wirtschaftskrise der Sowjetunion und das Unabhängigkeitsstreben der Republiken. Im August 1991 hatte der konservative Putschversuch gegen Gorbatschow gezeigt, welche Gefahren den neuen bürgerlichen Freiheiten drohten.

Die baltischen Republiken bekamen mit dem Scheitern des Putsches ihre Unabhängigkeit zurück, sie sind heute Mitglieder von EU und Nato. Andere Republiken versanken nach dem Ende der Sowjetunion in Kriegen oder Bürgerkriegen wie Moldau, Georgien, Armenien und Aserbaidschan und Tadschikistan. Die Ukraine ist wirtschaftlich und politisch 25 Jahre nahezu auf der Stelle getreten. Sie will sich an die EU annähern, muss sich aber gegen einen von Moskau unterstützten prorussischen Aufstand in ihrem Osten wehren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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