25 Tote bei Anschlag in Bagdad
Schuhwerfer von Bagdad droht jahrelange Haft

Der inzwischen weltbekannte irakische Journalist, der am vergangenen Sonntag einen Schuh auf US-Präsident George W. Bush geworfen hatte, ist am Mittwoch erstmals einem Richter vorgeführt worden. Nach Angabe seiner Verteidiger droht ihm mehrere Jahre Haft. Der Terror im Irak geht unterdessen weiter: Bei einem Anschlag in Bagdad kamen am Mittwoch offenbar 25 Menschen ums Leben.

BAGDAD/ISTANBUL. Ein Bruder des Fernsehredakteurs Montasser al-Saidi sagte der irakischen Nachrichtenagentur INA, der Richter habe ihn in der streng abgeriegelten Grünen Zone von Bagdad getroffen. Nach der Befragung habe der Richter nur gesagt, Al-Saidi habe "kooperiert". Über seinen Gesundheitszustand habe er kein Wort verloren. Die Familie befürchtet, dass er in der Haft misshandelt wird. Der Schuhwerfer erhielt indes weitere Unterstützung aus dem In- und Ausland.

In Bagdad starben am Mittwoch nach Angaben von Augenzeugen 25 Menschen, als auf einer belebten Straße kurz hintereinander zwei Sprengsätze detonierten. Unter den Toten waren mehrere Straßenverkäufer und Ladenbesitzer sowie drei Verkehrspolizisten. Mehr als 50 weitere Menschen seien durch den Anschlag unweit des Al- Kindi-Krankenhauses verletzt worden, hieß es. Bei einer Sprengstoffattacke in der nördlichen Stadt Mossul starb am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak ein Zivilist.



Unterdessen wurde dem Schuhwerfer weitere Unterstützung zuteil. Der syrische Kulturminister Riad Naasan Agha sagte am Mittwoch am Rande einer Filmkonferenz in Kairo: "Als arabischer Intellektueller bin ich zufrieden mit der Art und Weise wie Al-Saidi seine Meinung über Bushs Politik gegenüber seinem Land geäußert hat, denn es ist viel besser, Bush mit Schuhen zu bewerfen als sich einen Sprengstoffgürtel umzuschnallen und sich neben dem US-Präsidenten in die Luft zu sprengen."

Türkische Medien berichteten unterdessen, die Wurf-Schuhe des Fernsehreporters aus Bagdad seien in der türkischen Stadt Gaziantep hergestellt worden. "Dieses Modell wird von uns exportiert und ist im Nahen Osten sehr beliebt", sagte ein Firmenvertreter.

Die internationale Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen rief unterdessen zur Freilassung des Journalisten auf, "aus humanitären Gründen und um Spannungen zu vermeiden". In einer Erklärung der Organisation vom Dienstagabend hieß es weiter: "Selbstverständlich bedauern wir, dass der Journalist diese Methode gewählt hat, um gegen die Politik des amerikanischen Präsidenten zu protestieren."

In dem vorwiegend von Sunniten bewohnten Bagdader Stadtteil Adhamija demonstrierten am Mittwoch erneut Hunderte von Irakern für die Freilassung des Journalisten. Sie riefen: "Er ist ein Held, ein Löwe aus dem Zweistromland."

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