250.000 US-Depeschen
Ein Brief sollte Wikileaks großen Coup verhindern

Die Internetplattform Wikileaks will 250.000 diplomatische Depeschen der USA veröffentlichen. Im Fall des Falles dürfte der Schaden für Amerika wohl beträchtlich sein. Deswegen hat das Außenministerium auch einen Brief an Wikileaks-Gründer Julian Assange geschrieben, um die Veröffentlichung der Informationen doch noch zu verhindern. Wohl ohne Erfolg.
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HB WASHINGTON. Weltweit haben sich Regierungen auf eine Veröffentlichung geheimer Dokumente aus dem US-Außenministerium auf der Internetplattform Wikileaks vorbereitet. In einer diplomatischen Großoffensive informierte US-Außenministerin Hillary Clinton zahlreiche Staaten über die möglichen Enthüllungen, darunter auch Deutschland, schrieb ihr Sprecher Philip Crowley (MEZ) im Nachrichtendienst Twitter. Er glaube, der außenpolitische Schaden des Geheimnisverrats könne für die USA beträchtlich werden.

Deshalb hat das US-Außenministerium wohl auch mit einem Brief an Wikileaks-Gründer Julian Assange die erwartete Massen- Veröffentlichung von Regierungsdokumenten zu verhindern vesucht. Die geplante Offenlegung der vertraulichen und zum Teil als geheim eingestuften Berichte amerikanischer Botschaften „gefährdet das Leben zahlloser Personen“, heißt es in dem vom Samstag datierten Schreiben des Rechtsberaters des Ministeriums, Harold Hongju Koh.

Eine Veröffentlichung setzte Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Blogger, Soldaten und Informanten Risiken aus, schreibt Koh. Auf dem Spiel stünden außerdem laufende Operationen im Kampf gegen den Terror, Menschen- und Waffenschmuggel. Auch die Kooperation von Staaten werde gefährdet. Die USA lehnten alle Verhandlungen über die Offenlegung weiterer Dokumente ab, heißt es weiter. Sollte Wikileaks tatsächlich daran interessiert sein, Schaden zu vermeiden, müssten die Veröffentlichungen unterbleiben und die Akten zurückgegeben werden.

Einen Tag vor der für Sonntag erwarteten Publikation kursierten im Internet bereits Details zu den Inhalten. Demnach werden rund 250 000 diplomatische Depeschen im Netz zugänglich gemacht, die US-Vertretungen in aller Welt an das Außenministerium in Washington geschickt haben. Dazu kämen rund 8000 Direktiven der Zentrale in Washington an die Außenposten. Die Berichte berufen sich auf einen Artikel, der kurzzeitig bei Spiegel Online abrufbar gewesen sein soll, aber offenbar schnell von der Website entfernt wurde.

Der US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, hat der Enthüllungsplattform Wikileaks Verantwortungslosigkeit vorgeworfen. Die in Kürze im Internet erwartete Veröffentlichung geheimer US-Diplomatenberichte auch über deutsche Politiker werde sich auf die Zusammenarbeit von Regierungen auswirken und die Welt unsicherer machen, sagte Murphy der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Die Beziehungen zwischen Berlin und Washington seien dadurch aber nicht gefährdet.

Der Zeitung zufolge wurde Außenminister Guido Westerwelle von den US-Diplomaten am kritischsten beurteilt. Ebenfalls kritisch, aber deutlich positiver sei Kanzlerin Angela Merkel beurteilt worden, positiv dagegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

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Kommentare zu " 250.000 US-Depeschen: Ein Brief sollte Wikileaks großen Coup verhindern"

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  • Wie viele Menschenleben werden FÜR amerikanische interessen gefährdet ?
    Eine Führungsclique, die demokratische Rechte zum eigenen Vorteil aushebelt und das Volk belügt und die Privatsphäre immer mehr beschneidet, sollte nicht so heulen, wenn die eigene Privatsphäre nun mal etwas leidet.
    Wikileaks ist eine Folge, aber nicht eine Ursache !

  • Der Maulwurf im US Außenministerium will wohl Obama und seiner Politik schaden. Ob geheim oder streng geheim ist hier nicht relevant sondern alleine die Tatsache, dass man an solche Dokumente ran kommt ist ein Armutszeugnis für die US Administration.

  • irgendwelche Negativa über Westerwelle dürften ja keine beleidigung sein, sonder lediglich die Wahrheit. Das weiß eine große Anzahl von uns doch ohnehin.
    Und die Ost-Merkel? Na da bin ich gespannt.
    Alles in allem warten wir es ab. ist vielleicht mal ganz interessant.
    Könnte vielleicht sogar helfen, ind er zunehmend mehr als dreckigen verlogenen Politik, die nur noch gegen das Volk agiert, wieder mehr Demokratie reinzubringen

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