300 Jahre St.Petersburg: Treffen der G8
Putin als Vermittler in St.Petersburg

Terror und die ständige Furcht vor neuen Anschlägen halten die Welt in Atem. Die internationalen Finanzmärkte, geplagt durch eine hartnäckig schwache Weltwirtschaft, reagieren nervös. Auch im Nahen Osten eskaliert nach Ende des Irak-Krieges die Gewalt. Nordkorea droht mit Atomwaffen. Und die Ärmsten dieser Welt spüren noch immer wenig vom Segen der Globalisierung. Aufgaben genug für die sieben führenden Industriestaaten und Russland (G 8), deren Staats- und Regierungschefs sich vom 1. bis 3. Juni im französischen Thermalbad Evian am Genfer See treffen.

HB/dpa BRÜSSEL. Doch im Club der Reichen ist das Verhältnis unter einigen Mitgliedern ganz empfindlich gestört. Nach den tiefen Meinungsverschiedenheiten wegen des Irak-Krieges heilen die Wunden bei Kriegsgegner und -befürwortern nur langsam. Die G-8-Staaten sind gespalten.

US-Präsident George W.Bush weiß den britischen Premier Tony Blair eindeutig hinter sich. Auch die Regierungschefs Japans und Italiens, Junichiro Koizumi und Silvio Berlusconi, nannten den Irak-Feldzug - mehr oder weniger laut - richtig. Ihnen gegenüber steht Europas starker Mann, Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac. Er weist den Anspruch der USA, die Welt im Alleingang in Gut und Böse teilen zu können, kategorisch zurück. An seiner Seite steht Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem Bush seit dessen frühen Nein zum Krieg die kalte Schulter zeigt. Der letzte G-8-Gastgeber, Kanadas Premier Jean Chretien, ging ebenfalls zum Krieg gegen den Irak auf Distanz.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin schloss sich der Achse Paris-Berlin an. Nun kommt ihm vor Evian vielleicht die Rolle des Moderators zu. Zwei Tage vor Beginn des Gipfels hat Putin zum 300. Geburtstag seiner Heimatstadt St. Petersburg ihm wichtige Staatsmänner in die alte Zarenhauptstadt an der Newa eingeladen, darunter alle G-8-Kollegen. Zwischen Bootsfahrt, Galadinner und Kulturprogramm bieten sich Gelegenheiten für versöhnliche Gesten: im Fall Bush/Schröder gilt schon ein Händedruck als Fortschritt.

Blick auf die Armen werfen

Unabhängig vom Maß der amerikanischen Gunst muss der deutsche Kanzler auf der Mitte der Treffen in St.Petersburg und Evian noch die SPD mit seiner umstrittenen wirtschafts- und sozialpolitischen Agenda 2010 versöhnen. Mit welchem Ergebnis Schröder auch immer am Genfer See ankommt, er muss den Blick von den Nöten Deutschland auf die Probleme der Armen der Welt wenden.

Vor dem eigentlichen Gipfel kommen die G-8-Chefs mit ihren Kollegen aus Afrika und aufstrebenden Länder wie Brasilien, Mexiko und Indien zusammen. Auch Chinas Staatspräsident Hu Jintao wird auf besondere Einladung von Chirac am Tisch sitzen. Die Themen dieses so genannten Nord-Süd-Dialogs, die die Achter-Runde tags drauf weiter beraten wird, sind von früheren Gipfeln bekannt: Entschuldung der ärmsten Staaten, Kampf gegen Tuberkulose und Aids, wirtschaftliche Hilfe zur Selbsthilfe.

Franzosen hoffen auf pragmatische Lösungen

Chirac will diese Probleme vorrangig debattieren, auch wenn Bush versuchen dürfte, neben offenen Fragen zum Irak die Bedrohung durch Terrorismus und Massenvernichtung ins Zentrum des Gipfels zu rücken. Die Franzosen, die den USA eine Verleumdungskampagne vorwerfen, hoffen bei allem auf pragmatische Lösungen.

Auf ein ehrliches Engagement der G 8 hoffen auch die Kritiker der wirtschaftlichen Globalisierung, die zu Zehntausenden in Genf auf der Schweizer Seite des Sees für mehr Frieden und Wohlstand in den armen Staaten der Erde demonstrieren wollen. Gut 15 000 Polizisten und Soldaten wollen - auch durch die jüngsten Terroranschläge alarmiert - weit um den Tagungsort herum eine Hochsicherheitszone errichten.

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