International

_

50 Jahre Élysée-Vertrag: Deutschland und Frankreich wollen den Weg weisen

Blick nach vorn zum 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags: Deutschland und Frankreich feiern ihre Freundschaft, aber vergessen die Probleme in Europa nicht. Auch der Militäreinsatz in Mali ist ein Thema bei dem Treffen.

Frankreichs Präsident Francois Hollande und Kanzlerin Angela Merkel nach ihren Reden. Quelle: AFP
Frankreichs Präsident Francois Hollande und Kanzlerin Angela Merkel nach ihren Reden. Quelle: AFP

BerlinGenau 50 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrages haben sich Deutschland und Frankreich zu einer noch engeren Zusammenarbeit verpflichtet. Bei einer Serie von Feierlichkeiten in Berlin beschworen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident François Hollande am Dienstag die gemeinsame Verantwortung für Europa und zur Überwindung der Euro-Krise. Die Kooperation in der Außen- und Verteidigungspolitik soll intensiviert werden. Das Budget des Deutsch-Französischen Jugendwerks wird um zwei Millionen Euro aufgestockt.

Anzeige

Die Kanzlerin und der Staatspräsident vereinbarten, bis Mai gemeinsame Vorschläge für eine tiefere wirtschaftspolitische Kooperation in Europa vorzulegen. Mit einem Kompromissvorschlag soll eine Einigung über den künftigen EU-Haushalt erreicht werden. Auch bei der Entwicklung erneuerbarer Energien wollen beide Länder besser zusammenarbeiten. Hollande sagte: „Es gilt, Europa Vertrauen in seine Zukunft zu vermitteln.“

Von der Aussöhnung nach dem Krieg zur engen Partnerschaft

  • Juli 1948

    Gründung des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg.

  • Mai 1950

    Die Bürgermeister von Montbéliard in Ostfrankreich und Ludwigsburg vereinbaren die erste deutsch-französische Städtepartnerschaft.
    Frankreichs Außenminister Robert Schuman schlägt der Bundesrepublik die Schaffung einer supranationalen Behörde zur Verwaltung der Kohle- und Stahlproduktion beider Länder vor - die Montanunion gilt als Keimzelle der EU.

  • Oktober 1956

    Frankreich unterzeichnet ein Abkommen zur Rückkehr des Saarlandes nach Deutschland, die im Januar 1957 erfolgt.

  • Oktober 1958

    Bundeskanzler Konrad Adenauer besucht Staatspräsident Charles de Gaulle zwei Tage lang in dessen Wohnort Colombey-les-deux-Eglises. Einen Monat später treffen sich die beiden Staatsnmänner in Bad Kreuznach.

  • Juli 1962

    Adenauer besucht sechs Tage lang Frankreich. In der Kathedrale von Reims nimmt er gemeinsam mit de Gaulle an einer Versöhnungsmesse teil.

  • September 1962

    De Gaulle besucht fünf Tage lang die Bundesrepublik. Vor dem Schloss in Ludwigsburg ruft er in seiner berühmten "Rede an die deutsche Jugend" zur Aussöhnung beider Länder auf.

  • Januar 1963

    Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags im Pariser Elysée-Palast.

  • Juli 1963

    Abkommen zur Gründung des Deutsch-französischen Jugendwerks (DFJW)

  • Februar 1972

    Abkommen zur Einrichtung deutsch-französischer Gymnasien und eines binationalen Abiturs

  • Januar 1983


    Frankreichs Staatschef François Mitterrand unterstützt vor dem Bundestag den Beschluss der Bundesregierung zur Stationierung von US-Mittelstreckenraketen.

  • September 1984

    Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) gedenken in Verdun Hand in Hand der in den beiden Weltkriegen gefallenen deutschen und französischen Soldaten.

  • September 1987

    Erstes großes gemeinsames Militärmanöver "Kecker Spatz" in Deutschland mit 75.000 Soldaten.

  • Januar 1988

    Gründung eines deutsch-französischen Sicherheits- und Verteidigungsrats sowie eines gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzrats.

  • Oktober 1989

    Gründung der Deutsch-Französischen Brigade.

  • September 1990

    Mitterrand kündigt den Abzug der französischen Streitkräfte aus Deutschland an - zehn Monate nach dem Fall der Berliner Mauer.

  • Oktober 1990

    Unterzeichnung eines Vertrags zur Gründung des gemeinsamen Kulturkanals ARTE.

  • Mai 1992

    Beschluss zur Schaffung des Eurokorps mit rund 40.000 deutschen und französischen Soldaten als Keimzelle einer europäischen Armee.

  • Juli 1994

    An der Parade zum französischen Nationalfeiertag auf den Pariser Champs-Elysées nehmen erstmals rund 200 deutsche Soldaten teil.

  • September 1997

    Abkommen zur Schaffung der deutsch-französischen Hochschule.

  • Januar 2001

    Der französische Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzer Gerhard Schröder (SPD) vereinbaren im elsässischen Blaesheim informelle Treffen der führenden Politiker alle sechs bis acht Wochen.

  • Januar 2003

    Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Elysée-Vertrags vereinbaren beide Länder gemeinsame deutsch-französische Ministerräte. Der erste findet neun Monate später in Berlin statt.

  • Juli 2006

    In Saarbrücken wird das erste gemeinsame deutsch-französische Geschichtsbuch vorgestellt.

  • November 2009

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Nicolas Sarkozy nehmen gemeinsam an den Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs teil.

  • Juli 2012

    Merkel und der im Mai gewählte französische Präsident François Hollande geben eine gemeinsame Erklärung zum Schutz der Eurozone ab.

  • September 2012

    Merkel und Hollande eröffnen in Ludwigsburg das deutsch-französische Jahr.

Deutschland und Frankreich müssten als Motor darauf achten, andere europäische Länder mitzunehmen. „Aber wir sind diejenigen, die zeigen müssen, wohin der Weg geht“, sagte er vor deutschen und französischen Abgeordneten im Bundestag.

Merkel rief Deutsche und Franzosen dazu auf, die Freundschaft zwischen beiden Ländern mit immer neuem Leben zu erfüllen. Wie Hollande ging auch die Kanzlerin vor den Parlamentariern auf den französischen Militäreinsatz in Mali ein. Der Kampf gegen islamistische Terroristen erfordere alle Kraft. „Es ist für uns selbstverständlich, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam annehmen. Und deshalb steht Deutschland an der Seite Frankreichs.“ Zusagen für weitere Militärhilfe machte Merkel aber nicht.

Zum Abschied von Merkozy Ein Rückblick auf deutsch-französische Traum-Duos

  • Zum Abschied von Merkozy: Ein Rückblick auf deutsch-französische Traum-Duos
  • Zum Abschied von Merkozy: Ein Rückblick auf deutsch-französische Traum-Duos
  • Zum Abschied von Merkozy: Ein Rückblick auf deutsch-französische Traum-Duos
  • Zum Abschied von Merkozy: Ein Rückblick auf deutsch-französische Traum-Duos

Hollande würdigte die deutsche Unterstützung mit zwei Transall-Flugzeugen. „Ich hatte nie Zweifel, dass Deutschland sich politisch solidarisch zeigen würde und die anderen europäischen Länder“, sagte er. Das Eingreifen in Mali sei notwendig gewesen. „Später wäre es zu spät gewesen.“ Der Präsident wies auch Vorwürfe zurück, Frankreich verfolge in Mali nationale Interessen. Sein Land wolle nützlich sein für Afrika und Europa, betonte er.

  • 23.01.2013, 07:43 UhrUn_Italiano_in_Germania

    Freundschaft ist eine wunderbare Sache, aber wenn diese Freundschaft zum Vorteilnahme gegenüber andere missbraucht wird, wenn diese Freundschaft zu Komplizenschaft mutiert, dann wird es zu einer Art Krebsgeschwür für die Währungsunion werden. .
    Aber gerade dies ist mit der deutsch-französische Freundschaft die zur deutsch-französische Achse mutiert, Verträge entworfen und durchgesetzt hat die für andere EU-Mitglieder, vor allem für andere Mitglieder der Währungsunion sehr nachteilig sind.
    Die Industrieproduktion in Italien ist seit 2007 um mehr als 25% gesunken, obwohl die Lohnkosten in Italien wesentlich niedriger als in Frankreich und sogar niedriger als in Deutschland sind.
    Die Gewinne die deutsche und französische Konzerne in Italien realisiert haben wurden zum größten Teil nicht in Italien wieder investiert sonder oft ins Nichteuroausland, was einer Kapitalflucht aus Sicht Italien gleich kommt
    Dies wird in absehbarer Zeit zu Verwerfungen innerhalb der Währungsunion führen wenn nicht wesentliche Änderungen der Verträge vorgenommen werde.
    Eine Alternative für Italien wäre sich an Großbritannien und den USA anzulehnen, was für das Überleben des Landes sich bald als absolut erforderlich und alternativlos erweisen wird.
    Merkel und Hollande wären gut beraten dies zu berücksichtigen und zu bedenken dass in der Vergangenheit meistens der übertriebene Chauvinismus der Nationen für die Innereuropäische Konflikte verantwortlich waren.

  • 23.01.2013, 00:11 UhrKatze

    Handelsblatt oder Faustblatt Merkels lächeln überzeugt uns alle . ÄHH leider ist nur etwas zu kalt . Aber dafür Echt glatt .

  • Die aktuellen Top-Themen
Kampf gegen IS: Erste Peschmerga-Kämpfer in Kobane eingetroffen

Erste Peschmerga-Kämpfer in Kobane eingetroffen

Die ersten Peschmerga-Kämpfer haben die umkämpfte Grenzstadt im Norden Syriens erreicht. Sie sollen die Kurden im Kampf gegen die Terrormiliz IS unterstützen. Sie bringen schwere Waffen mit.

Inflation: Preise steigen im Oktober nur um 0,8 Prozent

Preise steigen im Oktober nur um 0,8 Prozent

Die Teuerungsrate in Deutschland bleibt den vierten Monat in Folge auf demselben Niveau: Die Preise stiegen auch im Oktober nur leicht um 0,8 Prozent – entgegen der Prognose von Experten.

Alarm wegen russischer Kampfflugzeuge: Putin provoziert die Nato

Putin provoziert die Nato

Ungewöhnlich viele russische Kampfjets überfliegen Europa. Eine ganz normale Übung, sagt der Kreml. Ein Sicherheitsexperte warnt vor einem „gesteigerten Aggressionspotential“. Bundeskanzlerin Merkel bleibt unbesorgt.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International