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Deutschland und Frankreich wollen den Weg weisen

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Gute Beziehungen nicht selbstverständlich

Etwa 400 französische Abgeordnete und zahlreiche Regierungsmitglieder waren aus Paris zu den Feierlichkeiten des 50. Jahrestages des Vertrages gekommen. Am 22. Januar 1963 hatten der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle im Pariser Élysée-Palast die Aussöhnung der einstigen Erbfeinde und Kriegsgegner besiegelt.

Porträt in Bildern Die Geheimwaffe Hollande

  • Porträt in Bildern: Die Geheimwaffe Hollande
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Nach einer gemeinsamen Kabinettsberatung kamen die Abgeordneten zu einer feierlichen Sitzung von Bundestag und französischer Nationalversammlung zusammen. Bundestagspräsident Norbert Lammert appellierte dabei an die Jugend, das Vermächtnis der Aussöhnung zu bewahren. Die guten Beziehungen seien normal, aber nicht selbstverständlich, sagte Lammert.

In einer gemeinsamen Erklärung, die von den Parlamentariern verabschiedet wurde, heißt es unter anderem, Europa stehe vor großen ökonomischen und politischen Herausforderungen. Die deutsch-französische Zusammenarbeit müsse gerade in Krisenzeiten für ein weiteres Zusammenwachsen der EU genutzt werden. „Dieses Zusammenwachsen darf nicht auf Wirtschafts- und Währungsfragen reduziert werden, sondern muss vor allem der Jugend in Europa eine neue Perspektive für Bildung, Beschäftigung und Wachstum geben.“

Vergleich: Deutschland vs. Frankreich

  • Wachstum

    Frankreich: Die Wirtschaft wächst viel langsamer. Die EU-Kommission traut der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr lediglich ein Plus von 0,2 Prozent zu, das 2013 mit 0,4 Prozent nur einen Tick größer ausfallen soll. Grund dafür ist der maue Konsum: Er dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr angesichts der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren.
    Deutschland: Jeweils 0,8 Prozent Wachstum sagt die EU-Kommission für 2012 und 2013 voraus. Garant dafür ist der private Konsum. Er wird nach der Prognose in beiden Jahren um jeweils ein Prozent zulegen. Dafür sollen die Rekordbeschäftigung und spürbare Lohnzuwächse sorgen.

  • Schulden

    Frankreich: Frühestens 2015 wird die EU-Grenze für die Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wieder eingehalten. Das erwartet zumindest die EU-Kommission. Demnach wird das Defizit in diesem Jahr bei 4,5 Prozent liegen, 2013 und 2014 bei jeweils 3,5 Prozent. Der Schuldenberg soll im kommenden Jahr auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen.
    Deutschland: Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts rückt in greifbare Nähe. 2012 und 2013 soll das Defizit angesichts rekordhoher Steuereinnahmen jeweils 0,2 Prozent betragen, ehe 2014 ein Haushalt ohne neue Schulden stehen soll. Der Schuldenstand soll bis dahin auf 78,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen.

  • Wettbewerbsfähigkeit

    Frankreich: In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich in diesem Jahr um drei Ränge auf den 21. Platz ab, wie das World Economic Forum bei seinem weltweiten Standortvergleich befand. Die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der "Grande Nation". Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.
    Deutschland: Trotz der Euro-Krise hat Deutschland im globalen Standortvergleich des World Economic Forum seinen sechsten Platz behauptet und damit erstmals die USA überholt. Als Pluspunkte gelten die ausgezeichnete Infrastruktur und innovative Unternehmen, die alle Stufen der Wertschöpfung leisten können - von der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Minus-Punkte gab es dagegen für den Arbeitsmarkt, der als zu starr gilt. Kritisiert wird vor allem die mangelnde "Flexibilität der Lohnfindung": Hier landet Deutschland auf Platz 139 von 144.

  • Industrie

    Frankreich: Zwar kann unser Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder der Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise im Euro-Raum durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Nur noch 12,6 Prozent trägt sie zur Bruttowertschöpfung bei.

    Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung kletterte 2011 auf 26,2 Prozent, während er zwischen 2000 und 2010 im Schnitt nur 25,1 Prozent betrug.

  • Arbeitskosten

    Frankreich: 34,20 Euro kostet eine Arbeitsstunde in der französischen Privatwirtschaft im Schnitt. In der EU ist Arbeit nur in Belgien, Schweden und Dänemark noch teurer. In der Industrie sind es sogar 35,91 Euro.

    Deutschland: Im Schnitt kostet eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro - das ist der siebthöchste Wert der 27 EU-Mitglieder. Der Euro-Zonen-Schnitt liegt bei 27,70 Euro. In der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie liegen die Arbeitskosten bei 35,66 Euro pro Stunde.

Auf Grundlage der von Frankreich und den deutschen Bundesländern erarbeiteten Standards soll in den Grenzregionen ein Netz von zweisprachigen deutsch-französischen Kindertagesstätten eingerichtet werden. Auch die Zusammenarbeit im Kulturbereich soll ausgebaut werden.

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Kulturstaatsminister Bernd Neumann und seine französische Amtskollegin Aurélie Filippetti vereinbarten, gemeinsam etwa für den Schutz des Urheberrechts im Internet einzutreten. Auch beim Kulturkanal Arte und im Bereich des Films soll die Zusammenarbeit erweitert werden.

  • 23.01.2013, 07:43 UhrUn_Italiano_in_Germania

    Freundschaft ist eine wunderbare Sache, aber wenn diese Freundschaft zum Vorteilnahme gegenüber andere missbraucht wird, wenn diese Freundschaft zu Komplizenschaft mutiert, dann wird es zu einer Art Krebsgeschwür für die Währungsunion werden. .
    Aber gerade dies ist mit der deutsch-französische Freundschaft die zur deutsch-französische Achse mutiert, Verträge entworfen und durchgesetzt hat die für andere EU-Mitglieder, vor allem für andere Mitglieder der Währungsunion sehr nachteilig sind.
    Die Industrieproduktion in Italien ist seit 2007 um mehr als 25% gesunken, obwohl die Lohnkosten in Italien wesentlich niedriger als in Frankreich und sogar niedriger als in Deutschland sind.
    Die Gewinne die deutsche und französische Konzerne in Italien realisiert haben wurden zum größten Teil nicht in Italien wieder investiert sonder oft ins Nichteuroausland, was einer Kapitalflucht aus Sicht Italien gleich kommt
    Dies wird in absehbarer Zeit zu Verwerfungen innerhalb der Währungsunion führen wenn nicht wesentliche Änderungen der Verträge vorgenommen werde.
    Eine Alternative für Italien wäre sich an Großbritannien und den USA anzulehnen, was für das Überleben des Landes sich bald als absolut erforderlich und alternativlos erweisen wird.
    Merkel und Hollande wären gut beraten dies zu berücksichtigen und zu bedenken dass in der Vergangenheit meistens der übertriebene Chauvinismus der Nationen für die Innereuropäische Konflikte verantwortlich waren.

  • 23.01.2013, 00:11 UhrKatze

    Handelsblatt oder Faustblatt Merkels lächeln überzeugt uns alle . ÄHH leider ist nur etwas zu kalt . Aber dafür Echt glatt .

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