International

Der Franzose - das unbekannte Wesen

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Niedergang der Esskultur endet beim Déjeuner

In umgekehrter Richtung dagegen erlebt man ein gewisses Überlegenheitsgefühl, fast schon Herablassung. „Manch einer glaubt, er müsse jetzt, wo es den Franzosen schlechter geht, noch mal so richtig drauftreten“ sagte vergangene Woche ein deutscher Unternehmer, der schon lange in Frankreich arbeitet.

Das Netzwerk des François Hollande

  • André Vallini

    Gehört ebenfalls zu denen, auf die Hollande sich verlässt. Heißer Anwärter auf den Posten des Justizministers.

  • Arnaud Montebourg

    Beliebter Globalisierungsgegner mit Vorliebe für griffige Polemiken. Wäre fast über seine deutschlandfeindlichen Äußerungen gestolpert.

  • Jean-Marc Ayrault

    Ruhig, professionell und seit 15 Jahren ein Vertrauter des Kandidaten. Der Deutschland-Kenner hat beste Chancen, nach der Wahl Premierminister zu werden.

  • Laurent Fabius

    War Premier unter Francois Mitterrand und ist ein alter Gegner Hollandes. Spekuliert trotzdem auf das Außenministerium.

  • Manuel Valls

    Kommunikationschef von Hollandes Kampagne. Extrem ehrgeizig, aber nicht immer mit dem richtigen Fingerspitzengefühl gesegnet.

  • Marisol Touraine

    Expertin für Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Könnte Arbeitsministerin werden.

  • Martine Aubry

    Die Parteivorsitzende war eine scharfe Kritikerin Hollandes. Doch nach der Wahl würde sie gerne Premierministerin  werden .

  • Michel Sapin

    Der Autor von Hollandes Wahlprogramm ist einer seiner ältesten Freunde. Er war bereits Finanzminister - und könnte es wieder werden.

  • Pierre Moscovici

    War früher Europaminister - und würde es gerne wieder. Oder noch mehr.

  • Ségolène Royal

    Die sozialistische Kandidatin von 2007 hat sich 2006 von Hollande getrennt. Ihre politische Feindschaft haben die beiden inzwischen begraben.

  • Stéphane Le Foll

    Auch er zählt zu den engsten Getreuen. Der Bretone ist als Europa- oder Landwirtschaftsminister im Gespräch.

  • Valérie Trierweiler

    Die Lebensgefährtin Hollandes war Journalistin - bis sie begonnen hat, im Wahlkampf auch öffentlich als Frau an seiner Seite in Erscheinung zu treten.

  • Delphine Batho

    Hollande-Sprecherin, Expertin für innere Sicherheit und frühere Vertraute von Ségolène Royal. Abgeordnete der Nationalversammlung.

  • Henri de Castris

    Axa-Chef, Hollande-Freund. Hat mit ihm zusammen die Eliteschule ENA absolviert.

  • Gérard Mestrallet

    Leitet den Energie-Multi GDF Suez. Wichtiger Gesprächspartner von Hollande.

  • Jean-Pierre Jouyet

    Der Sozialist leitet die Finanzaufsicht AMF. Eng mit Hollande befreundet und wichtiger Ratgeber für Fragen der Finanzmärkte.

  • Emmanuel Macron

    Partner von Rothschild & Cie. Hat an Hollandes Wirtschaftsprogramm mitgewirkt und könnte eventuell mit in die Leitung des Präsidialamtes berufen werden.  

  • Mathieu Pigasse

    Europa-Vizechef der Bank Lazard. Aktionär von Le Monde und Anhänger von Hollande.

Schwer zu sagen, was von den debattierten Änderungen tatsächlich verwirklicht wird. Aber immerhin, die vor knapp zwei Wochen vereinbarte Reform des Arbeitsmarktes ist ein guter Anfang. Das Land kommt in Bewegung, Arbeitgeber und Gewerkschaften verlassen ihre Schützengräben.

Veränderung spürt an auch in kleinen Dingen. Die Leute sind längst nicht mehr so zeremoniös und steif wie früher. Die goldbetresste Ehrengarde im Elysée-Palast, der Plüsch und Pomp in manchen Ministerien täuschen.

Der Umgang ist locker geworden, mehr als in Deutschland. Trifft man jemanden zum zweiten oder dritten Mal, duzt man sich fast automatisch. Undenkbar, dass Kollegen sich wie in Deutschland auch nach Jahren noch siezen. Und man spricht Englisch, von Wissenschaftlern bis zu Kellnern.

Neue Prèmiere Dame Valerie Trierweiler: „Ich bin nicht nur Dekoration“

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Und dann die Esskultur. Sie hat arg gelitten, nimmt teils absurde Formen an. Eine Junk-Food-Kette bietet seit Anfang Januar Burger mit einer Scheibe Gänsestopfleber oben drauf an, der verzweifelte Versuch, in Würde unterzugehen.

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Doch beeindruckt, wie die Institution des Mittagessens gegen die Zumutungen der Arbeitswelt verteidigt wird. Gegen 13 Uhr sollte man nicht versuchen, ein Taxi zu bekommen. Da treffen sich die Fahrer an diversen Restaurants und machen kollektiv Pause. Soll der Kunde sehen, wie er weiterkommt: Am Déjeuner wird nicht gerüttelt!

  • 22.01.2013, 14:00 UhrLilly

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • 22.01.2013, 14:02 Uhrbittenicht

    "Die Franzosen werden deutscher."

    Traurig.
    Mir wäre es lieber, die Franzosen blieben Franzosen.
    Was bleibt noch an Lebensqualität auf diesem Planet, wenn wir alle zu Maschinenmenschen werden?!

  • 22.01.2013, 14:11 UhrRechner

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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