50 Jahre Opec
Die Wurzeln der Macht liegen in Bagdad

2010 wird die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) 50 Jahre alt. Ein neues Buch untersucht die Einflussmöglichkeiten des Ölkartells und stellt die Akteure im Ölmarkt vor. Auch den größten Feind von Produzenten und Konsumenten des schwarzen Goldes benennen die beiden Autoren in ihrem Werk.
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DÜSSELDORF. Die Welt wird wohl vergeblich auf ein Weihnachtsgeschenk der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) warten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das mächtige Ölkartell seine offiziellen Ölförderquoten auf seiner Sitzung am 22. Dezember anheben wird, tendiert inzwischen gegen null.

Doch auch wenn der Ausgang der Sitzung absehbar erscheint, werden Ölproduzenten wie-verbraucher auf die Entscheidungen in Luanda, Angola, blicken. Schließlich beraten dort die einflussreichsten Ölproduzenten der Welt. Warum das Kartell, das im nächsten Jahr 50 wird, heute über so viel Macht verfügt und wie es überhaupt entstanden ist, beschreibt detailliert das Buch "Die Opec - Macht und Ohnmacht des Öl-Kartells" von Jan Martin Witte und Andreas Goldthau.

Zur Erklärung der Macht des heutigen Kartells beschritten die Autoren "den Weg nach Bagdad", wo die Organisation gegründet wurde. Macht hatte die Opec damals nur wenig. Ganz im Gegenteil, in den Ölländern dominierte die Ohnmacht. Das heute wichtigste Ölland der Welt, Saudi-Arabien, "erschien bis in die 1930er-Jahre nicht auf dem Radarschirm der Konsumentenstaaten", schreiben die Autoren. In dem Gebiet des heutigen Saudi-Arabiens hätten amerikanische Ölfirmen eine dominierende Rolle im Kampf um Öl und Macht gespielt. Selbst die Gründung der Opec 1960 habe sich fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit vollzogen. Das Kartell war die Antwort der Produzenten auf mehrere Preissenkungsrunden.

Erst Anfang der 70er-Jahre wendete sich das Blatt. Aus dem Käufer- wurde ein Verkäufermarkt. Die Zahl der neu erschlossenen Ölquellen blieb hinter dem rasch wachsenden Verbrauch zurück. Dennoch dauerte es bis 2008, bis die Ölpreise ihren bisherigen Höchststand von fast 150 Dollar pro Barrel erreichten. Ein Niveau, das die Opec und ihre vermeintliche Macht in den Mittelpunkt rückte.

Doch angesichts der nahezu ausgereizten Möglichkeiten, die eigenen Kapazitäten kurzfristig zu erhöhen, konnte die Opec den letztjährigen Preisanstieg nicht bremsen. Das schafften erst die wirtschaftliche Abschwächung und der Einbruch der Nachfrage. Auch hier stieß die Macht der Opec an ihre Grenzen. Denn trotz massiver Produktionskürzungen vermochte sie auch den Preisrutsch nicht wirklich zu stoppen.

Von ihrem Tief bei gut 30 Dollar haben sich Preise wieder gelöst. Aktuell pendeln sie zwischen 70 und 80 Dollar. Mit diesem Niveau sind die meisten der Kartellmitglieder zufrieden. Wichtiger ist für sie wie für die Verbraucher die Stabilität. "Der größte Feind der Konsumenten wie Produzenten ist die Preisvolatilität", unterstreichen die Autoren. Sie machen zudem deutlich, dass die Entwicklungen an den Ölmärkten in beide Richtungen wirken und plädieren daher für den Dialog der konträren Parteien. Witte und Goldthau runden damit ein breit angelegtes Buch über Öl und die Akteure am Ölmarkt ab.

Andreas Goldthau, Jan Martin Witte: Die Opec. Macht und Ohnmacht des Öl-Kartells. Hanser, München 2009, 303 Seiten, 21,90 Euro.

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