52 Tote
Attentäter in Jemen tötet auch Deutsche

Dutzende Menschen starben bei dem Selbstmordanschlag, über 160 wurden verletzt. Unter den Toten befinden sich zwei Deutsche. Die Verantwortung wird der Al-Kaida zugeschoben.
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Berlin/ SanaaBei einem Selbstmordanschlag auf das jemenitische Verteidigungsministerium sind am Donnerstag 52 Menschen getötet worden, darunter auch zwei deutsche Entwicklungshelfer. Zudem wurden mindestens 167 Menschen verletzt, wie der jemenitische Sicherheitsrat am Abend mitteilte. Unter den Toten seien auch zwei Ärzte aus Vietnam sowie eine indische und zwei philippinische Krankenschwestern. Zu dem schwersten Anschlag im Jemen seit anderthalb Jahren bekannte sich zunächst niemand. Analysten vermuten aber Al-Kaida hinter der Tat.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte, die beiden Deutschen seien für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Jemen tätig gewesen. Ein jemenitischer GIZ-Mitarbeiter sei bei dem Angriff ebenfalls getötet worden. Unter den Toten waren nach jemenitischen Angaben zahlreiche Ärzte, Krankenschwestern und Patienten einer Krankenstation, die sich auf dem Gelände des Ministeriums befand.

Ein Selbstmordattentäter war am Morgen in einem mit Sprengstoff beladenen Auto in eine Zufahrt des Ministeriums gerast. Zeugen berichteten von einer heftigen Explosion. Danach drangen mit Armeeuniformen bekleidete Angreifer in den Komplex ein und lieferten sich Gefechte mit Soldaten. Die Extremisten zerrten mindestens zwei Ausländer - einen Arzt aus einem westlichen Land und eine Krankenschwester aus den Philippinen - in einen Innenhof und erschossen sie vor den Augen einheimischer Angestellter, wie aus Ministeriums- und Krankenhauskreisen verlautete.

Der Anschlag auf das Ministerium ereignete sich am Rande der Altstadt im Viertel Bab al-Jemen. Das Verteidigungsministerium erklärte, die Angreifer hätten sich Bauarbeiten am Gebäude zu Nutze gemacht. Die Lage sei wieder unter Kontrolle. Die meisten Angreifer seien getötet worden. Zwei Extremisten hätten fliehen können, verlautete aus Sicherheitskreisen. Unter den getöteten Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums soll auch ein Verwandter von Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi sein.

Aus Krankenhauskreisen verlautete, die Extremisten hätten unter anderem zwei jemenitische Ärztinnen, einen Chirurgen aus den Philippinen, einen Arzt aus einem westlichen Land sowie vier Krankenschwestern aus Indien und den Philippinen getötet. Das Gesundheitsministerium rief die Bevölkerung zu Blutspenden auf.

„Die Bundesregierung verurteilt die feigen Anschläge in Sanaa auf das Schärfste“, erklärte Westerwelle. Die Bundesregierung stehe in engem und ständigem Kontakt mit den jemenitischen Behörden sowie den europäischen und internationalen Partnern. „Jemen darf kein Hort des Terrors werden.“ Erst im Oktober war ein deutscher Sicherheitsbeamter der Botschaft in Sanaa erschossen worden.

Al-Kaida im Jemen hat wiederholt versucht, westliche Ziele anzugreifen. Der Jemen ist Verbündeter der USA im Kampf gegen islamistische Extremisten, die auch mit Hilfe amerikanischer Drohnen verfolgt und getötet worden sind. Die Übergangsregierung kämpft auch gegen Separatisten im Süden und andere Rebellen im Norden des Landes. Der Staat leidet unter Armut und einer Wirtschaftskrise, die auf die Amtszeit von Präsident Ali Abdullah Saleh zurückgeht. Er wurde 2011 aus dem Amt gedrängt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • „Die Bundesregierung verurteilt die feigen Anschläge in Sanaa auf das Schärfste", erklärte Westerwelle
    „Jemen darf kein Hort des Terrors werden...
    ...na das sind doch echt starke Worte! Damit dürfte die Sache erledigt sein und die bösen Buben werden das auch nie wieder tun...nach so einem Anschiss. Die müssen doch wissen, das man sowas nicht darf. Guido hat vollkommen recht. Und wenn das nochmal vorkommt, werden wir tapfer bleiben und wieder den mahnenden Zeigefinger heben...

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