54 Prozent der Stimmen
Juschtschenko gewinnt Präsidentenwahl in der Ukraine

Der prowestliche Oppositionsführer Viktor Juschtschenko wird aller voraussicht nach neuer Präsident der Ukraine. Die zentrale Wahlleitung in Kiew teilte nach Auszählung von 99,05 Prozent der Stimmzettel mit, Juschtschenko habe bei der Wahl am Sonntag 52,22 Prozent der Stimmen erhalten. Der beurlaubte Ministerpräsident Janukowitsch habe 43,99 Prozent erhalten.

HB KIEW. Der Vorsprung für Juschtschenko betrug etwa 2,4 Millionen Stimmen. Erneut zeigte sich die tiefe regionale Spaltung der Ukraine: Janukowitsch gewann im Osten und Süden des Landes, Juschtschenko im Westen und im Zentrum.

Das endgültige Ergebnis der wegen Manipulationen wiederholten Präsidentenstichwahl ließ am Montag jedoch auf sich warten. Das Lager von Juschtschenkos Konkurrenten Viktor Janukowitsch hatte mehrere hundert Beschwerden wegen Wahlrechtsverstößen eingelegt. Für die Ukraine war es der dritte Wahlgang in 57 Tagen.

Nach Wochen der Massendemonstrationen gegen Wahlfälschungen im vorherigen Wahlgang und für echte Demokratie zeichnete sich mit Juschtschenkos Sieg eine friedliche Ablösung der autoritären Regierung von Präsident Leonid Kutschma ab. Um die Wahlen in der Ukraine hatte es auch Streit zwischen Russland und den westlichen Staaten gegeben.

Juschtschenko, Ex-Nationalbankchef und früherer Ministerpräsident, erklärte sich am frühen Montagmorgen zum Wahlsieger. „Vor uns liegt eine freie und unabhängige Ukraine“, rief er vor tausenden Anhängern auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Das Wahlergebnis sei ein Sieg für das ukrainische Volk. „Wir sind seit 14 Jahren unabhängig, heute wurden wir frei.“ Unter die in orange gekleideten Demonstranten mischten sich auch einige Anhänger Janukowitschs mit blau-weißen Fahnen. Wie bei den Kundgebungen in den vergangenen Wochen blieb die Stimmung friedlich.

Juschtschenko und Janukowitsch hatten sich am 31. Oktober für den zweiten Wahlgang qualifiziert. Die Stichwahl vom 21. November wurde jedoch vom Obersten Gericht der Ukraine wegen massiver Manipulationen annulliert. Damals hatten die Behörden Janukowitsch offiziell zum Sieger erklärt.

Der aus dem Industriegebiet in der Ostukraine stammende Janukowitsch kündigte für den Fall einer Niederlage an, im Parlament eine starke Opposition aufbauen zu wollen. Der Politiker war im Wahlkampf zunächst vom scheidenden Präsidenten Kutschma sowie vom Kreml unterstützt worden. Nach einem politischen Kompromiss Juschtschenkos mit der alten Staatsmacht blieb Janukowitsch vor der wiederholten Stichwahl weitgehend auf sich allein gestellt.

Wahlhelfer von Janukowitsch legten am Montag nach Angaben der zentralen Wahlkommission 550 Beschwerden ein. Sein Stabschef Taras Tschornowil sagte, es seien drei Millionen Stimmen verfälscht worden. Ukrainische Beobachter bezweifelten jedoch, dass Janukowitschs Lager ausreichende Beweise für die Beschuldigungen habe. „Der Vorsprung Juschtschenkos vor Janukowitsch ist zu groß, als dass die Beschwerden noch etwas ausrichten können“, sagte der Politologe Alexander Litwinenko vom Rasumkow-Forschungszentrum in Kiew.

Die Abstimmung am zweiten Weihnachtsfeiertag war von einer Rekordzahl von 12 500 internationalen Beobachtern verfolgt worden. Amerikanische und deutsche Beobachter sprachen von einer fairen Wahl. Auch einzelne russische Beobachter schlossen sich dieser Einschätzung an. Andere bemängelten dagegen wie das Janukowitsch-Lager zahlreiche Unzulänglichkeiten.

Im Wahlkampf hatte Juschtschenko unter einer rätselhaften Krankheit gelitten, die von Ärzten in Wien als Vergiftung mit Dioxin identifiziert wurde. Der Oppositionsführer machte die alte Staatsmacht für einen gezielten Mordanschlag verantwortlich und kündigte eine genaue Aufklärung nach seinem Wahlsieg an.

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