58 Prozent bezeichnen Irak-Krieg als Fehler
Zustimmung der Amerikaner zu Bush sinkt

Die ständig ansteigende Welle der Gewalt im Irak zeigt Auswirkungen in den USA: Immer mehr Amerikaner sind unzufrieden mit der Nahost-Politik ihrer Regierung. Nach einer gestern veröffentlichten Umfrage der „Washington Post“ sagen 52 Prozent der Befragten, dass der Irak-Krieg die langfristige Sicherheit ihres Landes nicht erhöht habe.

HB WASHINGTON. Damit widerspricht erstmals eine Mehrheit der Bevölkerung dem zentralen Argument von Präsident George W. Bush aus dem Wahlkampf 2004. Es sei besser, den Terrorismus im Irak zu bekämpfen als in Chicago oder San Francisco, hatte der Chef des Weißen Hauses damals immer wieder betont. Ende 2003 teilten noch 62 Prozent der Amerikaner Bushs Meinung, vor drei Monaten waren es immerhin noch 52 Prozent.

Nach der neuen Umfrage bezeichneten 58 Prozent der US-Bürger den Irak-Krieg als einen Fehler - ebenfalls ein Rekordwert. Fast drei Viertel nannten die Zahl der amerikanischen Kriegstoten im Irak „inakzeptabel“. Nach den irakischen Wahlen im Januar war Bush noch von einer Woge der öffentlichen Zustimmung getragen worden.

Die neueste Erhebung kommt in einer Zeit ansteigender Opferzahlen am Golf. Im Mai wurden 80 amerikanische Soldaten und mehr als 700 Iraker getötet. Seit Beginn der US-Invasion im März 2003 starben mehr als 1600 GIs. „Es scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass der Krieg im Irak nicht gewonnen wird und möglicherweise ungewinnbar ist“, sagt der ehemalige Armee-Oberst Andrew Bacevich. Ein Vergleich mit dem Vietnam-Krieg, bei dem mehr als 58 000 US-Soldaten ums Leben kamen, wird dennoch von den meisten Amerikanern abgelehnt.

Vor diesem Hintergrund bewegt sich die Zustimmung zu Bushs Politik weiter auf dem Tiefpunkt. Nach der Umfrage der „Washington Post“ kommen die meisten US-Bürger zu der Einschätzung, dass der Präsident in seiner zweiten Amtszeit einen schlechteren Job mache als in seiner ersten. Nur 48 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden.

Das ist im historischen Vergleich mit anderen Präsidenten zu Beginn ihrer zweiten Amtszeit äußerst niedrig. Nur Richard Nixon kam im Mai 1973 inmitten des „Watergate“-Skandals mit 45 Prozent Zustimmung auf einen schlechteren Wert. Lyndon Johnson erreichte im April 1968 während des Vietnam-Krieges 50 Prozent. Bei Ronald Reagan waren es im Mai 1985 55 Prozent und bei Bill Clinton im Mai 1997 57 Prozent.

Wirtschaft ist wichtigstes Thema

Der relativ gute Zustand der US-Konjunktur verschafft Bush immerhin etwas Entlastung: 44 Prozent der Amerikaner sind der Meinung, dass sich die Wirtschaft in einer günstigen Verfassung befinde. Im April waren es nur 37 Prozent. Die Wirtschaft ist für die US-Bürger das wichtigste Thema – vor dem Irak sowie der Kranken- und der Rentenversicherung. Nur noch zwölf Prozent bezeichneten den Terrorismus als die dringendste Angelegenheit für die amerikanische Nation.

Neben dem Irak-Krieg nagt vor allem die heftige Debatte um die Zukunft der Altersvorsorge am Ansehen Bushs. Mit seinem Plan, die Rentenversicherung teilweise zu privatisieren, konnte der Präsident bislang wenig Punkte machen.

Nach neusten Umfragen ist weniger als ein Drittel der US-Bürger bereit, einen gewissen Prozentsatz der Renten-Beiträge in private Investmentkonten umzuleiten. Auch eine massive Public-Relations-Kampagne der amerikanischen Regierung konnte in den vergangenen Wochen das skeptische Meinungsklima im Land nicht drehen.

Hinzu kommt, dass der Präsident mit Blick auf die Teil-Privatisierung der Rente in beiden Kammern des Kongresses auf hartnäckigen Widerstand stößt. Auch viele republikanische Abgeordnete schielen bereits auf die Halbzeitwahlen im November 2006 und fürchten, von den Bürgern abgestraft zu werden.

Die oppositionellen Demokraten warnen unterdessen vor einem „Ausverkauf der Sozialversicherung“. Kritiker sehen bei Bush bereits die ersten Anzeichen für eine „lame duck“, eine „lahme Ente“ - jenen Autoritätsverlust, der bei Präsidenten traditionellerweise erst gegen Mitte der zweiten Amtszeit einsetzt.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%