60 Mrd. Euro aus EU-Kassen
Polens starke Wirtschaft festigt Position von Premier Kaczynski

Die boomende polnische Wirtschaft spielt eine wichtige Rolle im längerfristigen Machtkalkül der regierenden Nationalkonservativen. „Wenn die Baukolonnen ganz Polen umgraben, gewinnen wir jede Wahl.“

WARSCHAU. Premier Jaroslaw Kaczynski habe Wirtschaft und Finanzen zur Chefsache erklärt, berichtet sein Kanzleiminister Adam Lipinski. Das gelte für die Wirtschaftsförderung ebenso wie für Infrastrukturinvestitionen. „Wenn die Baukolonnen ganz Polen umgraben, gewinnen wir jede Wahl“, schwärmt Lipinski. Beobachter in Warschau trauen den Rechten inzwischen zu, zwei volle Legislaturperioden an der Macht zu bleiben. „Politisch haben sie ihre Herrschaft schon gefestigt“, sagt der linke Publizist Ryszard Bugaj.

Tatsächlich ist Polen inzwischen in die Gruppe der wachstumsstärksten EU-Staaten vorgestoßen. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs in den ersten drei Monaten des Jahres um 5,2 Prozent und im zweiten Quartal sogar m 5,5 Prozent. Im Vorjahr waren es vier Prozent. Analysten führen die exzellente Konjunktur vor allem auf die gestiegene Binnennachfrage zurück. So sind die Bruttoanlageinvestitionen im zweiten Quartal um 14,4 Prozent gestiegen. „Wenn die Firmen aktiv sind, dann deutet das auf ein stabiles Wachstum hin“, betont Ryszard Petru von der Bank Przemyslowo-Handlowy.

Halina Wasilewska-Trenkner von der Polnischen Nationalbank weist außerdem darauf hin, dass die Arbeitsproduktivität schneller steigt als die Löhne, was zu einer Senkung der Lohnstückkosten führt. „Das wiederum erhöht die Konkurrenzfähigkeit polnischer Produkte auf den Weltmärkten“, schlussfolgert sie. Im ersten Halbjahr 2006 stieg die Arbeitsproduktivität um 10,4 Prozent, während die Löhne nur um 5,1 Prozent zulegten. Der Export wuchs im gleichen Zeitraum um 16 Prozent. Höhere Löhne wiederum bedeuten mehr Kaufkraft und mehr privaten Konsum, der ebenfalls zu den Motoren des Wachstums zählt.

Die gute Konjunktur basiert auf dem gewaltigen Strukturwandel, den die polnische Wirtschaft seit Ende der 90-Jahre durchgemacht hat: Vor allem der gewaltige Zustrom ausländischer Direktinvestitionen, die Modernisierung der Industrie und der Ausbau des Dienstleistungssektors. Heute ist die Wirtschaft viel besser auf die Bedürfnisse der Weltmärkte und die Ansprüche der einheimischen Verbraucher ausgerichtet.

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