75 Tote bei Anschlagsserie
Blutiger Ausnahmezustand im Irak

In mehreren Städten des Irak sind bei offensichtlich koordinierten Anschlägen mindestens 75 Menschen getötet worden. Das wirft einen dunklen Schatten über die in der kommenden Woche geplante Machtübergabe an die irakische Übergangsregierung.

HB BAGDAD. Zu den Taten bekannte sich die Gruppe um den Moslem-Extremisten und El-Kaida-Verbündeten Musab el Sarkaui. Die Gewalteskalation in Mossul, Bakuba, Falludscha, Ramadi und der Hauptstadt Bagdad zeigt die anhaltend prekäre Sicherheitslage in dem Golfstaat. Die Anschläge zielten vor allem auf Polizeistationen und dem Bekennerschreiben zufolge auf Iraker, die mit den Besatzungsmächten zusammenarbeiteten. Allein in Mossul im Nordirak kamen nach Polizeiangaben mindestens 44 Menschen ums Leben, mehr als 200 wurden verletzt.

Die Gruppe um El Sarkaui erklärte auf einer Internetseite, sie habe einen breit angelegten Angriff ausgeführt, „darunter Schläge gegen abtrünnige Polizeiagenten und Spione, die irakische Armee gemeinsam mit ihren amerikanischen Brüdern“. Die Echtheit des Schreibens war zunächst ungeklärt. Die Gruppe hatte sich zuletzt auch zur Enthauptung zweier ausländischer Geiseln bekannt. Die Extremisten und Rebellen haben ihre Anschläge in den vergangenen Tagen intensiviert und versuchen damit offenbar, die für den 30. Juni geplante Machtübergabe von den Besatzungstruppen an die Iraker zu sabotieren.

Bewohner Bakubas nordwestlich von Bagdad berichteten, die Angreifer hätten gelbe Stirnbänder getragen mit der Aufschrift Saraja el Tauhid und Dschihad. Die Gruppe des Jordaniers El Sarkaui heißt Dschama'at el Tauhid und Dschihad. Die Männer hätten Flugblätter verteilt, auf denen vor einer Zusammenarbeit mit den Amerikanern gewarnt worden sei. „Das Fleisch der Kollaborateure ist schmackhafter als das der Amerikaner“, hieß es auf den Blättern.

Der Chef der irakischen Übergangsregierung, Ministerpräsident Ijad Allawi, lastete die Anschläge in Mossul der Gruppe Ansar el Islam an, mit der El Sarkaui ebenfalls in Verbindung stehen soll. Die Angriffe in Bakuba und Ramadi gingen dagegen auf das Konto von Anhängern des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein, sagte er.

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