75 Tote bei blutigen Kämpfen
Afghanistan-Lage verschlechtert sich zusehends

In Afghanistan wird die Lage für die Bevölkerung und ausländische Helfer immer gefährlicher. Kurz vor dem islamischen Fastenmonat Ramadan sind bei heftigen Kämpfen wieder mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen.

HB KABUL. Allein in der südlichen Provinz Urusgan wurden mindestens 45 mutmaßliche Taliban getötet, wie die US-Führung des Anti-Terror-Einsatzes „Operation Enduring Freedom“ (OEF) mitteilte. Die Aufständischen griffen den Angaben zufolge am Mittwoch einen Konvoi der afghanischen Streitkräfte und der Allianz an. Diese forderten Luftunterstützung an. Die ISAF erklärte, es sei zu befürchten, dass die Taliban wie im vergangenen Jahr zum Fastenmonat Ramadan ihre Anschläge verstärkten.

Die afghanische Polizei vereitelte in der südlichen Provinz Helmand einen Selbstmordanschlag auf britische Soldaten. Ein verdächtiger Rikscha-Fahrer habe sich dem Standort des Wiederaufbauteams (PRT) in Laschkargah genähert und sei erschossen worden, als er nach einem Polizeianruf flüchten wollte. Wie sich herausstellte, trug er einen Sprengstoffgürtel.

Bei Gefechten von Sicherheitskräften und Koalitionstruppen mit den Taliban wurden nach Angaben der Regierung in Kabul in der Provinz Kandahar elf Extremisten getötet.

Die zunehmenden Kämpfe haben die Lage für die Zivilbevölkerung noch gefährlicher gemacht, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Donnerstag in Genf mitteilte. „Der Konflikt wird schärfer und weitet sich aus“, sagte der Chef der IKRK-Delegation in Kabul, Reto Stocker, am Donnerstag in Genf. Die Taliban forderten unterdessen nach Angaben der afghanischen Regierung, von der Uno-Liste terroristischer Vereinigungen gestrichen zu werden.

Fast die Hälfte des Landes sei nun von den Kämpfen zwischen den radikal-islamischen Taliban, den Regierungstruppen und den internationalen Streitkräften betroffen, sagte Stocker. „Die Grundversorgung ist in ländlichen Gebieten nicht mehr gegeben“, sagte Stocker. Schlimm sei auch die Lage der Zivilbevölkerung angesichts von Bombenangriffen der Nato oder terroristischen Anschlägen. Laut Stocker gibt es seit Januar mindestens 106 zivile Todesopfer.

Die Taliban wollen nach Angaben der afghanischen Regierung von der Uno-Liste terroristischer Vereinigungen gestrichen werden. Das sei die einzige Bedingung, die die Aufständischen in ihrem Gesprächsangebot an die Regierung gestellt hätten, sagte der Nationale Sicherheitsberater von Präsident Hamid Karsai, Salmaj Rassul, der Deutschen Presse-Agentur dpa in einem Gespräch in Kabul. Die Rebellen hätten einen Abzug der internationalen Truppen erstmals nicht zur Voraussetzung gemacht. Die Regierung sei auf Basis der Verfassung zu Verhandlungen bereit.

Man müsse innerhalb der Taliban unterscheiden, sagte Rassul. Es gebe „Hardcore“-Aufständische an der Seite des Terrornetzes El Kaida. Ein Teil der Taliban sehe aber, dass sie den „falschen Krieg“ kämpften. Sie seien offen für Gespräche. Ein Abzug der ausländischen Soldaten aus Afghanistan war bislang Kernforderung der Taliban um Mullah Omar. Die Aufständischen hatten Verhandlungen vor einem solchen Abzug bislang kategorisch ausgeschlossen. Am Montag hatten die Rebellen überraschend ihre Bereitschaft zu Gesprächen mit der Regierung signalisiert, ohne sich zu Bedingungen zu äußern.

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