9/11-Jahrestag
Ground Zero: Amerikas klaffende Wunde

Acht Jahre nach den Anschlägen vom 11. September ist Ground Zero noch immer eine klaffende Wunde. Der Wiederaufbau kommt nicht voran, weil Behörden, Opfer und und Geldgeber um Kompetenzen streiten. Doch solange der Riss offen ist, kann er nicht heilen.

NEW YORK. Nur kurz verdrängt andächtige Stille die Querelen rund um den Wiederaufbau des World Trade Centers, als der „letzte Pfeiler“ knapp acht Jahre nach den Anschlägen vom 11. September auf die größte Baustelle New Yorks zurückkehrt.

Politiker, Investoren, Besucher und Bauarbeiter beobachten, wie ein riesiger Kran den Stahlträger auf die Baustelle befördert. Er ist in ein weißes Tuch gehüllt, mit Bildern, Gebeten sowie guten Wünschen von Hinterbliebenen und Feuerwehrleuten übersät. Der Träger war 2002 als letztes Trümmerstück von der Unglückstelle in einer aufwendigen Zeremonie geborgen worden und soll 2011 – zum zehnten Jahrestag des Anschlags – Kern des noch zu bauenden Mahnmals werden. Wenigstens dieser Teil der Wiederaufbauarbeiten soll trotz Finanzkrise und der Auseinandersetzung zwischen Bauherr Larry Silverstein und den Behörden planmäßig beendet werden.

„Keiner der Beteiligten kann von der Verpflichtung befreit werden, dass das Mahnmal am zehnten Jahrestag der Öffentlichkeit übergeben wird“, beschwört Joe Daniels, Präsident der Stiftung, die Museum und Mahnmal plant. Die Hoffnung, dass das eigentliche Museum im Zentrum des 6,5 Hektar großen Areals dann fertig sein wird, ist aber längst aufgegeben.

Finanzkrise, Kompetenzstreitigkeiten zwischen unzähligen staatlichen Stellen, Opferverbänden und Finanziers sowie langwierige Auseinandersetzungen um die Architektur haben Daniels sowie den übrigen Planern des Gesamtkomplexes einen Strich durch die Rechnung gemacht. So wurde das geplante Fertigstellungsdatum des ursprünglich „Freedom Tower“ getauften, 541 Meter hohen Hauptgebäudes mehrfach verschoben.

Das auf ein Konzept von Stararchitekt Daniel Liebeskind zurückgehende Gebäude, dessen Höhe von 1776 Fuß auf das Jahr der US-Unabhängigkeitserklärung anspielt, wurde in „World Trade Center Nummer 1“ umbenannt, weil sich kaum Mieter für ein Hochhaus mit einem so politisch aufgeladenen Namen fanden. Der Bauherr, die staatliche Hafenbehörde, will es nun frühestens 2013 eröffnen. Immobilienmagnat Larry Silverstein, der als Pächter des Geländes die übrigen Gebäude auf der Baustelle errichten soll, macht die Hafenbehörde für die Verzögerung auch seiner Pläne verantwortlich. Erst Ende August und nach den Worten eines Silverstein-Managers mit „999 Tagen“ Verspätung, stellte die Hafenbehörde die Baugrube für die Hochhäuser fertig.

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