900 weitere Soldaten
Großbritannien stockt Truppen in Afghanistan auf

Großbritannien reagiert auf die zunehmenden Angriffe der extremistischen Taliban mit einer deutlichen Verstärkung seiner Truppen in Afghanistan. Bis zu 900 Soldaten sollen zusätzlich in das Konfliktgebiet geschickt werden.

HB LONDON. Damit werde die Zahl der britischen Truppen in Afghanistan, die größtenteils in der Unruheprovinz Helmand stationiert sind, von derzeit 3600 bis Oktober auf 4500 steigen, teilte Verteidigungsminister Des Browne im Unterhaus mit. London werde zudem mehr Hubschrauber und andere Militärtechnik einsetzen.

Allein in den letzten vier Wochen sind bei Kämpfen mit Taliban-Milizen sechs britische Soldaten getötet worden. Seit Beginn des Einsatzes im Jahr 2001 kamen bislang insgesamt 13 britische Soldaten in dem zentralasiatischen Land Soldaten um. Premierminister Tony Blair hatte zuvor erklärt: „Dies war von Anfang an eine schwierige Aufgabe, und die Menschen haben verstanden, dass es gefährlich werden würde.“

Auch die Bundeswehr wurde in Afghanistan wiederholt attackiert. Extremisten griffen am Sonntagabend in der Hauptstadt Kabul den Bundeswehrstützpunkt Camp Warehouse an. Deutsche Soldaten wurden nicht verletzt. Das Verteidigungsministerium in Berlin teilte mit, zwei Panzerfaust-Granaten hätten einen leeren Container auf dem durchschlagen. Außerdem sei ein Wachturm des Stützpunktes mit Handfeuerwaffen angegriffen worden. Die deutschen Soldaten hätten das Feuer erwidert, die Täter hätten jedoch fliehen können. Eine weitere Granate habe eine Tankstelle außerhalb des Camps getroffen. Dabei sei ein afghanischer Zivilist verletzt worden.

„Die Lage ist zugegebenermaßen ernst“, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Montag in Potsdam bei einem Besuch des Einsatzführungskommandos. Es werde versucht, durch Angriffe die Ausweitung des Wiederaufbauprozesses auf ganz Afghanistan zu torpedieren.

Im Camp Warehouse sind noch rund 900 deutsche Soldaten stationiert. Die Bundeswehr verlegt derzeit die meisten ihrer Soldaten in den Norden nach Masar-i-Sharif und will den Stützpunkt im August an die Franzosen übergeben. Im Camp Marmal in Masar-i-Sharif sind derzeit bereits rund 900 deutsche Soldaten stationiert, in Kundus gut 350 und in Feisabad knapp 250. Insgesamt stellt die Bundeswehr für die Nato-Friedenstruppe Isaf etwa 2800 Soldaten in Afghanistan und Usbekistan. Die letzten Angriffe auf die deutschen Truppen hatten sich Mitte Juni gegen Patrouillen aus Feisabad und Kundus gerichtet. Jung hatte daraufhin umfangreichere Sicherheitsvorkehrungen angeordnet.

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