Verspricht sich von der Einigung „neuen Schwung für das soziale Europa“: EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla. Foto: dpa
HB LUXEMBURG. Nach jahrelangem Tauziehen bekommen Millionen
von Leiharbeitern und überlastete Klinikärzte in Europa einheitliche
Regeln für bessere Arbeitsbedingungen. Die EU-Arbeitsminister beschlossen am frühen Dienstagmorgen im siebten Anlauf die bis zuletzt
umstrittenen Richtlinien zur Arbeitszeit und Zeitarbeit.
Zeitarbeiter
sollen weitgehend mit Festangestellten rechtlich gleichgestellt
werden, während die durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf 48
Stunden festgelegt wurde, dennoch aber Ausnahmen bis zu 65 Stunden
möglich sind.
„Dies ist ein wichtiger Tag für die europäischen Arbeitgeber und
Arbeitnehmer“, sagte die Ratsvorsitzende und slowenische
Ressortchefin Marjeta Cotman in Luxemburg, nachdem der Beschluss mit
qualifizierter Mehrheit zustande gekommen war. „Der Kompromiss
gewährleistet Schutz und Sicherheit für die Arbeitnehmer, aber auch
Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung“, sagte Cotman weiter.
EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla verspricht sich von der Einigung
„neuen Schwung für das soziale Europa“. Jetzt liege „der Ball im Feld
des europäischen Parlaments“, das die Richtlinien noch formal
beschließen muss, sagte Spidla.
Eine Minderheit um Spanien und kleinere Ländern übte heftige
Kritik an der Arbeitszeitrichtlinie, die sie gern restriktiver zum
Schutz der Arbeitnehmer gehabt hätte. „Das ist ein Rückschritt bei
den sozialen Richtlinie“, sagte Spaniens Minister Celestino Corbacho.
Für Deutschland bedeuten beide Neuregelungen nach den Worten von
Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) „eine gute Lösung“. Im Hinblick auf
die Arbeitszeitregelung gelte, dass das bestehende deutsche Recht
nicht geändert werden brauche. Dies sei wichtig, weil Deutschland
„eines der fortschrittlichsten Arbeitszeitrechte in Europa“ habe.
So
sei beispielsweise in Deutschland geregelt, dass Bereitschaftszeit
als Arbeitszeit gilt. Dies habe etwa für viele Ärzte eine Entlastung
bedeutet, und es könne dabei nun bleiben. Die in Deutschland bereits
bestehende Regelung für die Rechte von Zeitarbeitern seien außerdem
nun zum „Standard in Europa“ geworden.